Ahmadi-Nejad: Nicht an Eskalation interessiert

10. Dezember 2009, 17:22
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Verteidigungsminister droht mit Angriff auf israelische Atomanlage

Teheran - Der iranische Verteidigungsminister Ahmad Vahidi hat am Mittwoch mit einem Angriff auf die israelische Atomanlage Dimona gedroht. Bei einem Besuch in Syrien erklärte Vahidi nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Irna, der Iran werde "jede Bedrohung durch zionistische Kräfte mit einem vernichtenden Gegenschlag beantworten".

Man werde in einem solchen Fall "niemals zögern, die Atomanlagen und Zentren für die Weiterverbreitung chemischer, biochemischer sowie schmutziger und verbotener Waffen" in Israel ins Visier zu nehmen. Der Atomreaktor in Dimona gehört zu den am besten gesicherten Einrichtungen in Israel. Es wird angenommen, dass Israel in der Anlage Atomwaffen herstellt.

Im Atomstreit mit dem Westen hat Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad nun erneut Gesprächsbereitschaft erklärt. Sein Regime sei an einer weiteren Eskalation des Konflikts nicht interessiert und "zu weiteren Gesprächen über globale Probleme bereit" , hieß es. Der Iran meine es aber mit seiner Ankündigung ernst, zehn weitere Anlagen zur Urananreicherung zu errichten, sagte Ahmad-Nejad.

Die iranische Regierung hat inzwischen eine Vermittlerrolle der Türkei im Atomstreit ausgeschlossen. US-Präsident Obama hatte die Türkei zu Beginn der Woche als Vermittler ins Gespräch gebracht.

Der frühere Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), Mohamed ElBaradei, rief den Westen im Atomstreit zur Geduld auf. "Ich bin zuversichtlich, dass wir früher oder später einen großen Kompromiss schaffen. Wir müssen aber Geduld haben" , sagte ElBaradei in einem Interview mit dem Kurier. "Iran ist heute keine unmittelbare Bedrohung. Manche Leute wollen zeigen, dass der Iran morgen eine Atombombe haben wird. Er wird nicht, wir haben das zumindest nicht gesehen" , sagte ElBaradei. Die USA hätten sich drei Jahre lang geweigert, mit dem Iran zu reden, "dann haben sie unmögliche Bedingungen gestellt."

In Teheran selbst wurde der in Deutschland lebenden iranischen Künstlerin Parastou Forouhar am Wochenende die Ausreise nach Deutschland verweigert und ihr Pass entzogen. Das Informationsministerium habe Anklage gegen sie erhoben, berichtete die Künstlerin. Forouhar reist einmal im Jahr in ihre Heimat, um der Ermordung ihrer Eltern zu gedenken.

Am Donnerstag hat die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) Berichte über Folterungen, Vergewaltigung und ungesetzliche Tötungen nach den Wahlen veröffentlicht. Dem Report zufolge waren einige der Demonstranten, die während der Proteste verhaftet wurden, dazu gezwungen, aus dem Land zu flüchten. AI rief die iranische religiöse Führung dazu auf, Menschenrechtsexperten der Uno Zutritt zu gewähren. (Reuters, AP/DER STANDARD, Printausgabe, 11.12.2009)

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