Uganda überlegt Todesstrafe für Schwule

10. Dezember 2009, 14:50
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Gesetzentwurf ging Besuch von Vertretern erzkonservativer amerikanischer Glaubensgemeinschaften voraus

Kampala - Uganda überlegt die Todesstrafe für Schwule einzuführen. Der Gesetzentwurf löst derzeit international aber auch in Uganda selbst Empörung aus. 

Der Gesetzesentwurf sieht etwa Gefängnisstrafen bis zu sieben Jahren vor, wenn Freunde und Familienmitglieder die sexuelle Orientierung nicht melden oder wenn Vermieter Homosexuellen Wohnraum  vermieten.

Rückschlag für zaghafte Schwulenbewegung

Bürgerrechtler sehen nicht nur eine Gefahr für Aids-Bekämpfung sondern vor allem eine staatlich verordnete Anstachelung zum Schwulenhass. Für sie ist der Entwurf eine heftige Gegenreaktion dazu, dass sich Homosexuelle in Afrika nicht mehr verstecken wollen. "Das ist eine Frage des Sichtbarwerdens", so David Cato, der zum Aktivisten wurde, nachdem man ihn vier Mal zusammengeschlagen, zwei Mal festgenommen, als Lehrer hinausgeworfen und in der Presse geoutet hatte. "Wenn wir endlich offen auftreten und unsere Rechte einfordern, machen sie Gesetze gegen uns."

Todesstrafe für HIV-infizierte Homosexuelle

Die derzeitige Version sieht die Todesstrafe für HIV-infizierte aktive Homosexuelle sowie bei gleichgeschlechtlicher Vergewaltigung vor. Auch "Serientätern" könnte sie drohen, wobei der Begriff allerdings nicht näher definiert ist.

Erzkonservativer christlicher Einfluß

Dem Gesetzentwurf in Uganda ging ein Besuch von Vertretern erzkonservativer amerikanischer Glaubensgemeinschaften voran, die Homosexualität für widernatürlich halten und ihre "Heilung" durch Gebet und Therapie propagieren. Minister Buturo spielte ihren Einfluss herunter und betonte, der Gesetzentwurf sei Ausdruck des Volkszorns über "abstoßende" Praktiken.

Aktivisten wie Cato dagegen halten Schwulenfeindlichkeit für eine importierte Erscheinung, die auf die frühen Missionare zurückgehe. Er befürchtet, dass das Gesetz - wenn auch mit Änderungen - durchkommt.

Nigeria hat bereits Todesstrafe eingeführt

Uganda ist nicht das einzige Land, das Gesetze gegen Schwule erwägt. In Nigeria, wo gleichgeschlechtliche Liebe schon jetzt mit dem Tode oder mit Haft bestraft werden kann, werden Strafverschärfungen für die Förderung von Homosexualität erwogen. Burundi hat gerade gleichgeschlechtliche Beziehungen untersagt, Ruanda hat es vor. In Kenia ist Homosexualität verboten. In Südafrika, das als einziges afrikanisches Land die Schwulenehe anerkennt.  (APA)

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