Krebs-Niere eingesetzt: Zweites Gutachten

10. Dezember 2009, 17:55
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LKH Klagenfurt will aufklären, ob Metastasen in Organ hätten erkannt werden müssen

Klagenfurt/Wien - "Ich bin heute hier, um den Weg meines Vaters weiterzugehen" , sagt Lukas Laßbacher. Der 20-Jährige erklärte am Donnerstag in Wien vor Journalisten, sein Vater Manfred habe gewollt, dass keinem je wieder widerfährt, was ihm passierte. Der Dialysepatient hat eine Spenderniere bekommen. Zwei Jahre später, im April 2009, starb er 56-jährig an Krebs. Die Tumoren wiesen laut Gutachten des Chirurgen Georg Kobinia Fremd-DNA auf - ein medizinisch bisher einzigartiger Fall. Bereits in mehreren Organen des Spenders hätten sich laut Kobinia bis zu fünf Zentimeter lange Metastasen befunden.

Manfred Laßbacher war der Meinung, dass man im LKH Klagenfurt, wo die Niere entnommen worden war, den Krebs hätte bemerken müssen. Er forderte Schadenersatz und wandte sich an Anwältin Karin Prutsch. Diese sagte am Donnerstag, sie habe nun erstmals einen Anruf der Versicherung des LKH Klagenfurt erhalten. Man werde ein zweites Gutachten anfertigen lassen. Die Familie strebe eine außergerichtliche Einigung an.

Peter Lind, medizinischer Direktor des LKH Klagenfurt, sagte dem Standard, die Organentnahme sei vorschriftsmäßig erfolgt. Ein Blutwert, der laut Privatgutachten auf einen Tumor hinweisen kann, sei "nur sehr leicht erhöht" gewesen und "unspezifisch" , könne etwa auch auf Entzündungen hindeuten. Der Ultraschall, der bereits im LKH Villach durchgeführt wurde, wo der Spender zuerst gelegen war, habe keine Auffälligkeiten gezeigt. Die Chance, dass so etwas passiere wie in diesem Fall, sei "eins zu eine Million" .

Die Nieren waren dem Spender in einem Fettmantel entnommen und ins LKH Graz gebracht worden. Eine wurde Laßbacher eingesetzt. Kurz danach wurde bei der anderen Niere ein Tumor entdeckt. Es bestand erhebliche Gefahr, dass auch Laßbachers Niere Metastasen aufwies. Zwölf Stunden nach der Transplantation wurde ihm das Organ wieder entnommen. In dieser Zeitspannne dürfte sich der Krebs bereits ausgebreitet haben. (Gudrun Springer, DER STANDARD - Printausgabe, 11. Dezember 2009)

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