Helmut Elsner in Haft

"Wir sind ja nicht im Kongo"

10. Dezember 2009, 12:19

Ruth Elsner sieht die Menschen­würde in Österreich mit "Füßen getreten" und fürchtet um das Leben ihres Mannes

Seit knapp drei Jahren sitzt Helmut Elsner (75) in U-Haft, zwei Mal wird er in dieser Zeit am Herzen operiert, zwölf Anträge auf Enthaftung auf Kaution werden abgelehnt, sein Vermögen ist beschlagnahmt. Der Kaufvertrag des Penthouses wird gerichtlich für ungültig erklärt. Heute, am Tag der Menschenrechte, so Elmar Kresbach, Rechtsanwalt des Ex-Bawag-Chefs, wolle er mit Kollegen Wolfgang Schubert und Elsner-Ehefrau Ruth mit einen "Hilfeschrei" an die Öffentlichkeit gehen.

"Wenn mein Mann nicht bald aus der Haft frei kommt, können Sie gleich den Sarg in die Josefstadt schicken", so Ruth Elsner. Und weiter: "Was hier passiert, ist eine Riesenschweinerei, die auf dem Rücken meines Mannes ausgetragen wird." Drei unabhängige Gutachten sollen den lebensbedrohlichen Gesundheitszustand ihres Mannes bestätigten, mehr noch: "Es ist ein Trauerspiel. Bei meinem Ehemann legt man es offensichtlich darauf an, dass er in diesem Loch stirbt." Schubert, mit Nachdruck: "Es läuft daraus hinaus, dass bei Helmut Elsner die Todesstrafe vollzogen wird."

Für Kresbach ist die Causa Elsner ein "für Österreich einzigartiger Fall", ein "Kuriosum" stelle auch die Rolle der damaligen Hauptrichterin Claudia Bandion-Ortner dar, die Elsner im Bawag-Hauptprozess zu einer Haftstrafe von neuneinhalb Jahren verurteilte (nicht rechtskräftig), sowie das Treiben des Staatsanwaltes Georg Krakow. Elsner war demnach einerseits Opfer des politschen Wahlkampfes. So soll für die SPÖ ein "Bauernopfer" gerade rechtzeitig auf der Bildfläche erschienen sein. Der Anwalt stützt sich bei dieser Behauptung auf den ehemaligen Pressesprecher von Alfred Gusenbauer, Stefan Pöttler, und zitiert diesen mit einer Wortspende für das Buch 'Wahl 2008 - Strategien, Sieger, Sensationen": "Die Bawag-Affäre hat ihn (Gusenbauer, Anm.) gerettet."

"Husch-Pfusch-Aktion"

Während der Bawag-Prozess mit der gewichtigen Aktenfülle von 220.000 Seiten in einem dreiviertel Jahr in einer "Husch-Pfusch-Aktion" durchgepeitscht worden sei, hätte zudem niemand die Zeit gehabt, die Rolle des Investmentbankers Wolfgang Flöttl ausreichend zu durchleuchten, so Wolfgang Schubert. Immerhin versenkte Flöttl in wenigen Jahren an die 900 Millionen Euro an Bawag-Geldern. "Warum interessierte sich bis heute niemand für den Verbleib des Geldes? Wie realistisch ist es, dass jedes von Flöttl getätigte Trading zu einem Totalverlust führte? Gibt es etwas zu verheimlichen?", lauten demnach nur einige der vielen Fragen der Sachverhaltsdarstellung, die heute der Staatsanwaltschaft Graz und der Korruptionsanwaltschaft Wien zugestellt wurde. In der Causa Flöttl wollen Schubert und Kresbach die Staatsanwaltschaft in den USA und eventuell auch das FBI einschalten.

Ziel sei es, Fehlleistungen der im Prozess beteiligten Justizorgane und nicht wenige "seltsame Dinge" (Schubert) aufzuklären. Warum etwa wurde ein Haftantrag für Flöttl zwei Mal abgelehnt? Offizielle Begründung unter anderem: Es gebe keine Verdunkelungs- und keine Fluchtgefahr trotz Wohnsitzes im Ausland. "Dinge, die bei meinem Mann sehr wohl zum Tragen gekommen sind", protestiert Ruth Elsner. "Warum", so Kresbach, "wurden sämtliche Kontobewegungen Elsners rückverfolgt, während Flöttls Konten unkontrolliert blieben?" Darüber hinaus gebe es bei Elsner nicht die geringste Fluchtgefahr.

