Länder verspielen

11. Dezember 2009, 09:58
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Am Kärntner Schuldenwesen kann die Republik genesen - Eine Glosse

"Kärnten wird reich", strahlte die Sonne, als sie die Hypo Alpe Adria 2007 mit den Bayern verschmolz - und das Hilfszeitwort dieses Satzes stammte damals wohl schon aus dem "Zukunftsfonds". Im übertragenen Sinn hatte die Sonne, die dann ein Jahr später volltrunken vom Himmel torkelte, aber natürlich völlig Recht. Immer reicher wird das Bundesland, weil seine Bewohner - für die Landesregierung - immer wertvoller werden.

Derzeit steht das Land für jeden seiner 560.000 Einwohner zwar nur mit 2.254 Euro in der Kreide. Der freihändigen Politik der Regierung ist es aber zu verdanken, dass sie schon im Jahr 2014, falls dann eine überstürzte Entschuldung notwendig sein sollte, mit 6600 Euro pro Kopf und Nase rechnen wird können. Und das nicht etwa deshalb, weil die Kärntnerinnen und Kärntner panisch Reißaus nehmen und beispielsweise wegen des Solariumverbots ihren Hauptwohnsitz in ein Sonnenstudio in Ljubljana verlegen.

Oberösterreich hat überhaupt keine Schulden, muss nach Kärntner Logik deshalb als Armenhaus der Republik bezeichnet werden. Weil es einige andere Länder aber den Kärntnern nachgemacht und in der Vergangenheit eine sehr mutige Budgetpolitik betrieben haben, liegt die Pro-Kopf-Verschuldung im Schnitt bei 792 Euro. Sollte sich die Politik des Anschreibenlassens in nächster Zeit noch etwas akzentuierter bemerkbar machen, dann tut sich eine Chance auf, die bisher niemand für möglich gehalten hätte: die von den Ländern herbeigewinselte Bundesstaatsreform. Die erdrückenden Schulden werden zu einer Filetierung der Landtage führen müssen (Eisenstadt schrumpft um die Hälfte, Sankt Pölten verschwindet von der Landkarte), die ganze heiße Luft fällt weg, Österreich schafft spielend die Kyoto-Ziele.

Und die stolzen Landesbürger? Von denen soll später keiner sagen, er hätte es nicht gewusst: Schließlich steht das Axiom vom "teuren Heimatland" schon in der Kärntner Landeshymne, nicht weit entfernt von den Worten "Blut", "Not" und "Tod". Von einer Sonne steht dort - im Gegensatz zur oberösterreichischen Landeshymne - interessanterweise im Übrigen nichts. (Martin Putschögl, derStandard.at, 11.12.2009)

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