"Die Landflucht geht vor allem von Frauen aus"

10. Dezember 2009, 13:33
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Der ländliche Bereich verliert immer mehr junge Bewohnerinnen an die Städte - Insgesamt sind die Österreicher aber zufrieden, zeigt eine Umfrage

Das Leben in Österreich bekam bei einer Umfrage für die Studie "Städtebarometer" gute Noten ausgestellt: Annähernd 9 von 10 der insgesamt 1050 Befragten bescheinigen ihrer Stadt hohe Lebensqualität. Günther Ogris, Geschäftsführer des SORA-Instituts, präsentierte nun die Ergebnisse, die im Auftrag des Österreichischen Städtebundes dieses Jahr durchgeführt wurde. Das Ergebnis: Verbesserungen sind bei Job und Ausbildung für Frauen am Land und in der umweltfreundlichen Mobilität notwendig, sagt Städtebund-Generalsekretär Thomas Weninger.

Insgesamt 48 Prozent der Befragten sind mit dem Arbeitsplatzangebot in ihrer Heimatgemeinde zufrieden, wobei die Zufriedenheit mit der Stadtgröße zunimmt. Am wenigsten zufrieden sind hier Kleinstädterinnen mit 32 Prozent. Die überwiegende Mehrheit aller Befragten ist mit den Sozialkontakten (92 Prozent), der familiären Situation (90 Prozent), der Lebenssituation insgesamt (89 Prozent) sowie dem Gesundheitszustand (89 Prozent) zufrieden. Trotz Wirtschaftskrise: Etwa drei Viertel der Befragten bewerten ihre finanzielle Situation positiv.

Soziale Aufstiegschancen für Frauen

"Die Landflucht geht stärker von Frauen aus", sagt Günther Ogris. 61 Prozent der Frauen in Wien sind mit dem Angebot an Arbeitsplätzen und Bildung zufrieden. Demgegenüber ist das am Land nur jede dritte Frau. Auch bei der Zufriedenheit mit dem Bildungsangebot gibt es Unterschiede: In Kleinstädten empfinden etwas mehr als die Hälfte der Bewohner das Angebot an höheren Schulen positiv. In größeren Städten sind es rund 80 Prozent. Dieses Ergebnis spiegelt sich auch bei der Zufriedenheit mit den sozialen Aufstiegschancen wider: In Kleinstädten ist rund jeder dritte Befragte zufrieden, in Wien hingegen jeder Zweite.

Die EU-Städte wachsen

Aktuell leben 60 Prozent der EU-Bürger in Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern. In Österreich leben 45 Prozent in einer der 73 Städte mit mehr als 10.000 Einwohnern. Auch in Österreich ist der Trend zu beobachten, dass immer mehr Landbewohner in die Städte ziehen. Die höchsten Zuwachsraten wird es in Wien, Linz, Graz, Salzburg, Bregenz, Dornbirn, Hohenems und Feldkirch geben. Die Hauptmotive für einen Umzug in die Stadt sind private Gründe und bessere Chancen in Job und Bildung.

"Bessere Arbeitsplätze für Frauen im ländlichen Raum sind notwendig, wenn man sie halten will", sagt Ogris. Das Angebot an Jobs und Ausbildung müsse aber am Land insgesamt verbessert werden. "Demografen prognostizieren, dass der ländliche Raum einen Seniorenanteil von 40 Prozent erreichen wird", sagt der Meinungsforscher. Der Städtebund fordert eine Verbesserung der Mobilität, besonders zwischen städtischem und ländlichem Raum. "Fährt man von Salzburg nach Graz, ist man einen Tag lang unterwegs", sagt Weninger.

Auslagerung an private Anbieter

Die überwiegende Mehrheit der befragten Bürger ist der Meinung, dass kommunale Dienstleistungen nicht an private Anbieter ausgelagert werden sollten. Das betrifft vor allen Trinkwasserversorgung, Gesundheitseinrichtungen, Sozialen Dienste und Müllentsorgung. Mehr als acht von zehn Befragten wollen, dass Dienstleitungen in diesen Bereichen in der Hand der Gemeinde bleiben. (Julia Schilly, derStandard.at, 10. Dezember 2009)

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