Uni Proteste Tag 50

Rektor Winckler macht Studierenden Druck

Teresa Eder, 10. Dezember 2009 16:24
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    Foto: apa/neubauer

    Rektor Winckler bietet den BesetzerInnen einen Kompromiss an.

  • Offener Brief an die Nationalratsabgeordneten

Besichtigung in nächster Zeit - Rektor drängt: "Wenn Sie das fortsetzen, schaden Sie sich selbst" - Bundespräsident Fischer spricht mit Besetzern an TU Graz

Die Universität Wien hat den BesetzerInnen beim heutigen dritten Dialogforum einen Kompromiss angeboten. Man will den Protestierenden drei Büroräume und ein großes Vorzimmer im Hauptgebäude der Universität Wien überlassen, sofern die Besetzung im Audimax aufgegeben wird. Für größere Veranstaltungen sollen allerdings auch außerhalb der Lehrveranstaltungszeiten die Hörsäle genutzt werden können. Ab 17 oder 18 Uhr sei das Audimax sowieso frei. "Wir wollen ihnen alternative Räumlichkeiten anbieten", sagte Vizerektorin Christa Schnabl. Die Räumlichkeiten wollen die BesetzerInnen in nächster Zeit besichtigen. "Natürlich gibt es eine Schlüsselübergabe", betonte Rektor Winckler auf Nachfrage der Studierenden, allerdings sei die ÖH verantwortlich.

Dass derzeit nur mehr zwei bis vier Studierende untertags die Stellung halten, stehe in keinem Verhältnis zu den verlegten Lehrveranstaltungen, wird von Seiten des Rektorats kritisiert. Vom Audimax-Plenum gibt es derzeit noch keine gemeinsame Reaktion auf die Angebote: "Es wird allerdings schon länger eifrig über Exit-Strategien diskutiert", sagte ein anwesender Besetzer. Thomas Fussenegger, von der AG Jus und Gegner der Besetzungen, gehen die Angebote des Rektorats zu weit: "Es kann nicht sein, dass eine Besetzung wie diese belohnt wird und zusätzliche Räumlichkeiten bekommt."

Sitzung zu Uni-Budget

Das Angebot der Uni-Leitung steht auf jeden Fall bis zum für Freitag Abend angekündigten Plenum der Besetzer. Wenn die Hörsäle am Wochenende freigegeben würden, könne der Lehrbetrieb vermutlich noch vor Weihnachten, jedenfalls aber nach den Ferien wieder aufgenommen werden.

Im nächsten Monat soll eine Arbeitsgruppe zum Thema Frauenförderung mit Vizerektorin Schnabl zusammenarbeiten. Weiters wird ein Studierendenbeirat installiert, der sich um die Anliegen von Studierenden mit Behinderungen kümmern soll. Rektor Winckler erklärte sich außerdem dazu bereit bei einem eigenen Termin Einblicke und Erklärungen zum Uni-Budget zu geben.

Am Ende der Sitzung forderte Rektor Winckler erneut ein rasches Ende der Besetzungen: "Wenn Sie das fortsetzen, schaden Sie sich selbst und der Universität."

Besetzer verweigern vorerst Abstimmung über Abzug

Die Besetzer des Audimax wollen das Ultimatum von Rektor Winckler oofenbar verstreichen lassen. Sie wollen noch kein konkretes Angebot vom Rektorat erhalten haben, es sei daher "unangebracht, vom morgigen Plenum schon eine endgültige Entscheidung zu erwarten", heißt es in einer Aussendung.

Schließlich würde ein Ende der Besetzung "nicht nur Studierende betreffen, auch zahlreiche Obdachlose, die derzeit im Audimax Zuflucht suchen, würden vor Weihnachten wieder in die Kälte geschickt". Sollte das Rektorat jedoch rechtzeitig vor dem Plenum ein konkretes Angebot vorlegen, "soll es um 19.00 Uhr vom Plenum des Audimax erstmals diskutiert werden".

Kritische Universität vorgestellt

Heute wurde an der Akademie der bildenden Künste die "Kritische und Solidarische Universität" (kurz KriSU) vorgestellt. Einige hundert Personen - sowohl Studierende, Nicht-Studierende als auch Professoren -  wollen in einem offenen Projekt unter anderem über Gesellschaft, Kapitalismus und Herrschaftsverhältnisse diskutieren. Im Gegensatz zu manch anderen Stimmen aus dem Audimax weisen sie ausdrücklich darauf hin, dass die Uni-Proteste in einem "gesamtgesellschaftlichen Kontext" gesehen werden müssen und die Forderungen nich nur den universitären Bereich betreffen. Unterstützt wird die Intiative unter anderem von Jean Ziegler, Elfriede Jelinke und Paul Singer.

