EU-Gipfel

Die Chefs wollen unter sich bleiben

9. Dezember 2009, 19:06

Mit dem EU-Vertrag von Lissabon bleibt in der Machtarchitektur der Union kein Stein auf dem anderen - Der jüngste Gipfel in Brüssel liefert das Vorspiel

Die Regierungschefs haben die Außenminister vor die Tür gesetzt.

***

Fast sieben Jahre lang haben die Regierungen der Mitgliedstaaten beinahe sehnsüchtig darauf gewartet, dass ein neuer EU-Vertrag für die seit dem Jahr 2004 von 15 auf 27 Mitglieder kräftig erweiterte Union endlich mehr Effizienz, weniger Leerläufe, mehr kraftvolle Entscheidungen bringen möge. Seit 1. Dezember ist der Vertrag von Lissabon nun in Kraft.

Wenn sich die Staats- und Regierungschefs heute, Donnerstag, in Brüssel zum EU-Gipfel versammeln, dann beginnen die neuen Zeiten dennoch mit ein wenig "Katzenjammer". Denn was ursprünglich als Vereinfachung gedacht war und - nicht zuletzt den fernen Unionsbürgern - mehr Klarheit bringen sollte, erweist sich in der Praxis als schwierig zu handhabender Dschungel an Kompetenzen der einzelnen EU-Institutionen und Funktionen, die sich überschneiden. Gleichzeitig lässt der Vertrag viele Zuständigkeiten einfach offen.

So dürfte die erste Sitzung des "Europäischen Rates", wie das höchste Entscheidungsgremium der Union offiziell heißt, unter den neuen Vertragsbedingungen vor allem einer Frage gewidmet sein: Wie will die Union bei der politischen Entscheidungsfindung in Zukunft vorgehen, wer ist genau wofür zuständig - und wofür auf keinen Fall? Die inhaltlich wichtigen Fragen auf der Tagesordnung, wie der laufende Umweltgipfel in Kopenhagen, der Ausblicke auf die EU-Erweiterung im Jahr 2010 oder die weiteren Maßnahmen gegen die Wirtschaftskrise, könnten dabei in den Hintergrund gedrängt werden.

Dies "ist ein einmaliger Moment in der Geschichte", hatte der schwedische Außenminister Carl Bildt am Dienstagabend in Brüssel mit ein bisschen Wehmut angemerkt, als er auf die Konsequenzen aus den neuen Regeln hinwies: "Dies ist nach Jahrzehnten der letzte Ministerrat, der vom Außenminister eines wechselnden EU-Vorsitzlandes geführt wird", so Bildt quasi in einer Selbsterklärung. In Zukunft gelten ganz andere Spielregel, verwies er auf die neben ihm sitzende neue EU-Außenministerin Catherine Baroness Ashton.

Was er höflich zu erwähnen vergaß war, dass er selbst und seinesgleichen beim anstehenden EU-Gipfel sozusagen gleich das erste "Opfer" sein werde. Denn der schwedische Ratsvorsitz bringt umgehend und rigide zur Anwendung, was der Lissabon-Vertrag ausdrücklich ermöglicht: Dass die 27 Staats- und Regierungschefs gemeinsam mit ihrem neuen ständigen Präsidenten Herman Van Rompuy und Kommissionspräsident José manuel Barroso beschließen, wenn sie mit am Tisch haben wollen oder nicht. Rompuy tritt sein Amt erst am 1. Jänner an, worum er gebeten hatte. Dafür bestimmte der konservative schwedische Premier Fredrik Reinfeldt im Vorgriff, dass die Außenminister zum EU-Gipfel nicht eingeladen werden. Die "Chefs" wollen offenbar ganz unter sich bleiben.

Nach den bisherigen EU-Verträgen sind jahrzehntelang die Außenminister zwingend Teilnehmer an Europäischen Räten gewesen. Somit war, insbesondere in Ländern, in denen mehrere Parteien eine Regierung bilden, für einen politischen Ausgleich gesorgt. Damit ist es jetzt vorläufig vorbei, was bei vielen Ländervertretern für Unmut sorgte (siehe Interview mit Außenminister Spindelegger). Wenn aber die Außenminister nicht teilnehmen, so kommt nicht nur die bisherige Gesamtarchitektur der politischen Willensbildung der Union ins Rutschen. Auch in deren Sachbereich, der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik, wird damit vieles eher undeutlicher als klarer.

Der Lissabon-Vertrag sieht nämlich nicht nur die Schaffung des ständigen Präsidenten mit Rompuy vor, der die Union rein protokollarisch nach außen vertritt - er ist der Mann, der US-Präsident Obama bei einem Besuch als erster die Hand schüttelt.

Der Vertrag verändert auch vollkommen die Rolle des bisher alle sechs Monate wechselnden EU-Ratsvorsitzes durch die Regierung eines Mitgliedslandes. Nach Schweden kommt Spanien. Aber noch weiß man nicht, was Premierminister José Luis Zapatero neben Rompuy eigentlich tun soll. Der leitet die EU-Gipfel. Schon gibt es Befürchtungen, dass die Premierminister Richtung Ministerrat "ausweichen" und dort die Außenminister verdrängen.

