EVN-Betriebsergebnis leicht verbessert

10. Dezember 2009, 13:33
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Der Energieversorger erwartet für 2009/10 ein stabiles operatives Ergebnis und leichtes Umsatzplus, EVN-Strom könnte Ende 2010 billiger werden

Wien - Beim niederösterreichischen Energieversorger EVN könnte Strom Ende 2010 billiger werden. Dies stellte am Donnerstag EVN-Chef Burkhard Hofer den Kunden unter der Voraussetzung in Aussicht, falls die Energie-Marktpreise weiter auf so niedrigem Niveau bleiben wie derzeit. Der Gaspreis werde in der laufenden Heizperiode mit Sicherheit stabil bleiben. Die Kosten für die CO2-Zertifikate, die die E-Wirtschaft ab 2013 zukaufen muss, werden in den Tarif sicher eingepreist werden müssen, sagte Hofer im Bilanzpressegespräch. Einen Ausstieg des 37-Prozent-Aktionärs EnBW sieht man noch nicht, obwohl man einen höheren Free-Float der Aktie begrüßen würde. In Moskau wird man eine zweite Müllverbrennungsanlage bauen, in NÖ wird man E-Mobilität in einer Tourismusregion testen. Und im Konflikt in Mazedonien hofft die EVN auf einen Vergleich.

In Mazedonien, wo der Gerichtsstreit um vor dem EVN-Einstieg angefallene Altschulden des Stromversorgers ESM bis Februar vertagt worden ist, hoffen die Niederösterreicher auf einen Vergleich. Die Situation in dem Konflikt habe sich "leicht entschärft und verbessert", sagte Hofer. Zum Energieregulativ - bisher gibt es keine Kostenabgeltung über die Preise - gebe es einen Fahrplan, wie die Regelungen verändert werden könnten. Von den 2,3 Millionen EVN-Kunden im CEE-Raum entfallen 750.000 auf Mazedonien, 1,55 Millionen auf Bulgarien.

2008/09 konnte die EVN von ihrem gesamten Stromverkauf an Endkunden am Heimmarkt Österreich 51,4 Prozent aus Eigenproduktion abdecken (Vorjahr: 60,9 Prozent); samt Bulgarien und Mazedonien betrug der Eigendeckungsgrad im Konzern wegen der dort nur geringen Erzeugungskapazitäten lediglich 17,8 (20,8) Prozent. Mittelfristig will die EVN auf Konzernebene 40 bis 60 Prozent des Stromabsatzes aus eigener Erzeugung bzw. Strombezugsrechten generieren, erinnerte Hofer. Deshalb setze man auf die Strategie, in Südosteuropa Produktionskapazitäten aufzubauen, zunächst in Albanien und Bulgarien, so EVN-Finanzer Michael Längle.

Duisburg-Walsum

Für das Steinkohlekraftwerk Duisburg-Walsum in Deutschland, an dem die EVN mit 49 Prozent beteiligt ist, sei die Inbetriebnahme für 2010 geplant. Dann könne die EVN dort jährlich 1.600 GWh beziehen. Für die ab 2013 zuzukaufenden CO2-Zertifikate sieht man keine zusätzliche Verschlechterung und setzt auf die geltende Rechtslage. Der Ausstoß in Walsum beträgt 750 g CO2 pro kWh, die Anlage weise 46 Prozent Wirkungsgrad auf und sei Weltspitze, sagte Adolf Aumüller, Geschäftsfeldleiter EVN Kraftwerke.

Für das seit Oktober laufende neue Geschäftsjahr 2009/10 peilt Hofer ein stabiles operatives Ergebnis (EBIT) bei einem leichten Umsatzplus an. In der Erzeugung werde man durch die niedrigen Energiepreise weniger gut performen, dafür werde der Vertrieb etwas günstiger abschneiden, sagte Hofer. Die Umweltsparte werde voraussichtlich einen höheren Beitrag abliefern.