Bundespräsident Fischer spricht mit BesetzerInnen

Einige BesetzerInnen in Graz hatten heute die Möglichkeit mit Bundespräsident Heinz Fischer zu sprechen, der an der TU Graz Gast bei den Sub auspiciis Promotionen war. Eine halbe Stunde wurde mit ihm über die Protestbewegung und die Probleme im Bildungssystem gesprochen und anschließend ein offener Brief an die Mitglieder des Nationalrates übergeben, den Fischer Nationalratspräsidentin Prammer übergeben wird. (edt/derStandard.at, 10.12.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 74
1 2
ChristianderGuru
11.12.2009 13:29
Eine Minderheit terrorisiert eine Mehrheit, die studieren will!

hmm..
11.12.2009 18:02
wer kann wo nicht studieren?

Nick (FMO)
12.12.2009 02:02
und diese Minderheit...

...heißt ÖVP

Wiener Mafioso
11.12.2009 05:08

Was ich nicht verstehen kann:

Da lungern fünf Studenten und zehn Obdachlose im Audimax herum. Was hindert dann einen Professor und 500 Studenten daran, einfach in den Saal zu gehen, die paar Hanseln rauszuschmeissen und eine Vorlesung abzuhalten?

Deß Dr. Gonzo Merck=Wuerdige Meynungen & Merckungen
11.12.2009 12:08

ja, was wohl?!
umgangsformen, verständnis, unentschiedenheit, gerüche, schönere hörsäle, anordnungen des rektors?

David Seppi
 
11.12.2009 08:52

Unter anderem das StGB (Nötigung).

Chris Haslacher
 
11.12.2009 11:25

nötigung begehen die fünf hiasln, freundchen.

David Seppi
 
11.12.2009 15:13

Das würde ich gerne sehen, wie Sie argumentieren, daß der Tatbestand der Nötigung verwirklicht wurde!

1,8 promille
11.12.2009 23:51

das werden sie nicht erleben, jener poster ist für seine argumentationsschwäche wohl=bekannt

bahnsteig4
11.12.2009 01:55

mich irritiert der umgang und der tonfall bezüglich der obdachlosen.
natürlich ist es für den protest nicht förderlich (weil populistisch angreifbar), obdachlose im auditorium zu beherbegen. natürlich ist es finanzieller und organisatorischer mehraufwand.
aber was sagt es für eine gesellschaft aus, in der es sogar verurteilt wird, daß obdachlose NICHT auf der straße frieren, sondern ein sturm der entrüstung losfegt. wie stellt es sich der geneigte poster (pars pro totum, es gibt mehrere, hier und anderswo) denn vor? alle an dem ihnen gebührenden platz? studis in der bib, sandler unter der schwedenbrücke?
bravo, österreich. danke für die entblößte fratze.

nasenbaer1984
11.12.2009 03:07

Es wird nicht verurteilt, dass "Obadachlose nicht auf der Straße frieren". Doch die Universität Wien ist nunmal kein Obadachlosenheim sondern eine Bildungsstätte. Wollen Sie einigen Obdachlosen eine Unterkunft bieten, stellen Sie doch Ihr Haus zur Verfügung - dann können Sie andere verurteilen, die eben dieses nicht wollen.

bahnsteig4
11.12.2009 10:23

yeah, baby. killerargument.
die universität ist ein öffentliches gebäude. mein haus nicht.

ChristianderGuru
11.12.2009 13:37
Eben deswegen! Die Universität ist ein öffentliches gut...

... das seinem ursprünglichen Zweck zugeführt werden soll und ohne Verursachung von unnötigen Kosten. Ihnen als Privatmensch steht es hingegen frei Ihr Haus zu öffnen, den es wird ja dadurch nicht die Allgemeinheit belastet.
Und überhaupt in der Weihnachtszeit wäre es Ihre christliche Pflicht!

1,8 promille
11.12.2009 23:54
daschauher!

fein! wir beginnen nachzudenken über öffentliches gut, ursprünglichen zweck...

na immerhin. weiter so!

minski
11.12.2009 01:27
Das Aushungern der Schulen und Unis kommt uns alle teuer zu stehen!

http://derstandard.at/125203687... ihn-kosten

"Wie die OECD-Studie "Bildung auf einen Blick 2009" zeigt, ist der Abschluss eines Studiums auch für den Staat ein gutes Geschäft: Österreich nimmt durch einen Akademiker um 37.586 Dollar mehr ein, als er für dessen Studium ausgegeben hat (55.608). Im OECD-Schnitt liegen die Staatsausgaben für einen Studenten bei 27.936 Dollar, die Einnahmen liegen bei 79.890 Dollar - was die "Regierungen stark zur Ausweitung des Tertiärbereichs motivieren könnte".