Die haben es auch nicht einfach: Denn um die Außenpolitik kümmert sich die neue starke Person der EU: Catherine Ashton. (Thomas Mayer aus Brüssel, DER STANDARD, Printausgabe, 10.12.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 37
1 2
Nanerl
00
11.2.2010, 00:28
Dichand hat Recht: Wir müssen aus der EU austreten

www.webinformation.at !!

0Stoney0
01
Das ist wie bei div. Stadtplanern in Wien

Busspuren nehmen 50% der Fahrbahn ein. Wo zuvor NIEMALS ein Stau war, stauen wir jetzt.

Und dann erkären die Grünen, es ist notwendig eine City Maut einzuführen wegen der hohen Schadstoff Belastung.

SChauen sich unsere Politiker eigentlich die Ergebnisse ihrer Entscheidung in der Praxis auch an?


gert käfer
 
03
29.12.2009, 23:47
dass in brüssel, dem korruptions-paradies

die größten flaschen überhaupt beschäftigt sind, sollte langsam auch der dümmste troll gecheckt haben

Christoph ************
30
30.12.2009, 22:37

Können Sie mit einer seriösen Quelle aufwarten, dass die EU korrupter ist als die alten Mitgliedsstaaten?

PS: Krone alleine reicht nicht.

gert käfer
 
00
31.12.2009, 14:45
man muss sich nur die wege der entscheidungsfindungen ansehen

oder mit einer 28-jährigen sekretariatsgehilfin reden, die seit 5 jahren in brüssel sitzt

Christoph ************
00
31.12.2009, 17:35

Also nein.

Außer einer angeblichen Geschichte die sie angeblich einmal erzählt bekommen haben.

Die Entscheidungsfindung auf EU Ebene ist im übrigen schwieriger zu schmieren als auf zB nationaler Ebene, da bei ersterem viel mehr Leute und Interessensgruppen involviert sind auf nationaler Ebene aber die Anzahl jener die wirklich die Zügel in der Hand haben schon deutlich kleiner ist.

Ich habe aber auch nie behauptet, dass die EU Korruptionsfrei ist, aber eben kaum schlimmer als die Mitgliedsstaaten (und da rede ich von den alten)

wwelv folig
00
sie haben bis jetzt auch viel schlimmes entscheiden müssen

marmelade oder konfitüre? glühbirnen oder nur mehr sparlampen? etz etz ...

Ja, da muss man schon schwierige entscheidungen treffen in so einem brüssel-clan...vorallem wenn man dafür auch noch weltlügen wie klimawandel aufgrund co2 anwendet oder die große sicherheit, die eh keine ist,gegen das letzte bisschen freiheit opfern...etz.. ja,, wirklich toll die eu.

OttotheBusdriver
13
23.12.2009, 16:37
....viele Zuständigkeiten einfach offen

Kein Wunder, denn der Vertrag solte ja auch hauptsächlich
- Für Scheindemokratie sorgen (durch Pseudozuständigkeiten des EU-"Parlaments")
- Industrieinteressen durchsetzen
- EU Steuern ermöglichen (wartet nur was da im Namen des "Klimas" alles erfunden werden wird)
- Die nationalen Parlamente schwächen
- Für ungehinderte EU Erweiterungen sorgen

für triviale Regelungen blieb da keine Zeit

Christoph ************
32
23.12.2009, 20:38

PS: Um die Zuständigkeiten des EPs "Scheinzuständigkeiten" zu nennen kann man nicht sehr viel Ahnung haben.

Christoph ************
30
23.12.2009, 20:33

Zuerst forderten die Kritiker einen Vertrag, der so kompakt wie die US Verfassung sei, wo so gut wie gar nichts im Detail geregelt ist und jetzt ist er plötzlich undemokratisch weil er nicht alles bis ins kleinste Detail festlegt. Was soll es nun sein?

phatsphere
01
21.12.2009, 19:23

das gibts ja nicht, zuerst macht die eu kritiker und lissabon vertragshasser nieder und dann lässt man aus brüssel durch sowas wie "Gleichzeitig lässt der Vertrag viele Zuständigkeiten einfach offen." merken dass es eh ein humbug ist? das kann ja nicht wahr sein.

Christoph ************
21
23.12.2009, 10:53

Natürlich lässt der Vertrag viel offen, würde er dies nicht hätte er anstatt 200-300 Seiten 20.000 bis 30.000 Seiten.

Der Alte vom Berge
26
10.12.2009, 13:17
Wozu Aussenminister,...

...wenn so etwas wie europäische Aussenpolitik nicht Existiert.

Eine in sich geschlossene Vasallenversammlung der USA erscheint völlig Ausreichend weiterhin allen Begehrlichkeiten Washingtons in vorauseilendem Gehorsam ergeben Nachzukommen.

Im Grunde ist die Construction im Allgemeinen nicht von Nöten,orientiert sich die Entscheidungsfindung doch Hauptsächlich an NATO-Parametern zur Gestaltung,folgt also wieder US-Interessen.

