Sitting Bull und seine Welt

11. Dezember 2009, 18:42
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Ausstellung im Museum für Völkerkunde in Wien rückt die Geschichte des selbst ernannten "letzten Indianers" in den Mittelpunkt

Wien - Von den Medien als Staatsfeind Nummer Eins gehandelt, von den amerikanischen Behörden ohne Anklage in Sicherheitsverwahrung genommen, von anderen als Leitfigur des Widerstands gegen die Staatsgewalt verehrt und von der Popkultur längst für sich eingenommen: Parallelen ins Heute gibt es viele, wenn man sich das Schicksal von "Sitting Bull" im Wiener Völkerkundemuseum vergegenwärtigt. Die Lebensgeschichte jenes selbst ernannten "letzten Indianers", der auch innerhalb seines Volkes der Lakota eine umstrittene Persönlichkeit war und ist, steht im Mittelpunkt der aktuellen Ausstellung "Sitting Bull und seine Welt".

"Als er 1831 geboren wurde, waren die Lakota die Herren ihrer Welt am oberen Missouri", erzählte Museumsdirektor und Kurator Christian Feest. Mit den Weißen hatten sie sich arrangiert. Sie waren durch die Übernahme des Pferdes höchst erfolgreiche Bisonjäger und handelten mit Schmuck. Doch dann weitete sich die Zuwanderung der Weißen Richtung Westen aus: "Jahrzehnte später waren sie Almosen-Empfänger der Regierung." Und wurden, nachdem die Schlacht am "Little Bighorn" am 4. Juli 1876 für die US-Kavallerie vernichtend ausging, zum Feindbild der Öffentlichkeit.

Flucht und Gefangenschaft

Allen voran "Sitting Bull", der ins Exil nach Kanada flüchten musste und bei seiner Rückkehr entgegen Zusicherungen monatelang gefangen gehalten wurde. Seine schillernde Biografie, die als Show-Indianer bei Buffalo Bill, als Anführer einer Rückbesinnung auf die Traditionen der UreinwohnerInnen, als Künstler und Krieger stets weite Aufmerksamkeit erregte, endete 1891 schließlich in einem Schusswechsel mit der Polizei der Reservation Standing Rock.

Das Wechselspiel von Anpassungswille und Kampfgeist innerhalb der Lakota, "Sitting Bulls" ambivalentes Verhältnis zum Kapitalismus, seine zahlreichen Frauen und Kinder und die Darstellung seiner Person in der amerikanischen Öffentlichkeit bis heute zeigt die Ausstellung in Fotos, Karikaturen und Souvenirs. Die Schau versucht dabei, die Welt der Lakota durch Schmuck und Bekleidung, durch die indianische Geschichtsschreibung der "Winterzählungen" auf Tierhäuten oder durch weit verzweigte Stammbäume lebendig zu machen.

Umstrittener Werbeträger

Dass "Sitting Bull" zu den meistporträtierten "Rothäuten" überhaupt zähle, lieferte für die Schau viel Material - und habe seiner Nachwelt Gelegenheit gegeben, ihn als Werbeträger und Symbolfigur sowohl für "Sitting Bull Managementstrategien" wie auch "Sitting Bull Eislutscher" zu benutzen, so Feest. Auch innerhalb seines Volkes wird noch heute darüber gestritten, wem nun die Deutungshoheit über seine Biografie zukommt. Als Kurator habe sich Feest auch mit dem einzigen verbliebenen Nachkommen getroffen, berichtete er, und versucht, ihn selbst und die Reservation in die Ausstellung miteinzubinden. "Aber das ist immer noch ein zu großes Streitthema." (APA/red)


Ausstellung
"Sitting Bull und seine Welt" im Museum für Völkerkunde, Wien.
Bis 15. März, täglich außer Dienstag 10-18 Uhr.

Link
Museum für Völkerkunde, Wien

  • Bild nicht mehr verfügbar

    "Sitting Bull" auf einem undatierten Archivbild - sein Schicksal vergegenwärtigt eine Ausstellung im Wiener Völkerkundemuseum bis Mitte März.

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