EU über Griechenlandhilfen uneins

Furcht vor Dominoeffekt in Eurozone

10. Dezember 2009 18:00
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    Foto: apa/panagiotou

    Baustelle Griechenland: Das EU-Mitglied gilt als chronischer Defizitsünder und schreckte jüngst die Märkte mit der Mitteilung auf, dass das Defizit dieses Jahr mit 12,7 Prozent mehr als doppelt so hoch ausfallen wird wie veranschlagt.

Die exorbitant hohen Schulden einiger EU-Staaten - darunter vor allem Griechenland - könnten die gesamte Union in Bedrängnis bringen

Den Preis für das beste politische Marketing wird Brian Lenihan dieses Jahr nicht gewinnen. Irlands Finanzminister hat seinen Landsleuten das größte Sparpaket aller Zeiten verkündet und dann zu beruhigen versucht: Die Wirtschaft habe sich stabilisiert, "the worst is over" , verkündete er in Dublin.

Dabei hat es das irische Paket in sich: Während Österreichs Beamte 0,9 Prozent Gehaltserhöhung erhalten, werden die Bezüge der 400.000 Staatsdiener auf der grünen Insel um bis zu 15 Prozent gekürzt. Gespart wird auch bei Leistungen an junge Arbeitslose, das Kindergeld wird gestutzt, eine neue Steuer auf Benzin eingeführt.

Das irische Programm wird in der gesamten EU aufmerksam verfolgt. Denn die exorbitanten Aufwendungen zur Stabilisierung der Banken und der Wirtschaft rächen sich nun in zahllosen EU-Ländern. Irland, Spanien und Griechenland zählen zu den großen Wackelkandidaten. Das Euroland Griechenland wird 2010 mit einer Verschuldung von 125 Prozent der Wirtschaftsleistung zum EU-Spitzenreiter. Zur Erinnerung: Die Maastricht-Kriterien verlangen eine Quote von 60 Prozent.

Athen bezahlt den Preis bereits: Staaten vergeben Anleihen, um über den Markt an Geld zu kommen. Damit Investoren griechische Papiere kaufen, muss Athen wegen seines explodierenden Defizits doppelt so viel Zinsen bieten wie Deutschland - der Stabilitätsprimus der EU. Allein 2010 wird Athen 1,2 Milliarden Euro Zinsen bezahlen.

Warnung vor systematischen Risiken

Doch die Staatsschulden treffen nicht nur einzelne Länder, Wifo-Experte Franz Hahn warnt vor "systematischen Risiken" . Wenn die Haushalte zu vieler Staaten kippen, könnte das die Stabilität des Euro gefährden und die Kreditkosten selbst für weniger verschuldete Staaten hochtreiben. "Länder mit einem ordentlichen Haushalt werden von den undisziplinierten Staaten in Geiselhaft genommen."

Tatsächlich tut sich Athen schwer. Während Irland sich mit einem Vier-Milliarden-Einsparplan gegen den Bankrott stemmt, hat Athen nur ein kleines Sparpaket vorgelegt. Griechenland will die Neuverschuldung 2010 runterdrücken. Doch die Ratingagentur Fitch bezweifelt die Nachhaltigkeit der Maßnahmen und senkte Anfang der Woche in einem beispiellosen Schritt den Bonitätsstatus Athens (s. Wissen).

Die Risse in der Eurozone beschäftigen auch die Staats- und Regierungschefs der EU bei ihrem Treffen Donnerstag und Freitag in Brüssel. Die bizarre Ausgangssituation: Während die EU Ländern wie Lettland und Ungarn mit Milliarden aus der Patsche hilft, sind derartige Unterstützungen in der Eurozone untersagt.

Laut Artikel 103 des EU-Vertrags haften weder die EU noch die anderen Mitgliedsstaaten für ein Euro-Land, Artikel 101 verbietetet der Europäischen Zentralbank die direkte Vergabe von Krediten und den Ankauf von Staatsanleihen der Währungsunion-Staaten.

Hilfe oder nicht

Trotz dieser Bestimmungen gehen die Meinungen darüber auseinander, ob Griechenland geholfen werden soll. Sollte ein Mitgliedsland Probleme haben, betreffe das alle: "Wir tragen gemeinsame Verantwortung" , sagte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (siehe Bericht auf Seite 3). Auch Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker hat schon mehrfach darauf hingewiesen, dass ein Crash in der Eurozone solidarisch verhindert werden würde. Möglich wäre etwa die Begebung gemeinsamer Anleihen von Eurostaaten, deren Erlöse dann aufgeteilt werden. "Die EU ist gut darin, Vertragsverpflichtungen in echten Krisenzeiten zu umgehen" , meint Daniela Schwarzer, Ökonomin und EU-Expertin in Berlin.

