Schlag gegen Kinderpornografie: 23 Österreicher ausgeforscht

10. Dezember 2009, 13:56
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Polizeiaktion in Europa und Kanada führte zu 221 Verdächtigen und 115 Festnahmen

 Über die Webseite eines österreichischen Internetbetreibers haben skrupellose Pädophile Missbrauchsbilder und -videos von Kindern verbreitet. 221 Verdächtige aus 18 europäischen Ländern und Kanada, darunter 23 Männer aus Österreich, sind im Zuge einer zweijährigen Polizeiaktion ausgeforscht worden. Das hat das Bundeskriminalamt (BK) in Wien am Donnerstag bekanntgegeben.

Aufgeflogen ist die Geschichte durch einen heimischen Provider, der im Herbst 2007 auf den Seiten von Kunden verdächtige Bilder registrierte und die Behörden alarmierte. 9.733 obszöne Bilder wurden laut BK auf dem Server sichergestellt. Binnen 36 Stunden wurden mehr als 110.000 Zugriffe auf den Seiten registriert. Nachdem viele Zugriffe von ausländischen IP-Adressen erfolgten, wurde die europäische Polizeibehörde Europol eingeschaltet.

"Aus den Bildern sind pornografische Darstellungen geworden, die der Täter anschließend ins Netz stellte"

Zwei arbeitslose Männer aus Vorarlberg (62 und 59) haben auch selbst Missbrauchsbilder und -videos hergestellt. Der 62-Jährige steht in Verdacht, pornografische Aufnahmen von einer 17-Jährigen gemacht zu haben. Gelockt hat er das Mädchen mit der Aussicht auf einen Modelvertrag. "Aus den Bildern sind pornografische Darstellungen geworden, die der Täter anschließend ins Netz stellte", berichtete Harald Gremel, Leiter der Operation im BK.

Dem zweiten Verdächtigen wird vorgeworfen, ein zwölfjähriges Mädchen aus der Nachbarschaft, das er beaufsichtigte während die Mutter arbeiten ging, über zwei Jahre hinweg missbraucht zu haben. Bilder und Videos seiner Taten postete er im Internet. Außerdem soll der 59-jährige Vorarlberger auf FKK-Stränden in mehreren europäischen Ländern heimlich Aufnahmen von Kindern angefertigt und ins Netz gestellt haben.

Die restlichen in Österreich ausgeforschten Täter stammen aus Wien (neun Verdächtige), Oberösterreich (drei), Kärnten, Niederösterreich, Steiermark und Tirol (jeweils zwei) und einer aus Salzburg. Unter den Verdächtigen befanden sich hauptsächlich Angestellte oder Arbeiter, die sich großteils Missbrauchsbilder herunterluden oder diese im Netz betrachteten. Die österreichischen Täter sind bereits fast alle verurteilt worden, zu "zwischen drei und sechs Monaten bedingter Haft", sagte Gremel.

In den anderen betroffenen Ländern befanden sich unter den ausgeforschten Tätern auch Lehrer oder andere Personen, die beruflich engen Kontakt zu Kindern hatten, berichtete Europol. Fünf Kinder im Alter zwischen vier und zwölf Jahren aus europäischen Herkunftsländern konnten im Zuge der Operation als Missbrauchsopfer identifiziert werden.

Die Operation unter dem Namen "Typhon" führte zu hunderten Hausdurchsuchungen in Belgien, Bulgarien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Litauen, Luxemburg, Malta, Holland, Polen, Slowenien, Slowakei, Spanien, Schweiz, Großbritannien, Rumänien, Österreich sowie in Kanada. 115 Verdächtige wurden im Zuge der Aktion festgenommen.

Der Name "Typhon" wurde von den Ermittlern gewählt, weil die Figur in der griechischen Mythologie für ein unbeschreiblich grässliches Ungeheuer steht. "Und genau das sind diese Täter für mich", sagte Gremel. (APA)

 

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