Für 2010 und 2011 revidierte die OeNB ihre Wachstumsprognosen deutlich nach oben, die Lage am Arbeitsmarkt bleibt angespannt
Wien -Österreichs Wirtschaft ist im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal weniger stark gewachsen als bisher angenommen. Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) geht in seiner jüngsten Revision der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung von einer BIP-Steigerung im dritten Quartal von 0,5 Prozent aus. Anfang November - in einer Schnellschätzung - wurden noch mit +0,9 Prozent gerechnet. Auf Jahressicht ist die Wirtschaftsleistung um 2,9 Prozent zurückgegangen. Bisher ging das Wifo von einem Minus von nur 2,4 Prozent aus.
Nötig gemacht hätte diese Revision die Tatsache, dass sich Bauwirtschaft und Sachgüterproduktion laut den jüngsten Daten weniger günstig entwickelt hätten, so die Wirtschaftsforscher. Die Aufwärtstendenz der österreichischen Wirtschaft werde jedoch auch durch die nun vorliegende Gesamtrechnung bestätigt.
OeNB hebt Prognosen
Die Österreichische Nationalbank (OeNB) hat indes ihre Konjunktur-Prognosen für die kommenden Jahre angehoben. Für die 2010 und 2011 wird mit einem Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,2 beziehungsweise 1,6 Prozent gerechnen. Gegenüber den Prognosen vom Juni diesen Jahres bedeutet das eine Anhebung der Aussichten um 1,6 beziehungsweise 0,4 Prozentpunkte. "Die Revisionen
basieren jedoch zum Teil auf temporären Faktoren. Die mittelfristigen
Wachstumsaussichten werden infolge der Finanzkrise nach wie vor als
gedämpft eingeschätzt", kommentiert OeNB Gouverneur Nowotny die
aktuelle Prognose in einer Aussendung.
Im laufenden Jahr werde die österreichische Wirtschaft um 3,5 Prozent schrumpfen, erwartet die OeNB. Die österreichische Wirtschaftsleistung wird Ende
2011 immer noch leicht unter dem Niveau vor Ausbruch der Krise
liegen. Bei Exporten und Ausrüstungsinvestitionen wird es noch länger
dauern, bis das Vorkrisenniveau wieder erreicht werden wird.
Der österreichischeExport gewinne dank der seit Sommer zu beobachtenden allmählichen Erholung des Welthandels langsam wieder an Fahrt. Für das Gesamtjahr 2009 sieht die OeNB die Exporte jedoch um
12,9 Prozent sinken. Im Vergleich zu früheren Aufschwüngen sei mit einer nur
moderaten Beschleunigung des Exportwachstums zu rechnen.
Privater Konsum nimmt zu
Auch wenn nur niedrige Wachstumsraten zu verzeichnen seien, nehme der private Konsum während des gesamten Verlaufs der Krise leicht zu, heißt es in der Aussendung weiter. Die im Frühjahr
2009 in Kraft getretene Steuerreform, die Verschrottungsprämie und
der geringe Preisauftrieb im heurigen Jahr stützten die Kaufkraft der
privaten Haushalte. Mit dem Auslaufen dieser aber großteils nur
temporär wirkenden Faktoren sei jedoch die Gefahr einer
Wachstumsabschwächung verbunden. Im Jahr 2010 werden die
Arbeitnehmerentgelte aufgrund weiter steigender Arbeitslosigkeit und
deutlich schwächerer Lohnabschlüsse stagnieren. Die öffentlichen
Transferleistungen helfen jedoch, die Haushaltseinkommen zu
stabilisieren.
Lage am Arbeitsmarkt bleibt angespannt
Die Arbeitsmarkt-Lage bleibt laut den OeNB-Prognose weiterhin angespannt. Bisher seien die Arbeitsmarktreaktionen angesichts der Wirtschaftskrise relativ schwach ausgefallen. Viele Unterenhmen versuchten, ihren Beschäftigenstand zu halten. Auch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, wie die Kurzarbeit, hätten die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt abgefedert. Für
das Gesamtjahr 2009 rechnet die OeNB mit einem Rückgang der Anzahl der
unselbstständig Beschäftigten um 1,3 Prozent. Mit dem Wegfall der
teils temporär wirkenden Faktoren und aufgrund arbeitsmarkttypischer
Wirkungsverzögerungen müsse aber für 2010 mit einem weiteren Abbau von
Beschäftigten gerechnet werden (-0,6 Prozent). Die Arbeitslosenquote laut
Eurostat-Definition werde von 3,9 Prozent im Jahr 2008 auf 4,7 Prozent im Jahr 2009
steigen. 2011 sei mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit auf
5,4 Prozent zu rechnen. (red)