ElBaradei ruft zu Geduld mit dem Iran auf

9. Dezember 2009, 20:41
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Frühere IAEO-Chef gibt sich zuversichtlich, dass es "früher oder später einen Kompromiss" geben werde

Wien - Der frühere Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), Mohammed ElBaradei, hat den Westen im Atomstreit mit dem Iran zur Geduld aufgerufen. "Ich bin zuversichtlich, dass wir früher oder später einen großen Kompromiss schaffen. Wir müssen aber Geduld haben. Iran ist heute keine unmittelbare Bedrohung. Manche Leute wollen zeigen, dass der Iran morgen eine Atombombe haben wird. Er wird nicht, wir haben das zumindest nicht gesehen. Es gibt keinen Grund für übereilte Entscheidungen", sagte ElBaradei in einem Interview mit der Tageszeitung "Kurier".

Es gebe nur eine Lösung durch Dialog, um die Differenzen zwischen dem Iran und dem Westen beizulegen, die seit 50 Jahren existierten, sagte der ägyptische Diplomat. Isolation und Sanktionen hätten noch nie Probleme gelöst: "Das führt nur zu mehr Konfrontation. Man isoliert ein Land und sofort sammeln sich die Menschen um die Führung, auch wenn sie die nicht mögen. Aber wenn man ein Land öffnet, mit ihm Beziehungen aufnimmt, dann wird die interne Dynamik wirksam."

Die USA hätten sich drei Jahre lang geweigert, mit dem Iran zu reden, "dann haben sie unmögliche Bedingungen gestellt". Jetzt sage US-Präsident Barack Obama, dass man bereit sei zu reden, ohne Vorbedingungen und auf der Basis gegenseitigen Respekts, führte ElBaradei aus. "Jetzt liegt der Ball bei den Iranern. Unglücklicherweise gibt es im Iran derzeit innere politische Unruhen, politische Grabenkämpfe. Diese ganze Nukleargeschichte verfolgt nur ein Ziel: Sie wollen zeigen, dass sie die Technologie haben, wollen endlich als Regionalmacht im Nahen Osten anerkannt werden."

Harte Worte fand der frühere IAEA-Chef für die frühere Irak-Politik der USA und Großbritanniens: "Herr Bush und Herr Blair wussten, dass der Irak keine Atombombe hatte und zerstörten trotzdem das ganze Land. Eine Million unschuldige Zivilisten starben im Irak auf der Basis falscher Behauptungen. Heute wissen wir, dass die Entscheidung zum Krieg gefällt wurde ein Jahr, bevor wir unsere Inspektionen begannen. Es war ein Betrug, der nicht auf einer nuklearen Bedrohung basierte."

Österreich werde die nächsten 50 Jahre mit Atomkraftwerken in seiner Umgebung leben müssen, sagte ElBaradei auf eine entsprechende Frage. "Ich sage meinen österreichischen Freunden immer, wenn fast alle eure Nachbarländer AKW haben, ist es nett, dagegen zu sein, aber das verbessert die Sicherheit nicht." Saubere Energie sei notwendig, um den Klimawandel aufzuhalten, um von Öl aus instabilen Regionen unabhängig zu werden. ElBaradei: "Wegen all dem ist Atomkraft wieder attraktiv. Wind und Sonnenenergie ist in Ordnung, aber für große Energiemengen braucht man entweder Kohle und Öl oder Atomenergie."

ElBaradei stand seit 1997 als Generaldirektor an deren Spitze der in Wien ansässigen Atomenergiebehörde der Vereinten Nationen. Mit 1. Dezember übergab er die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger, den Japaner Yukiya Amano. (APA)

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