"Audimaxismus" ist das österreichische Wort des Jahres 2009

10. Dezember 2009 06:24
  • Artikelbild
    Foto: apa/harald schneider

    "Audimaxismus" ist das österreichische Wort des Jahres 2009, "Analogkäse"wurde zum Unwort gewählt.

"Wer alt genug ist zum Stehlen, ist auch alt genug zum Sterben" wurde zum "Unspruch" gewählt

Wien - Das Rennen um das österreichische Wort des Jahres 2009 ist geschlagen: "Audimaxismus" hat es vor "Kuschelkurs" und "Ungustlvermutung" an die Spitze der Kandidatenwörter geschafft. "Analogkäse" wurde zum Unwort gewählt. Das gab die Fachjury unter der Leitung von Rudolf Muhr von der Fakultät für Umwelt- und Erziehungswissenschaften an der Universität Graz bekannt. Die Wahl wurde in Kooperation mit der APA durchgeführt.

Der Begriff "Audimaxismus" entstand im Rahmen der neuen Studentenbewegung, die mit der Besetzung des größten Hörsaals der Universität Wien, dem Auditorium Maximum - kurz Audi Max - begann. Durch die anhaltenden Proteste sei erstmals seit langem wieder ernsthaft und umfassend über Bildung diskutiert worden, begründete die Fachjury ihr Urteil. Das Wort selbst stehe zum einen für den Wunsch der Studenten und Studentinnen nach maximaler Verbesserung ihrer Studienbedingungen und zum anderen dafür, bei der Politik Gehör (audi = lat. höre) zu finden.

Unwort "Analogkäse"

Beim "Analogkäse" handelt es sich laut Jury sowohl aus sprachlicher wie auch aus sachlicher Sicht um ein Unwort, da es für einen Etikettenschwindel stehe. Das damit bezeichnete Produkt habe mit Käse nichts zu tun, d.h. es handle sich um ein Imitat. "Sprachlich wird jedoch aufgrund der deutschen Wortbildungsregeln der Eindruck erweckt, dass es sich doch um 'Käse' handelt", erklärte Muhr.

Spruch: "Reiche Eltern für alle!"

Als Spruch des Jahres wurde "Reiche Eltern für alle!" an die erste Stelle gewählt. Auch diese ironisch gemeinte Aussage steht im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Hochschuldiskussion und weise darauf hin, dass unser Bildungssystem zu sehr auf den sozialen Status der Eltern ausgerichtet und nicht hinreichend durchlässig sei. Die Absurdität der Forderung verleihe dem Spruch Originalität und Zitatqualität, so die Fachjury.

"Wer alt genug ist zum Stehlen, ist auch alt genug zum Sterben" - dieser Ausspruch wurde im heurigen Jahr im Zusammenhang mit dem Einbruch in einen Kremser Supermarkt und dem Tod eines daran beteiligten Jugendlichen in einem Massenmedium kolportiert. Allein die Tatsache, dass ein solcher Satz in der medialen Öffentlichkeit verwendet wird, verweise auf "ein erschreckendes Ausmaß an Menschenverachtung und das fehlende Rechtsbewusstsein, das sich seit einiger Zeit in manchen Medien ausbreitet", begründeten die Experten rund um Rudolf Muhr das Wahlergebnis.

2008 war "Lebensmensch" zum heimischen Wort des Jahres gewählt worden. Der vielzitierte Begriff "Gewinnwarnung" war damals zum Unwort erkoren worden. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 122
1 2 3
Florian Machl
11.12.2009 10:39

Ich bin mehr für "Gaudimax". Aber die Einreichung kommt zu spät. Ist dieses Wort eigentlich ein Überbleibsel von früheren Demos aus den Spätsechzigern? Einige Studenten von damals sind ja auch heute wieder mit dabei...

root66
11.12.2009 06:45
Abruf beim Autohaus Weil*uni:

">> Guten Tag, ich hätt´ da eine Frage: Was kostet der neue Audi?"
>>"Welchen meinen Sie?"
>>"Na den Audi Maxismus!"
>>"Tut mir leid, aber ein solches Modell ist mir völlig unbekannt!"
>> "Das versteh´ ich jetzt nicht, der ist doch vor ein paar Tagen zum Auto des Jahres gewählt worden!" ..... :)

Meine Wenigkeit mit viel Senf
11.12.2009 10:57
Na, vielleicht

kennt der Händler ja den "größten Horch"...

root66
11.12.2009 07:55
Sorry, statt "N" das "B" getroffen! > Anruf ...