Die OECD verweist auch auf den besseren Gesundheitszustand von Bessergebildeten- geringere Gesundheitsausgaben, höheren Konsum, höhere Einkommens- u.Sozialversicherungsabgaben...

JetztOderNIe
11.12.2009 00:40
Stadt Wien und Caritas versagen ..

.. und teilweise schicken sie die Leute direkt in die Uni weil es der einzige warme Platz ist wo sie hin können. Das berichten Sozialarbeiter die in diesen Einrichtungen arbeiten aber aus guten Grund nicht genannt werden wollen.

Die Unmenschlichkeit mit der die Stadt Wien und Caritas den Obdachlosen begegnet ist deren Problem, nicht das der Studierenden.

ChristianderGuru
11.12.2009 13:39
Die Caritas unmenschlich?

In welcher ideologischer Verbohrtheit sind Sie gefangen. Die Caritas stößt an ihre finanziellen Grenzen aber Ihr Unmenschlichkeit vorzuwerfen ist wohl ziemlich weit hergeholt.

Österreich statt Österpleite
10.12.2009 22:38

Ich verstehe nicht, wieso der C1 am Campus nicht aufgegeben wird und die Leute ins Audimax gehen. Das C1, "Wohnzimmer des Audimax", ist sicher supersupergemütlich, aber es ging dabei immer hauptsächlich darum, den Audimax-Protest auszuweiten.
Bitte geht ins Audimax und füllt ihn endlich wieder, es hält dort kein Mensch mehr aus mit dem Geruch, den die Obdachlosen mitbringen. Kommen die Studenten, gehen die Sandler. Die jetzige Situation ist absurd und ich verstehe den Langmut des Rektorats nicht, ein seit Tagen und Wochen so gut wie leeres und zum Großteil von (meist österreichischen, um einer Studenten-Behauptung zu widersprechen) Sandlern okkupiertes Audimax zu dulden.
Rettet das Audimax, geht dorthin!

byron sully
11.12.2009 00:30

das ist aber subjektive ansichtssache. es gibt ebenso leute, die der umgekehrten meinung sind und mittlerweile die c1-besetzung für sinnvoller halten als die audimax-besetzung.
bitte, es geht nicht um den ORT, es geht um die INHALTE! es geht nicht um den fetisch audimax, sondern darum, daß die forderungen der besetzerInnen gehör finden. die besetzungen sind kein selbstzweck, sondern ein mittel zum zweck.

Franzi Sobotka
10.12.2009 22:57
Ja, das stimmt, leider

Ich wollte gestern Nachmittag wieder mal ins Audimax vorbei schauen, es hat gestunken wie im Männerwohnheim.

Ich kenn' den Gestank, ich war 10 Monate Zivi in einer ähnlichen Institution. Nach einer halben Minute und fünf durch schlafende Sandler blockierte Reihen bin ich wieder raus.

Da werden zu viele Probleme vermengt!

Queen of Sheba
 
10.12.2009 21:45
"Von ... Elfriede Je-linke ... unterstützt" - Sigmund Freud, schau oba !

lichte werk ing
10.12.2009 21:41

ich hatte auch sympathien mit den studierenden - aber was wollen sie eigentlich?

jetzt wirds höhlenbewohnerisch!

und genauso riecht es auch im auditorium m

Jadzia Dax1
10.12.2009 20:25

Ich habe die Besetzung bis jetzt ja immer unterstützt, aber jetzt denk ich mir schon so meinen Teil. Ich mein, was Winkler anbietet ist ja beispiellos und für die Obdachlosen ist die Uni wohl überhaupt nicht verantwortlich!

Kaffe und Kuchen
10.12.2009 22:52
genau darum gehts

wir müssen uns der menschen die hungern und frieren erbarmen, alles andere finde ich echt peinlich.

nasenbaer1984
11.12.2009 03:10

natürlich sollte man Menschen, die hungern und frieren, helfen. Aber ist dafür die Universität Wien zuständig? Nein! Deswegen halte ich es für volkommen verfehlt, die Debatte auf Obdachlose, die evtl. ihren Schlafplatz verlieren, wenn das Audimax geräumt wird, zu erweitern.

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