Europameister Rogan: "Mein schwierigster Sieg"

10. Dezember 2009, 10:22
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Gold über 200 Meter Lagen mit Europarekord in Istanbul und Verzicht auf weitere Einsätze - Dinko Jukic verpasst eine Medaille knapp

Istanbul - Markus Rogan ist nie wirklich weg gewesen, außer in Amerika, und doch ist er jetzt wieder richtig da, wenn auch in Istanbul. Zum Auftakt der Kurzbahn-EM gab's aus österreichischer Sicht schon den großen Höhepunkt, das Finale über 200 m Lagen mit Rogan und Dinko Jukic. Rogan musste nicht Weltrekord schwimmen, um zu siegen, Europarekord (1:51,72) schwamm er aber schon.

Der ungarische Vorlaufbeste László Cseh brach überraschend ein und wurde nur Siebenter. Rogan (27), 2004 doppelter Olympia-Zweiter und im Vorjahr Kurzbahn-Weltmeister (über 200 m Rücken), verwies den Litauer Janusaitis (1:52,22) und den Spanier Cabello Forns (1:53,04) auf die Plätze. Dinko Jukic verpasste Bronze klar und auch knapp, kam in 1:53,81 auf Rang vier. Rogan: "Dieser Titel bedeutet mir mehr als Olympia-Silber. Mein schwierigster Sieg, ich habe drei Monate dafür gearbeitet. So wird es leichter, nach Österreich zurückzukehren."

Nur wenige Stunden nach dem Triumph verkündete Rogan bei den weiteren Bewerben in Istanbul nicht mehr an den Start zu gehen. "Ich nehme die Euphorie mit und trainiere jetzt schon für Budapest", meinte er nach seiner überraschenden Entscheidung. In Budapest geht im August 2010 die Langbahn-EM über die Bühne. Rogan wäre ursprünglich noch über 50 sowie 100 Meter Rücken und 100 Meter Lagen angetreten.

Dominik Koll wurde über 400 m Rücken in den erstmals auf zehn Bahnen ausgetragenen Endläufen Neunter. Sebastian Stoss über 200 m Rücken Achter. Hunor Mate (100 m Brust) kam als Zehnter ins  Finale. Für Birgit Koschischek (100 m Kraul) und Martin Spitzer im Kraul-Sprint (12.) war im Semifinale Endstation.

Den ersten Weltrekord dieser EM hatte übrigens die russische 4x-50m-Lagen-Staffel fixiert, als sie schon am Vormittag die Bestzeit um 0,83 Sekunden auf 1:32,08 Minuten drückte. Alleine in diesem Jahr war das der bereits 128. erzielte Weltrekord. Ab 1. Jänner 2010 soll es freilich mit diesem Spuk ein Ende haben, da werden die Ganzkörper-Anzüge vom Weltverband Fina wieder verboten. Für die Herren heißt es dann Obergrenze Nabel, Untergrenze Knie. Bei den Damen darf es ein bisschen mehr Textilie sein, die Schultern müssen aber frei bleiben.

"Einmal noch will ich richtig Spaß haben" , sagte etwa der 28-jährige Franzose Frédérick Bousquet in Istanbul dem Standard. Der ehemalige Weltrekordler über 50 m Freistil will die EM wie viele andere Athleten auch für persönliche Bestzeiten und Rekorde nützen. Diese könnten dann lange unangetastet bleiben. "Unser Verband" , sagt Bousquet, "hat schon das ganze Jahr lang keine Anzüge bei nationalen Bewerben zugelassen. Die Siegerzeiten lagen in manchen Strecken bis zu vier Sekunden über den Bestzeiten, die wir mit den Anzügen erreicht haben."

"Bis zum Ende auskosten"

Vor allem schwere Athleten mit tiefer Wasserlage profitieren vom Auftrieb der Anzüge. Der deutsche Doppel-Weltmeister Paul Biedermann, der im Sommer in Rom über 200 m Freistil sogar Rekord-Olympiasieger Michael Phelps besiegen konnte und am Donnerstag seinen EM-Titel über 400 m Freistil verteidigte, will die Anzüge "bis zum Ende auskosten". Nach Istanbul werde er sich gesünder ernähren. "Und öfter auf meine geliebten Döner verzichten."

Eine Bereinigung der Rekordlisten, wie etwa vom Deutschen Klaus Steinbach gefordert, kommt für den Weltverband nicht in Frage. Steinbach, Ex-Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, will die wunderbaren Anzugzeiten von den offiziellen Listen verbannen. "Sonst würden sich alle die Zähne ausbeißen an diesen Rekordzeiten und noch dazu ewig damit verglichen werden." Istanbul lässt auch sonst nichts unversucht, den Schwimmern zu Rekorden zu verhelfen. So sollen, ähnlich wie in der Leichtathletik, neue Startblöcke den einen oder anderen Sekundenbruchteil bringen.  (David Krutzler aus Istanbul, DER STANDARD Printausgabe 11.12.2009)

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    Zehnter Titelgewinn für Markus Rogan.

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