rorschach
10.12.2009 23:29
na toll da begehren österreichs studentInnen auf

es rappelt überall, in deutschland wird aus solidarität mehr, die studentInnen erreichen eine verbesserung und in österreich selber? da sind am end die studis selber schuld, aber hauptsache "audimaxismus" ist das wort des jahres .... politainment ala österreich - kotz

rggre rewqfew
10.12.2009 16:05

diese wahl war mal eine nette idee, ist aber sehr unstrumentalisiert worden. die unwörter kommen immer aus dem konservativ oder liberalen sprachgebrauch, die wörter aus dem linken.

analogköse als unwort ist ok, weil wirklich etwas suggeriertw ird, was nicht da ist. sprachlich schlecht. audimaximus ist hingegen ein völlig langweiliger, dröge begriff. wie es leider auch die protestbewegung ist, die sich vor den echten disjussionen drückt, wie man in unserer zeit eine effiziente hochschule gestalten kann und einfach nach immer emhr geld ruft.

TL1
10.12.2009 18:34

"...die unwörter kommen immer aus dem konservativ oder liberalen sprachgebrauch,.."

Nur zu Ihrer Information, der Unspruch stammt von Michael Jeanneè aus der Kronenzeitung und die ist weder konservativ noch liberal, sondern "rechts". derStandard hat das wahrscheinlich aus rechtlichen oder anderen Gründen nicht dazugeschrieben.

woidviadla
10.12.2009 18:00
Naja, "Lebensmensch"...

... kam nicht wirklich aus der linken Ecke, oder?

Queck
10.12.2009 17:46
Darf ich darauf aufmerksam machen...

...dass Audimaxismus schon bei der Internetwahl am ersten Platz gelandet ist, und NICH im Nachhinein von der Jury gepuscht wurde?
Oder schätzen Sie das gesamte Internet als "Spielzeug von ein paar verrückten Linken" ein?

divis
 
10.12.2009 18:29
Schätzen Sie das gesamte Internet als "Spielzeug von ein paar verrückten Linken" ein?

Also je länger ich drüber nachdenk...

dryeti
10.12.2009 16:54
Na dann auf zur Diskussion,

was verstehen Sie eigentlich unter "effiziente Hochschule"?

'Antheny
10.12.2009 15:22

Naja, wenn das Wort des Jahres "Audimaxismus" lautet, muss logischerweise "Hahn" das Unwort des Jahres sein, nen?

Chris Haslacher
 
10.12.2009 17:22

nen.

janeinvielleicht
10.12.2009 15:10

gute wahl

Diana Rigg
10.12.2009 14:59
keine ahnung

ob audimaxismus systemrelevant ist oder nicht!

Deus Ex Coquina
 
10.12.2009 14:58

Warum wurde eigentlich noch nie "Unwort" als Unwort gewählt. ;)

Heilige Hostie
10.12.2009 14:34
Dieses Wort

ist doch eher ein Unwort. Bedeutungsleer, polemisch verwendet und knüppeldicke Assoziationen weckend. Für mich werder Wort noch Unwort des Jahres. Vielleicht Unwort des Jahres: Klimastabilisierung oder Klimaschutz.

Nick (FMO)
10.12.2009 14:00
Zitatschöpfer?

Frage: Warum schreibt KEIN österreichisches Medium, wer diese schreckliche Aussage "Wer alt genug ist zum stehlen..." überhaupt in die Welt gesetzt hat????? Es war Jeannée von der Krone, das sollte auch mal klar und deutlich gesagt werden! Der Spruch wurde nicht "von den Medien kolportiert" sondern von Jeannée erschaffen!

birka
12.12.2009 13:03

"Wer alt genug ist für die Krone zu schreiben, ist auch alt genug zum Sterben"

byron sully
10.12.2009 13:49

erfreuliche und verdiente auswahl!

Arbeit für die Zensur
10.12.2009 13:38

Das gab die Fachjury unter der Leitung von Rudolf Muhr von der Fakultät für Umwelt- und Erziehungswissenschaften an der Universität Graz bekannt....

Unvorstellbar GESCHEIT müssen die von Graz schon sein.

Der Waehlerwille
 
11.12.2009 02:26
Rautha
10.12.2009 15:07

a bissl neidisch sind sie schon, hm?

mfg,
rautha von graz..

knievel
10.12.2009 13:30
aus dem forum hier

würde ich "benutzerInnenoberfläche" vorschlagen.

die diskussion über die berechnung dieser fläche war genial :-)

Wir sind die Guten!
10.12.2009 13:27
für mich ist und bleibt "LEISTUNGSTRÄGER" das Unwort des jahres!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 122
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.