General Konaté übernimmt nach Anschlag auf Camara die Macht - Juntachef für Wiederherstellung der "Disziplin"
Conakry - In Vertretung des bei einem Attentatsversuch
verwundeten Militärmachthabers Moussa Dadis Camara, der in Marokko
medizinisch behandelt wird, hat Vizepräsident und
Verteidigungsminister Sékouba Konaté als neuer starker Mann in Guinea
"interimistisch" die Staatsführung übernommen. Gleichzeitig
beschuldigte die Junta die frühere Kolonialmacht Frankreich, bei dem
fehlgeschlagenen Umsturz die Finger im Spiel gehabt zu haben.
In einer Fernsehansprache rief General Konate am Donnerstag die
Streitkräfte des westafrikanischen Landes zur Wiederherstellung der
"Disziplin" auf. Dass Camara nach dem Leben getrachtet worden sei,
"ist eine Schande für unsere Nation, eine Schande für unsere Armee",
sagte er. Diese aber müsse zusammenhalten "wie eine Familie". Auch
wenn die Genesung Camaras viel Zeit in Anspruch nehmen sollte, seien
keine Probleme zu erwarten, erklärte Juntamitglied Moussa Keita in
Conakry. Konate werde "in loyaler Weise die Interimsführung
gewährleisten".
Hoffnung auf Fortschritte
US-Diplomaten in Westafrika äußerten unterdessen die Meinung, dass
unter Konate Fortschritte auf dem Weg zu einer zivilen Regierung
möglich sein könnten. Konate hatte eine Schlüsselrolle bei dem Putsch
vom Dezember 2008 gespielt, der die Junta nach dem Tod des
langjährigen Diktators Lansana Conte an die Macht brachte.
Einer der führenden Demokratieaktivisten des Landes, der
Vorsitzende der "Union Demokratischer Kräfte" (UFD), Mamadou Bah
Baadiko, erklärte am Donnerstag, die Junta könne nicht den
krankheitsbedingten Auslandsaufenthalt Camaras zum Vorwand nehmen, um
sich "ewig an die Macht zu klammern". Er rief die Westafrikanische
Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) zum Eingreifen auf.
Juntasprecher Idrissa Cherif verdächtigte vor ausländischen
Journalisten französische Geheimdienste der Verwicklung in den
Anschlag auf Camara. Das französische Außenministerium wies die
Verdächtigungen am Donnerstag als "absurde Gerüchte" zurück.
Frankreich wolle sich nicht in eine "sterile Polemik" einlassen,
sagte der Sprecher des Quai d'Orsay, Bernard Valero.
Cherif verwies auf ein Treffen des französischen Außenministers
Bernard Kouchner mit dem Oppositionspolitiker Alpha Condé. Dabei wäre
es vor wenigen Tagen darum gegangen, einen Staatsstreich in
Abwesenheit des Juntachefs zu organisieren. In diesem Sinne habe
Paris auch seinen Einfluss bei der ECOWAS geltend zu machen versucht,
so der Juntasprecher.
Die französische Regierung hatte erklärt, die Abwesenheit Camaras
könnte ein "wichtiges Element" bei der Suche nach einem Ausweg aus
der politischen Krise in dem westafrikanischen Staat sein. Doch der
"eventuelle Abgang" des Juntachefs allein löse nicht alle Probleme
hinsichtlich der Rolle, welche die Armee bei der Transition zu einer
zivilen Regierungsform spielen werde, hatte
Kooperations-Staatssekretär Alain Joyandet gesagt. Camara wird für
das Blutbad vom 28. September verantwortlich gemacht; bei der
Niederschlagung einer Kundgebung der Opposition durch
Sicherheitskräfte waren damals in Conakry mehr als 150 Menschen
gewaltsam umgekommen.
Guinea wurde 1958 unabhängig, nachdem die Bevölkerung unter dem
ersten Präsidenten Ahmed Sékou Touré gegen die Zugehörigkeit zu der
von General Charles de Gaulle gegründeten "Communauté francaise"
votiert hatte. Die übrigen französischen Territorien in West- und
Äquatorialafrika erhielten erst 1960 die Unabhängigkeit. (APA)