Windows 7 könnte unsere Benutzungsgewohnheiten nachhaltig ändern

10. Dezember 2009, 10:10
184 Postings

Apples iPhone hat dem breiten Einsatz der Touchscreens wirklich den Weg geebnet

Das neue Windows 7 bringt eine neue Funktion auf PCs, die unsere Benutzungsgewohnheiten nachhaltig ändern könnte: Es ermöglicht die Verwendung von Touchscreen-PCs (Desktop wie Notebooks), die wir mit unseren Fingern anstelle einer Maus oder eines Stiftes bedienen können.

Fahrscheinautomaten

Natürlich gibt es berührungsempfindliche Bildschirme schon sehr lange. Auf Fahrscheinautomaten oder den Check-in-Kiosken am Flughafen werden sie verwendet; Newton, Palm, Psion und andere Organizer verwendeten schon vor Jahrzehnten Stifte, um durch Berührung des Displays Eingaben vorzunehmen. Microsoft verwendete bisher für seine Tablet-PCs, die keine rasende Verbreitung am Markt fanden, eine spezielle Stifteingabe, und die meisten Navis im Auto werden mit Fingerspitzengefühl bedient.

Erst Apples iPhone hat jedoch dem breiten Einsatz der Touchscreens wirklich den Weg geebnet, durch zwei Faktoren: Es verwendet "kapazitative Displays", die auf leichte Berührung gut reagieren, was Spezialstifte überflüssig macht. Und es versteht auch die Steuerung durch mehrere Finger oder Fingerbewegungen, zum Beispiel, um ein Bild zu zoomen oder beiseite zu "wischen". Touchscreens sind seither in der gehobenen Handyklasse zum Standard geworden, auch wenn eine zusätzliche Tastatur vorhanden ist.

Pavilion mit 13-Zoll Bildschirm

Am Notebook, unserem bevorzugten persönlichen Computer, muss sich erst herausstellen, welche Rolle Touchscreens übernehmen können. Hewlett-Packard ist der erste Hersteller, der diese neue Funktion von Windows 7 auch bei einem Consumer-Notebook anbietet, dem Pavilion mit 13-Zoll Bildschirm ab rund 800 Euro.

Schon in kurzer Zeit macht man bei der Benutzung des HP-Geräts mit seinem Touchscreen einige wichtige Erfahrungen: Auf den Schirm zu tippen, um buchstäblich etwas zu bewegen, ist sehr natürlich und sehr verführerisch. Das hat den Nachteil, dass der Bildschirm schnell verschmiert (Apple hat dieses Problem bei der jüngsten iPhone-Generation mit einer Spezialbeschichtung verringert, was andere Hersteller noch lernen müssen). Und gleichfalls sehr rasch bemerkt man auch, dass es eine ungewohnte Armbewegung ist (gehobener, gestreckter Arm, um das Display zu erreichen), die relativ anstrengt.

Wahrscheinlich ist darum, dass Touchscreens vor allem bei Tablets eine große Zukunft haben werden. Möglicherweise als Tablet PC 2.0, eher aber als ein dünnes Display ohne Tastatur, wie ein überdimensionierter iPod Touch (gerüchteweise arbeitet Apple daran).

Vieles

Denn vieles, was wir online tun, bedingt nicht unbedingt eine Tastatur wie am Notebook. Der Autor Don DeLillo, der auf einer mechanischen Schreibmaschine schreibt, weil er sich als Bildhauer der Worte versteht, wird zwar sein nächstes Epos sicher nicht auf einer Bildschirmtastatur verfassen. Aber für die kürzeren Textarten, die wir in Mails oder auf Facebook oder Twitter absetzen oder als Adresse im Browser eingeben, funktioniert sie gut.

Microsoft hat diese Touchscreen-Fähigkeit eher heruntergespielt. Aber gut möglich, dass sie die eigentliche Neuerung ist, die sich 2010 verbreitet. (helmut.spudich@derStandard.at, DER STANDARD Printausgabe, 10.12. 2009)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Apples iPhone hat jedoch dem breiten Einsatz der Touchscreens wirklich den Weg geebnet

Share if you care.