Notenbank-Chef Ewald Nowotny erklärte dagegen, das Prinzip des "No Bailout" sei "absolut ernst zu nehmen. Die Finanzierung öffentlicher Haushalte ist nicht Teil der Zielsetzung der Europäischen Zentralbank." Weil Griechenland die Eurozone seit Jahren mit falschen Budgetzahlen nervt, will die EU den Druck so lange wie möglich erhalten. So sprach der schwedischen Premier Fredrik Reinfeldt Donnerstag von "innerstaatlichen" Problemen in Griechenland.(Andreas Schnauder, András Szigetvari, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 11.12.2009)

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dieDritteGeneration
12.12.2009 16:32

Auch österreichische Pensionsfonds halten griechische Anleihen. Beim s Zukunft Renten 1 (staatlich geförderte Zukunftsvorsorge) sind griechische Anleihen sogar die größte Position.

Thomas Wetschnig
12.12.2009 15:25
Warum reden alle über Griechenland ............

........... aber niemand über Kärnten. Auch da wird die Republik dem Land voraussichtlich unter die Arme Greifen müssen um das von Haider hinterlassene Finanzdesaster auszubügeln. Griechenland ist nichts anderes als das Kärnten Europas.

also dann ...
11.12.2009 18:00
und wann ... werden es die "mainstream-ökonomen" (vom iwf, oecd bis hin zur ezb, SV-rat + wifo, önb etc.) "behirnen", dass

das exportmodell (D, A) mittelfristig t o t ist, weil

- die wirtschaft ein null-summen-spiel ist,
(d.h. die importländer nur durch s c h u l d e n...
z.b. auch mittels höhere löhne + die exporterfolge von D, A erst ermöglichten !)
- D + A ihre export-gewinne aufkosten der REALEN lohnverluste (und damit die internat. wettbewerbs-position verbesserten) erzielten
...und dadurch - auf jahre ! - die binnennachfrage
"abwürgten" ...
und
daher die völlig-einseitige exportausrichtung
aufkosten von GR, GB. E u.a.m. ging !

ökonomen, die nicht die treiber des BIP (investitionen (staat + HH), exporte + binnen-nachfrage - importe) schnallen,
sollten zuerst mal die VGR ... nachlesen !

http://www.heise.de/tp/r4/art... 706/1.html

also dann ...
11.12.2009 18:08
Wolf_002
 
11.12.2009 13:01

Wie wärs mit einer NULL-Zins Runde für die nächsten Jahre?

Am besten gleich, eine Weltweite Schuldenstreichung!

Das wäre ein "change" für den der Friedensnobelpreis vergeben werden sollte!

Sidlo
11.12.2009 13:01
Das ''no bailout'' wird nur solange

glaubhaft sein, solange die hochverschuldeten Länder keinen Einfluß auf die EZB Politik haben. Das wird immer unglaubwürdiger je mehr Länder es in der Eurozone gibt die hochverschuldet sind, inbesondere dann wenn die Zinsen einmal wieder zu steigen beginnen. Sobald zb. díe Hochverschuldeten in der Mehrheit sind, werden sie mit Sicherheit die EZB Politik maßiv beeinflussen und der Euro wird das dann mit der vollen Wucht zu spüren bekommen. Insofern ist Novotnys Aussage nur sehr beschränkt gültig. Aus diesem Grund war es wohl auch ein gravierender Fehler, dass man Länder wie Griechenland oder Italien überhaupt in die Eurozone aufgenommen hat.

José Atento
11.12.2009 14:13

Die Zinsen werden in den kommenden zwei Jahren deutlich ansteigen, denn eine riesige Teuerungswelle läuft auf uns zu. Wer Geld aus dem Nichts erzeugt, der wird eine hohe Teuerung ernten.

Und wenn einmal die Inflationsängste zurückkehren, dann werden auch die Zinsen steigen.
Jeder hoch verschuldete Staat ist dann unmittelbar von der Pleite bedroht.
Dann ist die EZB in der Zwickmühle.
Mehr Geld drucken oder Zinsen rauf? Beides wird dann große Probleme bereiten.

skyrock
11.12.2009 13:00
wie froh ich bin in diesem Verein dabei zu sein

Sieh an
11.12.2009 12:29
...Griechenland macht´s wie die Banken...

... wenn die Schulden gross genug sind, dann darf der (EU-)Steuerzahler einspringen...

