Klimaschutz als teure Axt im Walde

10. Dezember 2009, 18:40
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Schlechte Karten hat Österreich beim Thema "Waldanrechnung" in Kopenhagen. Was zum Schutz der Urwälder gedacht ist, könnte Milliarden-Zahlungen bedeuten

Kopenhagen/Wien - Bei den Verhandlungen in Kopenhagen geht es derzeit auch um die Anrechnung von Wäldern. Diese sind riesige Speicher von Kohlendioxid und müssen deshalb geschützt werden, so der allgemeine Konsens. Insbesondere der Regenwald soll nicht weiteren Brandrodungen zum Opfer fallen, etwa, um stattdessen schnellwachsende Agrarenergie-Pflanzen wie Pappeln anzubauen. Das Nachfolgeabkommen zu Kioto soll deshalb einen Passus beinhalten, der LULUCF genannt wird und "Land Use, Land Use Change and Forestry" umfasst.

Leider jedoch beinhaltet das derzeit dazu kursierende Papier für typische Waldländer wie Österreichmassive Nachteile - finden jedenfalls heimische Agrarier, die Zeter und Mordio schreien. "Österreich müsste bei Anwendung der strittigen Berechnungsmethode nach ersten Hochrechnungen Strafe in Höhe eines Milliardenbetrages zahlen" , so Gerhard Wlodkowski, Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich. Und dies, obwohl "aus dem Wald nie mehr herausgenommen wird, als wieder nachwächst" , wie Heinz Kopetz, Chef des Biomasseverbands, betont.

Im Kern geht es darum, dass Österreich und vergleichbare Staaten ein Waldmanagement aufgebaut haben, in dem der Wald als Grundlage für Holzversorgung und Biomasse dient. Damit wird ihm aber auch viel entnommen. Und diese Entnahme, bei der das Holz häufig verbrannt wird, gehöre selbstverständlich zu den CO2-Emissionen gerechnet, argumentiert hingegen Bernhard Obermayr von Greenpeace. "Alles andere wäre ja Schönrechnerei."

Weniger Holzzuwachs

Wie berichtet, hatte sich Österreich in Kopenhagen gegen diesen Vorschlag gestemmt und deshalb gleich am ersten Verhandlungstag die Negativauszeichnung "Fossil of the Day" bekommen, zusammen mit Finnland und Schweden, die ähnliche Positionen vertreten. Doch ist der Unmut der Agrarier insofern verständlich, als der heimische Wald jährlich zunimmt, wenn auch nicht mehr so umfangreich wie früher. Im Jahr 1990 - darauf basiert der Vorschlag - beliefen sich die Zuwächse laut Martin Hörbarth von der Landwirtschaftskammer auf zehn Millionen Festmeter pro Jahr; bis 2020 dürften es nur mehr zwei Millionen sein. Die Differenz von acht Millionen Festmeter wird nach Logik des Vorschlags als Verschlechterung gewertet.

Unzufrieden mit den Entwicklungen in der Klimaschutzpolitik ist auch eine andere Branche. Die Windkraftbetreiber fordern höhere Einspeistarife für Ökostrom. Beim Ausbau der Windkraft herrsche in Österreich seit dreieinhalb Jahren Stillstand, nur mit einem Einspeistarif von mindestens 9,8 Cent pro Kilowattstunde könnte diese Blockade gelöst werden, so die Interessengemeinschaft Windkraft.

Am 20. Oktober ist die neue Ökostromnovelle in Kraft getreten; nun warte man auf die Verordnung, die die Einspeistarife regelt. Nach Information der IG Windkraft liegt dieser Tarif jedoch nur bei 9,1 Cent, was zu keinem weiteren Ausbau animieren würde, so Stefan Hansch von der Windkraft.

Bei einer Anhebung des Einspeistarifs auf das geforderte Niveau könnten Österreichs Windkraft-Unternehmen in den nächsten fünf Jahren 1,3 Mrd. Euro investieren und so das Ökostromziel von 700 Megawatt neuer Windkraft bis 2015 erreichen.

Nach Berechnungen der European Wind Energy Association (EWEA) wird die Windkraft ein Fünftel zum Klimaziel der EU beitragen. Davon würden auch die Zulieferbetriebe profitieren, die sich auf Windkraft spezialisiert haben. Schon jetzt liegt ihr Exportvolumen bei 350 Millionen Euro.(Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.12.2009)

 

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    Die Emissionen, die durch Nutzung des Waldes entstehen, sollen in die Klimabilanz jedes Landes einfließen. Das benachteiligt Länder wie Österreich, die ihre Wälder nicht mehr groß ausweiten können.

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