"Sadistische Ader"

Kresbach: "Der Mann ist lebensbedrohlich krank, er ist unter ständiger kardiologischer Beobachtung, leidet neuerdings auch an einer Nierenfunktionsstörung, steht unter enormem emotionalen Stress und ist täglich auf Medikamente angewiesen. Soll er mit seiner e-Card die Flucht antreten?" Eine Haftverlängerung würde deswegen den Tatbestand der vorsätzlichen Körperverletzung erfüllen. Heute soll erneut ein Antrag auf Enthaftung eingebracht werden. Sollte der zuständige Richter, Christian Böhm, ihn erneut ablehnen, könne man sich eine Anzeige vorstellen. Kresbach: "Böhm tut nichts, außer brüten." Und Elsner schießt nach: "Entweder er hat eine sadistische Ader, ist dem Ganzen intellektuell nicht gewachsen oder er ist bösartig." Hintergrund: Für einen Untersuchungshäftling gilt keine Haftvollzugsunfähigkeit.

Kresbach: "Ein Richter hat schließlich auch eine Fürsorgepflicht für den Häftling." Auch hier hakt Ehefrau Ruth ein: "Ich denke Tag und Nacht an nichts anderes. Wir leben ja nicht im Kongo, wo irgendwelche Sadisten die Gesetze machen. Fragt mich heute jemand, ob ich Österreicherin bin, würde ich 'nein' sagen. Ich bin Europäerin. Hierzulande werden Menschenrechte mit Füßen getreten."

Eine nicht unwesentliche Rolle hätten auch die Medien vor Prozessauftakt gespielt. Elsner: "Indem über das Wasserbett meines Mannes oder die Pinkelgewohnheiten meines Hundes berichtet wurde, fand die Vorverurteilung schon statt." Und weiter: "Für meinen Mann gibt es nicht die geringsten Hafterleichterungen, selbst die Zusage der Richterin, er käme frei, wenn wir die Kaution auf zwei Millionen Euro aufstockten, hat diese in einem Anfall von Alzheimer wieder vergessen."

Schubert fasst zusammen: "Helmut Elsner muss sofort freigelassen werden." Auf derStandard.at-Anfrage, ob sie glaube, Weihnachten bereits mit ihrem Mann verbringen zu können, lächelt Rut Elsner. "Ich glaube ganz fest daran." (Sigrid Schamall, derStandard.at, 10.12.2009)

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könig von österreich
 
01
21.2.2010, 13:08

mah eine mitleidsrunde für die ruth und einen sag in die josefstadt. kosten übernimmt natürlich die feine dame die noch immer in saus und braus lebt!

Cape Of Green Hope
00
Schickt den Elsner in den Kongo

dort kann er dann im Busch gerne freigelassen werden.

Ernst Hirschmugl
 
02
23.12.2009, 13:10
Weihnachten feiern

Ob Frau Elsner Weihnachten feiern kann ist mir sowas von egal. Sie soll mal verfolgen, wie die ehem. BAWAG-Mitarbeiter in ihren Weihnachtsfeiern von Elsners Selbstherrlichkeit betroffen sind. Eines ihrer Weihnachtsgeschenke wird wohl sein: Er bleibt im Knast.

ehschowissn3
00
22.12.2009, 15:27
also ich finde sie ziemlich scharf

Stonefred
03
22.12.2009, 15:11

muss die ruth jetzt wohl doch arbeiten gehen ... ja das ist natürlich tragisch

Schlapsi
02
22.12.2009, 13:22

Wenn er mit 0 zu 10 Jahren verurteilt wird, dann muss er auf Grund der mittleren Lebenserwartung davon ausgehen, dass er nicht mehr lebend herauskommt. Was ist an der Statistik unmenschlich?

Inamaria
02
12.12.2009, 03:15
Haftunfaehig

Haette Herr Elsner nicht gegen das Urteil berufen, saesse er jetzt seine Strafhaft ab. Oder er waere eher haftunfaehig(!) und daher zu Hause. In der U-Haft gibt es keine Haftunfaehigkeit, daher wird er wohl weiter sitzen (aber irgendwie ist er auch daran nicht ganz unschuldig). Was solls?

adaschauher
01
12.12.2009, 16:14
aber er scheint auf verurteilung zu spekulieren:

als u-haeftling seine strafe in einer von ihm selbst verzoegerten endlosverhandliung abzusitzen ist besser als dann die strafe im haefn: keine anstaltskleidung, verguenstigungen etc...

www.erstaunlich.at
30
11.12.2009, 21:52
Todesurteil?