Aracni Santini
11.12.2009 11:31
Island wird sich hüten

nach der Konsolidierung sich den maroden EUR aufzuhalsen, bei so einem Plan

Peter_23
11.12.2009 20:39
Die Isländer passen doch perfekt dazu.

Ein bisserl Pleitegeier, Staatsbankrott und mit ein paar Bankenzusammenbrüche gewürzt. Damit haben die Isländer schon ein wenig Erfahrung. Damit passen sie perfekt in die Eurozone: Denn genau das steht uns noch bevor.

Desperate83
11.12.2009 11:02
Ursache: Brain-Drain ohne Ende

Griechenland kann man durchaus mit Kärnten vergleichen: begabte Leute verlassen das Land
(zumeist Richtung USA) und kehren nicht mehr zurück. Und die Tourismusbranche erfordert keine hohe Qualifikationen weder intellektuell noch moralisch, Lügen oder falsche Freundlichkeit ist
systemimmanent.

Aracni Santini
11.12.2009 09:50
Gemeinsam Anleihen zu begeben ist der größte Blödsinn

Also EU-Anleihen zu begeben ist der größte Blödsinn, denn dann können Politiker hurtig weitermachen, im Steuergeld verschwenden. Dann haben diese Defizit-Länder überhaupt keine Begrenzungen mehr. Es kann nur so gehen, dass die EU solidarisch ist, Länder mit guter Budgetkraft den schwächelnden Anleihen abnehmen mit einem Zinssatz, den sie selbst bekommen. Dafür müssen diese Länder Einsparungsabkommen einhalten, ansonsten die Zinsen erhöht werden, bzw. keine Anleihen übernommen werden.

natoll
11.12.2009 11:25

hinkt genaus. was machst wenn sich länder die zinsen nicht mehr leisten können oder wollen?

die EU hat genug geld. sie müsste nur die unnötigen agrarsubventionen und andere spielereien einstellen.

Aracni Santini
11.12.2009 11:30
sie müssen ja dafür Budgetsanierungen leisten

damit sie etwas umschulden können. Wenn die Zinsen immer weiter steigen, können sie ihre Probleme gar nicht mehr lösen.

Alexander Patjomkin
11.12.2009 09:49
Die EU-Politiker spielen ja nur die Rolle der Statisten,

was die Steuerund der Wirtschaft und Soziales betrift. Je mehr Beamten in Brüssel, desto unfähiger
wird das System werden, was die Lösung der Probleme bedeutet. Die Beamten wollen ja nicht Lösungen sonder gutbezahlte Jobs bis zu Ewigkeit.

also dann ...
11.12.2009 09:49
was...soll das ? zum 1.

haben a l l e um die probleme GR seit jahren gewusst
(auch die "getürkten griechischen ziffern" !)
zum 2. haben IT + belgien auch eine verschuldung von ca. 100 % des BIP - gleichwohl deren beträge etwas... höher sind.

ja - nona wird der euro implodieren,
da ja der aussenwert (fast) nur mehr von D ...
gestemmt/gesichert wird.

es wird - auch wenn es noch keiner sagen willl -
zu einem austritt GR + anderer staaten kommen müssen, denn nur eine währungsabwertung kann diesen ländern helfen...

Mostbluzer
11.12.2009 10:12
italien schwimmt ...

mit wasser bei oberkante unterlippe. auch nix neues.

http://frank-meyer.eu/blog/inde... &tb=1&pb=1

also dann ...
11.12.2009 10:30
stimmt - wen keiner mehr die staatsbonds

(mit welchem aufschlag auch immer) kaufen will
wird es eng.
deswegen ist es ja "bequem",
die rate - agenturen zu kaufen...

m - k - w
11.12.2009 10:07

Wirtschaftlich wäre es zwar besser wenn der Euro wieder ein bisschen nachgeben würde, ABER wegen Griechenland wird der Euro sicher nicht sinken.

Ivan Bukov
11.12.2009 09:58

Der Euro besteht ja nicht nur aus D, GR, und I...

Mostbluzer
11.12.2009 10:49
na wer soll denn helfen?

die blinden, die tauben, die invaliden oder die leprakranken?

schweinegrippe für alle, auch die gesunden leiden mit.

also dann ...
11.12.2009 10:24
stimmt - aber w e l c h e s land

erwirtschaftet denn den aussenbeitrag ?
und wie sich negative aussenbeiträge...
auf eine währung auswirken, sieht man gerade - weltweit !

Ivan Bukov
11.12.2009 12:16

Aussenbeitrag?

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