In der abgelaufenen Periode 2008/09 hatte sich das EBIT um 5,2 Prozent auf 175,2 Mio. Euro verbessert, das Konzern-Nettoergebnis gab um 4,8 Prozent auf 177,9 Mio. Euro nach. Die Dividende hält das börsenotierte Unternehmen mit 0,37 Euro je Aktie auch für 2008/09 stabil, vorbehaltlich des HV-Beschlusses am 21. Jänner. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg um 3,1 Prozent auf 373,4 Mio. Euro. Die Umsatzerlöse nahmen um 13,8 Prozent auf 2,727 Mrd. Euro zu. Durch den konjunkturbedingten Rückgang der Wirtschaftsleistung habe sich die gesamte Stromnachfrage massiv reduziert, zudem sei 2008/09 die Witterung in Österreich und Mazedonien mild gewesen. Infolge der relativ stabilen Kundenstruktur in Niederösterreich und Südosteuropa seien die Absatzrückgänge für die EVN aber niedrig ausgefallen.

Finanzergebnis

Auch 2009/10 werde das Finanzergebnis aufgrund der unverändert niedrigen Ergebnisbeiträge der im Primärenergiebereich tätigen Beteiligungen auf dem vorjährigen Niveau bleiben. Dennoch werde eine Fortsetzung der Dividendenpolitik angestrebt. 2008/09 konnte eine höhere Dividendenzahlung des Verbund - an der die EVN 13 Prozent hält - die Belastungen im Beteiligungsergebnis der EVN durch sinkende Ergebnisbeiträge der at-equity einbezogenen assoziierten Unternehmen - besonders jene der RAG (Rohöl-Aufsuchungs AG) mit knapp über 50 Prozent EVN-Anteil - nicht ausgleichen. Deshalb reduzierte sich das Beteiligungsergebnis um 31,4 Prozent auf 94,0 Mio. Euro. Das Finanzergebnis ging um 26,2 Prozent auf 50,8 Mio. Euro zurück.

Den Stromverkauf an Endkunden konnte die EVN 2008/09 um 0,9 Prozent auf 19.541 GWh steigern, der Gasverkauf an Endkunden ging aber deutlich zurück um 9,7 Prozent auf 6.102 GWh. Die Abwanderung von Stromkunden durch die intensive Verbund-Werbekampagne halte sich mit bis zu 1.000 in Grenzen, zeige aber Wirkung, so Hofer. Für die Kampagne habe der Verbund "eine Menge Geld eingesetzt", die er aus dem Kundengewinn nicht wieder hereinbringen könne, vermutet der EVN-Chef. Zudem gebe es auch Rückwechsel zum niederösterreichischen Versorger, hieß es.

Beim Wärmeverkauf an Endkunden erzielte die EVN einen Anstieg um 15,7 Prozent auf 1.576 GWh. Die eigene Stromerzeugung schrumpfte um 13,6 Prozent auf 3.477 GWh (dabei in Wärmekraftwerken -18,8 Prozent auf 2.211 GWh und aus erneuerbarer Energie -2,5 Prozent auf 1.267 GWh). Vom gesamten EVN-Umsatzplus 2008/09 von 13,8 Prozent oder 330 Mio. Euro auf 2,727 Mrd. Euro entfiel auf das Segment Energie ein Umsatzanteil von 2,459 Mrd. Euro, ein Zuwachs von 12,7 Prozent oder 277,0 Mio. Euro. Dieses Plus sei im wesentlichen auf Mengensteigerungen im Stromabsatz in Mazedonien im Zusammenhang mit der Reduktion von Netzverlusten zurückzuführen.

Der Mitarbeiterstand des EVN-Konzerns sank um 4,3 Prozent auf 8.937 (9.342). Dabei stieg er in Österreich um 3,8 Prozent auf 2.563 (2.468) und sank im Ausland um 7,3 Prozent auf 6.374 (6.874).

Bis zu Mittag verlor die EVN-Aktie in einem festeren Marktumfeld (ATX +1,17 Prozent) 1,09 Prozent auf 12,76 Euro. Wer beim Börsegang vor 20 Jahren eingestiegen ist, konnte sich laut Hofer bisher eines Shareholder-Value von +9,7 Prozent pro Jahr (Dividende und Kursgewinn) erfreuen. (APA)

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