Warum wirklich keine Fußfessel? Weiter unter..

http://www.erstaunlich.at/index.php... taunliches

Schlapsi
02
22.12.2009, 18:59

Wenn man einen 74 Jährigen zu 10 Jahren verurteilt dann ist gemäß der mittleren Lebenserwartung nicht mehr zu erwarten, dass er lebend herauskommt. Deswegen ist das aber kein Todesurteil.

schwammerlbrocker
11
11.12.2009, 13:13
@Ruth Elsner

Hey Baby, ich laufe noch frei herum !!!

Orkan Kyrill
01
22.12.2009, 16:15

ist nur eine Frage der Zeit ...

what shells
19
11.12.2009, 12:40
Alleine die angebliche "fehlende Fluchtgefahr"

von Hrn. Elsner lt. Fr. Elsner diequalifiziert diese Person.
Wer hat sich denn in Frankreich eingebunkert und sich mit Händen und Füßen gewehrt nach Österreich ausgeliefert zu werden?
Flöttl ist sofort gekommen als er vorgeladen wurde.

Und dann wundert sie sich dass ihr Mann nicht mehr raus darf?

Hausverstand hat die Lady nicht wirlich ...

Sien
00
23.12.2009, 09:49

Jaja, cooler Hund, der Flöttl. Besitzt mit Sicherheit das bessere Netzwerk.

kotttan
00
11.12.2009, 19:50
In Ö läuft alles verkehrt

genau umgekehrt wäre richtig gewesen!

MFC
03
11.12.2009, 12:14
Ich hätte mir nie gedacht, dass

ich das je von mir geben würde. Aber solange kein einziger "Verantwortungsträger" für den Hypo-Skandal nicht zumindesten in U-Haft sitzt, sollte Elsner sofort aus der U-Haft entlassen werden. Gleiches Recht für alle Bürger.

Meklon von Andromeda
 
00
22.12.2009, 14:45

Na sicher nicht! Der bleibt drin und bekommt bald "Besuch" von ähnlich talentierten Bankern aus der südlichen Provinz, der feine Herr Rockefeller von Wien.

So Nina
15
11.12.2009, 12:06
Arme Ruth...

...ich würde ja tatsächlich Mitleid haben, hätte ich auch ein gut gefülltes dickes Konto, einen älteren gut situierten Mann, der halt hin und wieder mit Freunden gute Geschäfte macht....

Aber ich gehöre leider zu jenen, die sich durch Arbeit ihr eigenes Geld verdienen müssen - daher: kein Mitleid.

Aber sie könnte ihre Story an irgendeine Frauen-Mitleids-Zeitschrift (Meine Geschichte, wahre Geschichten oder so ähnlich...) verkaufen, damit müsste sie eigentlich ganz gut verdienen können....

Lectrice
02
11.12.2009, 12:02

Das Elsner sitzt halte ich nach seinem Vorgehen für durchaus gerecht.

Das einzige, was in Realtion zu seinen Vergehen nicht passt ist, dass man jetzt (vor allem in Ö ohne Konsequenzen) Bankmanagern, die genauso verantwortungslos handelten und auch die Realwirtschaft schwer in Mitleidenschaft zogen, noch das Geld nachschmeisst statt sie zu Elsners Gesellschaftsdamen zu machen.

Mostbluzer
18
11.12.2009, 11:56
wir sind auch nicht in china

http://www.reuters.com/article/i... VC20091208

gut, wenn man die gewerkschaft dort beschi*** hätte, gäbs nicht mal einen schauprozess. dafür überlebt wenigstens die niere das spektakel.

Heinz Anderle
 
00
12.12.2009, 07:38
Beide Nieren.

Dr. Heinz Anderle, bitterböser Freigeist

wer?ich??
23
11.12.2009, 11:45
die arme frau ruth...

ohne mann weihnachten feiern zu müssen, ist sicher furchtbar für sie. gibts eine adresse, wo man geld- oder sachspenden hinschicken kann, um ihr diese zeit zu verschönern? ich denke dabei an einen geldbetrag für weihnachtsbäckerei oder eine decke für die langen, einsamen nächte oder einen massagestab, um die zarte haut zu entspannen

Ian McTire
14
11.12.2009, 11:39
Wir sind nicht im Kongo!

Und genau deshalb müssen verurteilte Verbrecher ihre Gefängnisstrafe absitzen und können sich nicht mit erschlichenem Geld freikaufen.

ComeUpJones
03
11.12.2009, 11:31
wären wir im kongo

hätte sich die sargübermittlung bereits erübrigt.

schmu schubiak
02
11.12.2009, 11:10
das einzige, das seine inhaftierung

noch rechtfertigt ist, wie Bandion sagt, die akute Fluchtgefahr.
(und ihre beförderung zur Ministerin, hüstel)

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