Finanzbranche stemmt sich gegen Banker Boni

10. Dezember 2009, 14:02
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Forderung nach weltweit gleichen Bedingungen

New York/Frankfurt - Die Finanzbranche stemmt sich gegen den britischen Plan einer 50-prozentigen Sondersteuer auf Banker-Boni. "Steuern sind grundsätzlich ein sehr stumpfes Instrument", sagte Richard Waugh vom Internationalen Bankenverband IIF bei der Vorstellung eines von ihm mitverfassten Zwischenberichts über Reformen der Branche. Der Chef der kanadischen Bank of Nova Scotia warnte vor ungewollten Nebenwirkungen solcher Maßnahmen.

Die Institute befürchten, dass unterschiedliche Vergütungsregeln in einzelnen Ländern zu Wettbewerbsverzerrungen führen. "Wir brauchen weltweit gleiche Bedingungen", betonte Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller, der ebenfalls an dem IIF-Bericht mitgearbeitet hat. Die britische Regierung hatte am Mittwoch die Finanzwelt in der Londoner City mit dem Vorschlag geschockt, Banker-Boni von mehr als 25.000 Pfund (27.637 Euro) mit einer 50-prozentigen Sondersteuer zu belegen.

Staaliche Milliarden

Dies wäre das bisher härteste Vorgehen weltweit gegen exzessive Prämien in der Finanzbranche, die als eine Ursache für die schwere Krise der vergangenen beiden Jahre gilt. Die Regierung in London musste einige Banken mit Milliardensummen stützen. Sie will nun ein halbes Jahr vor den Wahlen mit einem harten Vorgehen gegen die stark kritisierten Banker-Boni bei den Wählern punkten.

Medienberichten zufolge plant Frankreich ein ähnliches Vorgehen. In Deutschland, wo die Millionengehälter der Banker ohnehin mit dem Spitzensatz von fast 50 Prozent besteuert werden, sind bisher keine Pläne für eine Sonderabgabe bekannt. Nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" ist die schwarz-gelbe Koalition gegen eine solche Maßnahme. Bundesbank-Präsident Axel Weber sprach sich in dieser Woche auch gegen eine Sondersteuer aus. Wichtiger sei es, die Anreizstrukturen in den Banken stärker am langfristigen Erfolg auszurichten, sagte er. Dies erreiche man nicht mit einer Besteuerung der Boni.

Als Reaktion auf die Krise haben die deutschen Großbanken wie die Deutsche Bank und die Commerzbank bereits Änderungen in ihren Vergütungsstrukturen angekündigt. Sie werden ihre Prämien künftig nicht mehr an kurzfristigen Gewinnen, sondern am langfristigen Erfolg und an den Risiken ausrichten. Dabei kann der Bonustopf in Verlustjahren auch wieder schmelzen. Wie der IIF unterstützt auch der deutsche Bankenverband BdB die Bemühungen, die Boni stärker langfristig auszurichten. (APA/Reuters)

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