Frau wegen Ehebruchsverdacht zum Tode verurteilt

9. Dezember 2009, 21:32
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Eine marokkanische Männergruppe improvisierte ein "Gericht", um eine schwangere Frau gemäß der Scharia zum Tod durch Steinigung zu verurteilen

Eine etwa 30-jährige Frau konnte in der spanischen Stadt Tarragona der Vollstreckung des über sie wegen angeblicher Untreue verhängten Todesurteils nur knapp entkommen. Der Vorfall hatte sich bereist im Frühjahr ereignet, wurde aber erst jetzt publik.

"Prozess" auf einem Bauernhof

Der Zeitung El País liegt ein 1300-seitiger Gerichtsakt vor, in dem die Frau ihr Martyrium beschreibt. Demnach wurde sie Mitte März von einem marokkanischen Paar entführt. Ihr "Prozess" habe auf einem Bauernhof bei Vals, nahe der nordostspanischen Industriestadt Tarragona, stattgefunden. Ihre "Richter" dürften der ultrakonservativen islamischen Salafisten-Strömung angehört haben. Der Vorwurf gegen die damals Schwangere: Ehebruch - darauf steht nach dem islamischen Gesetz der Scharia die Todesstrafe. Durch Steinigung.

Richtende Personen waren ihr unbekannt

"Zwanzig Männer mit Turbanen und langen Bärten verurteilten mich zum Tode", sagte die junge Frau laut El País. Stundenlang sei sie inmitten der über ihre Strafe diskutierenden Männer gesessen. Die über sie richtenden Personen seien ihr gänzlich unbekannt gewesen. Nach dem "Urteil" sei sie noch zwei Tage in der Wohnung ihrer Entführer eingesperrt gewesen - ein Streit unter ihnen habe ihre Flucht ermöglicht.

Untersuchungsrichter erteilte Zeugenschutz

Ein Untersuchungsrichter in Tarragona fand ihre Schilderungen am 24. März glaubwürdig und erteilte der jungen Frau, die ohne Aufenthaltsbewilligung in Spanien lebt, Zeugenschutz.

Ihren Angaben zufolge dürfte ihr nicht in Spanien lebender Ehemann Hassan O. das "Gericht" angerufen haben. Gegen ihn gibt es darüber hinaus Vorwürfe wegen angeblicher Misshandlungen.

Zehn Verhaftungen

Nach monatelangen Ermittlungen wurden am 14. November zehn Personen festgenommen. Sieben sind in Untersuchungshaft. Ihnen werden Mordversuch, Freiheitsberaubung und die Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation vorgeworfen. Verbindungen zur Al-Kaida des Maghreb werden vermutet. Die Angeklagten leugnen: Der "Prozess" habe nie statt gefunden.

Nach der Hälfte der dem "Tribunal" angehörenden Männer wird immer noch gefahndet. (Jan Marot, DER STANDARD Printausgabe 10.12.2009)

 

 

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