Umstrittene Wächter über Bonität

10. Dezember 2009, 18:04
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Die Ratingagentur Fitch hat mit seiner Herabstufung Griechenlands die Märkte massiv verunsichert

Die knappe Aussendung der Ratingagentur Fitch, die den griechischenSteuerzahler zig Millionen Euro kosten könnte, ist gerade sieben Absätze lang. Die französische Agentur legt in der knappen Aussendung vom Wochenbeginn dar, dass das neue griechische Sparpaket zwar ganz nett, im Grunde aber vollkommen unzureichend sei. Schlagartig verteuerten sich die griechischen Staatsanleihen um rund 60 Basispunkte gegenüber den deutschen Papieren (siehe Grafik oben).

Der Fall zeigt nicht nur die Probleme Griechenlands. Nachdem die Ratingagenturen vor einem Jahr in schwere Kritik geraten waren, scheinen Moody's und Standard & Poor's (beide USA) sowie Fitch (Frankreich) einen Teil ihrer alten Bedeutung wiedererlangt zu haben. Auch in der Dubai-Krise kam den Bewertungen der Bonitätswächter eine zentrale Rolle zu.

Ins Kreuzfeuer geraten waren die Agenturen, weil sie die Subprime-Hypotheken, die zum Auslöser der Finanzklemme wurden, zu lange mit Bestnoten bewertet hatten. So bekam die Investmentbank Lehman Brothers noch einen Tag vor ihrem Zusammenbruch die höchste Bonitätsstufe. Inzwischen wurden Bestimmungen in den USAund in Europa nachgeschärft. In der EU dürfen Agenturen künftig ein Unternehmen, dass sie bewerten, nicht beraten. Bis Juli 2010 soll Kommission einen Vorschlag für eine eigene Aufsichtsbehörde unterbreiten. In den USA hatten sich Ratingagenturen gegen Schadenersatzklagen bisher mit demHinweis auf freie Meinungsäußerung wehren können. Doch lies ein US-Gericht im September erstmals eine Klage gegen Moody's und S&P zu.

Nicht unumstritten

Auch unabhängig von rechtlichen Schritten, sind die Agenturen nicht unumstritten. Ein Beispiel: Durch die Herabwertung Griechenlands von "A-" auf "BBB+" verteuern sich die Anleihen des Landes wegen der Marktreaktion drastisch.

Tatsächlich bedeutet aber selbst "BBB+" nicht, dass Griechenland direkt vor der Pleite steht. "BBB+" heißt im Grunde weiter für Investitionen geeignet. Warum also die Abwertung eines souveränen Eurostaates? Kann Griechenland pleite gehen? Theoretisch jedenfalls sagen Experten. "Wie die Russlandkrise von 1998, aber auch Beispiele in Südamerika gezeigt hätten, können Staaten sehr wohl Pleite gehen" , sagt Wifo-Ökonom Franz Hahn. "Das Rating zeigt an, wie weit Staat davon entfernt ist" .

Auch Christoph Weil von der deutschenCommerzbank hält das Vorgehen von Fitch für gerechtfertigt. In die Bewertungen würde aber auch mit einfließen, dass Athen schon häufiger Zahlen manipuliert hat, "die sind ja bereits in die Eurozone nur durch tricksen gekommen" , sagt Weil. In den kommenden Monaten rechnet er mit einer Herabwertung Griechenlands durch weiteren Agenturen. (szi, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 11.12.2009)

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