Mit Ratifizierung des Vertrages sind sämtliche Institutionen und Ämter welche zu tatsächlichen Richtungsentscheidungen benötigt werden nicht mit von der Bevölkerung gewählten Personen Besetzt.

Das Parlament ist ein Placebo für Jene die an eine Entscheidungsfindung auf demokratischer Basis noch Glauben.^^

babamen
01
15.12.2009, 19:02
aussenpolitik

Existierte nicht bis jetzt. Die EU muss zu einem Global Player werden um unsere Interessen in der Welt zu verteidigen.
die Aussenmisterin will jetzt in den Nahen Osten reisen um Geschäfte abzuschliessen.

Der Alte vom Berge
00
29.12.2009, 10:29
Das...

...ist die "europäische" Aussenpolitik unserer Tage.

Ein wichtiger Verbündeter...

http://derstandard.at/125928276... eine-Macht

...im "War on Terror" an dem Europa Teilnimmt.

Werte !

HAHA ! ^^

Der Alte vom Berge
01
29.12.2009, 09:25
Die Interessen...

...von Banken und Konzernen sowie diverser als strategische Investoren bezeichneter Privatpersonen um dem Raubtierkapitalismus welcher aus America übernommen wurde Märkte wie Ressourcen Aufzuschliessen. Dafür ist den Damen und Herren in "Brüssel" nichts zu teuer, selbst Krieg gilt in Europa mittlerweile wieder als Option zur Durchsetzung.

Wie diese von Expansionismus und Imperialismus geprägte Grundlinie mit den bei jeder sich bietenden Gelegenheit gebetsmühlenartig wiedergekäuten Werteverpflichtung zu Vereinbaren sei bleibt die Politik dem Bürger Schuldig.

Ein Blick auf die Verbündeten Europas, die postsovjetischen ENP/ESVP-Republiken, genügt um Klarheit zu Erhalten wie wenig die hehren Werte tatsächlich Wiegen.

Pharisäer.--

diamant
21
10.12.2009, 20:40
Welche Personen ausser dem HeiFi haben SIE eigentlich

schon direkt gewaehlt?
Ergo, sehr schwaches Argument!

Naja, und zum Rest will ich mich erst gar nicht aeussern, von 'Altersweisheit' keine Spur.....

Der Alte vom Berge
00
28.12.2009, 12:10
Auf diesen Ihren Anwurf...

...wolln`s a Antwort ?

HAHA !

Grüsse aus der Carribik.

:D

diamant
10
11.12.2009, 19:11
Da geht er gleich zwei Tage Gassi......

Der Alte vom Berge
00
28.12.2009, 12:09
DIESE Unionspolitik...

...ist ned mehr wert als dreizehn Zeilen.

Habe die Ehre. ^^

Christoph ************
24
10.12.2009, 18:27

Völliger Humbug. Welche exekutiven Ämter sind denn in Österreich direkt gewählt? Außer dem Präsidenten der de facto nichts zu reden hat? Bei der Legislative ist eine der zwei legislativen Kammern direkt gewählt und hat bis auf die wenigen übriggebliebenen Ausnahmen (wo weiterhin Einstimmigkeit im Rat vorherrscht) gleichberechtigtes Mitentscheidungs und Abänderungsrecht mit der anderen Kammer, dem Ministerrat.

Das EP mit dem Recht laut Lissabon als Placebo zu bezeichnen zeigt wohl profundes Unwissen aus.

Der Alte vom Berge
01
28.12.2009, 14:40
Die übliche Mischung...

...aus Phraseologie und Theorie welche das Europa der Komissionen so unglaublich in den Herzen seiner Bürger verankert hat das von Atlantik bis zum Kaukasus ein einziger Jubel aufbrandet, ist von "Brüssel" bloss die Rede.

Der Union sollte es schwer fallen seinen Bürgern die Zielsetzung hinter ENP/ENSVP sowie das Interesse an einer globalen Rolle der NATO zu Erklären, weshalb europäische Truppen am Balkan und in Afghanistan stehen ist ihr ja selbst nicht ganz Erklärlich.

Europäische Streitkräfte nehmen an "War on Terror" Teil, sind in "Wider Europ" sowie "Enduring Freedom" eingebunden, Bestandteil der "Broader Middle East" Konzeption.

Kurz :

Europa ist in einem globalen Krieg.

Das wird den Bürgern Verschwiegen.

Pfui ! --

Der Alte vom Berge
00
28.12.2009, 14:45
Demokratie...

...ist zum Mittel der Massenmenschenhaltung degeneriert.

Nur weiter.

Nur weiter... :D

Savety
43
9.12.2009, 22:55

ach kommt, freut euch doch, daß Österreich sein Erbe (überbordernde Bürokratie) mit allen anderen teilt ... Österreich konnte das doch immer schon sehr gut - Bürokratie, Formulare und alles andere in die Richtung ...

*sarkasm*

ernsthaft - reichts nicht langsam?
Wann kriegen wir eigentlich mal eine durchschaubare EU-Politik, wo nicht Robin Hood umgedreht stattfindet?

Anstatt, daß die EU-Politiker 3,5 % haben wollen, sonst gibts Streik, sollen die doch streiken, am besten die nexten 10 Jahre lang!

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