Missing Link der Dinosaurier gefunden

10. Dezember 2009, 20:04
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In den USA entdeckte urtümliche Sauriergattung gibt neue Einblicke in die frühe Evolution der Riesenechsen

Washington - Sein Name erinnert eher an eine arabische Süßspeise als an ein agiles Raubtier: Tawa hallae, benannt nach dem Hopi-Sonnengott Tawa und der Forscherin Ruth Hall, war mehr als 70 cm hoch, gut zwei Meter lang und ging auf zwei Beinen. Der Körperbau lässt auf ein hohes Lauftempo schließen. Der Fleischfresser verfügte außerdem über beeindruckende Krallen sowie nadelscharfe Zähne. Als Mensch möchte man einer solchen Kreatur lieber nicht in freier Wildbahn begegnen.

Das wäre auch gar nicht möglich. T. hallae lebte während des späten Trias-Zeitalters vor circa 214 Millionen Jahren gehört damit zu besonders urtümlichen Sauriern. Gelebt hat er im heutigen US-Bundesstaat New Mexico - einer Region, die damals schon trocken und warm gewesen sein dürfte . "Es gab zwar Bäume in dieser Landschaft, aber die standen wahrscheinlich einzeln verstreut und bildeten keinen Wald", sagt der Paläontologe Randall Irmis von der University of Utah gegenüber dem Standard.

Völlig neue Saurierart

Irmis ist Mitglied eines US-Forscherteams, das die Überreste von insgesamt sieben T. hallae auf dem Gelände der berühmten Ghost Ranch ausgegraben hat, einer der berühmtesten Saurierfundstätten überhaupt. Der Saurier gehören einer bislang unbekannten Gattung an. Ihre erste detaillierte Beschreibung wurde heute in der aktuellen Ausgabe der US-Wissenschaftszeitschrift "Science" (Bd. 326, S. 1530) veröffentlicht.

Die T.-hallae-Gebeine - darunter zwei fast vollständig erhaltene Skelette - lagen in Sedimenten eines urzeitlichen Flusses eingebettet, berichtet Randall Irmis. Der enorme wissenschaftliche Wert der Fossilien liegt vor allem darin, dass der Knochenbau sowohl primitive als auch evolutionär fortgeschrittene Strukturen aufweist.

Tawa kann somit als Übergangsform zwischen südamerikanischen Ursauriern wie zum Beispiel Eoraptor und den Neotheropoden gelten, aus denen später Großräuber wie der Tyrannosaurus hervorgingen.

Die ersten Dinosaurier entstanden als eigene Entwicklungslinie wahrscheinlich während des mittleren Trias vermutlich vor etwa 250 Millionen Jahren. Ihr "Geburtsort" dürfte auf dem Gebiet des heutigen Südamerika gelegen sein, welches damals noch ein Teil des Urkontinents Pangaea war. Ein Vergleich zwischen dem neu entdeckten T. hallae und anderen Dinofunden aus dem spätem Trias deutet jedenfalls auf eine frühe mehrfache Einwanderung von Ursauriern nach Nordamerika hin.

Allerdings handelte es sich dabei nach den bisherigen Erkenntnissen nur um Theropoden. Ornithischier und Sauropoden, die Vorfahren von Diplodocus und weiteren gewaltigen Pflanzenfressern, schafften es damals nicht, im Norden Fuß zu fassen. Warum nicht? Vielleicht deshalb, weil sich zwischen den beiden Gebieten eine Wüstenzone ausbreitete, wie paläoklimatische Modelle nahelegen (vgl. "Sedimentary Geology", Bd. 190, S. 269).

Frühe Vogelmerkmale

Das Skelett von T. hallae offenbart noch einige andere wichtige Details: Am Schädel und in den Wirbeln finden sich seltsame Aussparungen, Hinweise auf die Existenz eines Luftsacksystems, wie wir es bei den heutigen Vögeln finden. Offensichtlich liegt der Ursprung dieses Merkmals in der Evolution viel weiter zurück als bisher angenommen.

Welche evolutionstechnischen Vorteile die Entwicklung eines mit den Lungen verbundenen Luftsacksystems sowie die damit verbundene "Pneumatisierung" des Skeletts (Bildung von hohlen Knochen) nichtfliegenden Sauriern brachte, ist noch ungeklärt. Denkbar wären eine effizientere Atmung und ein geringerer Energieverbrauch dank leichtem Knochenbau. (Kurt de Swaaf, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11. Dezember 2009)

  • Tawa hallae heißt die bisher unbekannte Saurierart, die darauf schließen lässt, dass die Dinos aus Südamerika kamen.
    illustration by jorge gonzalez

    Tawa hallae heißt die bisher unbekannte Saurierart, die darauf schließen lässt, dass die Dinos aus Südamerika kamen.

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