Junta: Frankreich hat Putsch vorbereitet

10. Dezember 2009, 17:59
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General Konaté übernimmt nach Anschlag auf Camara die Macht - Juntachef für Wiederherstellung der "Disziplin"

Conakry - In Vertretung des bei einem Attentatsversuch verwundeten Militärmachthabers Moussa Dadis Camara, der in Marokko medizinisch behandelt wird, hat Vizepräsident und Verteidigungsminister Sékouba Konaté als neuer starker Mann in Guinea "interimistisch" die Staatsführung übernommen. Gleichzeitig beschuldigte die Junta die frühere Kolonialmacht Frankreich, bei dem fehlgeschlagenen Umsturz die Finger im Spiel gehabt zu haben.

In einer Fernsehansprache rief General Konate am Donnerstag die Streitkräfte des westafrikanischen Landes zur Wiederherstellung der "Disziplin" auf. Dass Camara nach dem Leben getrachtet worden sei, "ist eine Schande für unsere Nation, eine Schande für unsere Armee", sagte er. Diese aber müsse zusammenhalten "wie eine Familie". Auch wenn die Genesung Camaras viel Zeit in Anspruch nehmen sollte, seien keine Probleme zu erwarten, erklärte Juntamitglied Moussa Keita in Conakry. Konate werde "in loyaler Weise die Interimsführung gewährleisten".

Hoffnung auf Fortschritte

US-Diplomaten in Westafrika äußerten unterdessen die Meinung, dass unter Konate Fortschritte auf dem Weg zu einer zivilen Regierung möglich sein könnten. Konate hatte eine Schlüsselrolle bei dem Putsch vom Dezember 2008 gespielt, der die Junta nach dem Tod des langjährigen Diktators Lansana Conte an die Macht brachte.

Einer der führenden Demokratieaktivisten des Landes, der Vorsitzende der "Union Demokratischer Kräfte" (UFD), Mamadou Bah Baadiko, erklärte am Donnerstag, die Junta könne nicht den krankheitsbedingten Auslandsaufenthalt Camaras zum Vorwand nehmen, um sich "ewig an die Macht zu klammern". Er rief die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) zum Eingreifen auf.

Juntasprecher Idrissa Cherif verdächtigte vor ausländischen Journalisten französische Geheimdienste der Verwicklung in den Anschlag auf Camara. Das französische Außenministerium wies die Verdächtigungen am Donnerstag als "absurde Gerüchte" zurück. Frankreich wolle sich nicht in eine "sterile Polemik" einlassen, sagte der Sprecher des Quai d'Orsay, Bernard Valero.

Cherif verwies auf ein Treffen des französischen Außenministers Bernard Kouchner mit dem Oppositionspolitiker Alpha Condé. Dabei wäre es vor wenigen Tagen darum gegangen, einen Staatsstreich in Abwesenheit des Juntachefs zu organisieren. In diesem Sinne habe Paris auch seinen Einfluss bei der ECOWAS geltend zu machen versucht, so der Juntasprecher.

Die französische Regierung hatte erklärt, die Abwesenheit Camaras könnte ein "wichtiges Element" bei der Suche nach einem Ausweg aus der politischen Krise in dem westafrikanischen Staat sein. Doch der "eventuelle Abgang" des Juntachefs allein löse nicht alle Probleme hinsichtlich der Rolle, welche die Armee bei der Transition zu einer zivilen Regierungsform spielen werde, hatte Kooperations-Staatssekretär Alain Joyandet gesagt. Camara wird für das Blutbad vom 28. September verantwortlich gemacht; bei der Niederschlagung einer Kundgebung der Opposition durch Sicherheitskräfte waren damals in Conakry mehr als 150 Menschen gewaltsam umgekommen.

Guinea wurde 1958 unabhängig, nachdem die Bevölkerung unter dem ersten Präsidenten Ahmed Sékou Touré gegen die Zugehörigkeit zu der von General Charles de Gaulle gegründeten "Communauté francaise" votiert hatte. Die übrigen französischen Territorien in West- und Äquatorialafrika erhielten erst 1960 die Unabhängigkeit. (APA)

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    Diktator Moussa Dadis Camara (links) ist nach dem Anschlag zur Behandlung in Marokko in Conakry hat Vizepräsident und Verteidigungsminister Sékouba Konaté (rechts) die Macht übernommen

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