Die verkaufte Unabhängigkeit des ORF

9. Dezember 2009, 18:33

Was dabei herauskommt, wenn die Koalitionsregierung, wie geplant, 160 Millionen Euro in das Unternehmen reinsteckt. - Eine Analyse des neuen ORF-Gesetzes im internationalen Vergleich - Von Regula Troxler

Einen "Zuschuss" in Höhe von 160 Millionen Euro bekommt der ORF in den nächsten vier Jahren von der Regierung - Geld, das die Ausfälle aus den Gebührenbefreiungen ersetzen soll und das der ORF nun in besseres öffentlich-rechtliches Programm stecken muss. Doch dieser Zuschuss allein wird dem ORF nicht aus der Legitimationskrise helfen: Ein Großteil der österreichischen Bevölkerung wird sich weiterhin fragen, wofür er eigentlich Gebühren zahlt.
Eine wissenschaftliche Vergleichsstudie des Instituts für Journalismus der FH Wien zeigt, dass uns andere europäische Länder weit voraus sind: Sie haben deutlich modernere Rahmenbedingungen für den Rundfunk als Österreich (siehe Tabelle links). 

Das neue ORF-Gesetz ist hingegen nur eine Minimal-Umsetzung der EU-Vorgaben. Die heimische Medienpolitik scheint nicht willens, Maßnahmen zu setzen, die den öffentlich-rechtlichen Mehrwert des ORF stärken. 

Das beginnt schon beim Programmauftrag, der in weiten Teilen unpräzise und unzeitgemäß ist. Da sich die Gesellschaft und ihre Bedürfnisse ständig wandeln, müssen auch die gesetzlich definierten Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks regelmäßig aktualisiert werden. Die Briten haben diesen Dreh längst erkannt und führen alle zehn Jahre eine sogenannte „Charter Review" durch, bei der die Aufgaben der BBC aktualisiert werden.

Beim neuen ORF-Gesetz wurde die Chance verpasst, zu definieren, was der ORF in Zukunft tun kann, darf und soll. Um die EU-Kommission zufrieden zu stellen, wurden lediglich „besondere Aufträge" für Spartenprogramme und das Online-Angebot ergänzt. Der eigentliche Programmauftrag blieb de facto unverändert.

Rot-schwarzer Personalpoker

Politisch unabhängig war der ORF nie. Dass er das auch künftig nicht sein wird, ist spätestens seit der Postenschacherei rund um die Bestellung von Richard Grasl zum Finanzdirektor klar. Außerdem bleiben im neuen ORF-Gesetz die Gremien unangetastet. 

Längst nicht so schlimm wie in Frankreich, könnte man entgegenhalten: Dort hat Staatspräsident Nicolas Sarkozy die Ernennung des Generaldirektors gar zu seiner persönlichen Aufgabe gemacht. Auch in Deutschland gerät die „Staatsferne" des Rundfunks ins Wanken, nachdem CDU-Verwaltungsräte den ZDF-Chefredakteur aus politischen Motiven abgewählt haben. Wie es besser funktioniert, zeigt das britische Modell des „BBC Trust", wo die Mitglieder nicht durch politische Parteien entsandt, sondern nach ihrer fachlichen Qualifikation ausgewählt werden. 

Mehr Pflichten als Rechte

Auch die neue Regulierungsbehörde für den ORF wird nur auf dem Papier unabhängig sein: Per Verfassungsänderung sollen die fünf Juristen weisungsfrei gestellt werden. Im Personalpoker um die mächtigen Ämter wird aber schon jetzt rot-schwarze Farbenlehre ins Spiel gebracht. 

Dies ist umso schlimmer, als die neue Behörde auch alle neuen ORF-Programme und -Angebote genehmigen muss. Eine solche „Auftragsvorprüfung" wird auf Verlangen der EU-Kommission gesetzlich vorgeschrieben, weil damit Wettbewerbsnachteile für private Medienunternehmen verhindert werden sollen. Die Regierung verzichtete zum Glück darauf, das Verfahren so kompliziert und langwierig zu gestalten wie in Deutschland oder Großbritannien. Aber ohne umfassende Einbindung des Publikums ist es wertlos. Die Gefahr ist groß, dass es nur „pro forma" durchgeführt wird, ohne den Nutzen der ORF-Angebote für die Gesellschaft und den Einzelnen sichtbar zu machen. 

Der ORF hat es bisher versäumt, freiwillig ein transparentes Qualitätssicherungssystem einzuführen - die schweizerische SRG und die britische BBC sind hier schon weiter. Also schreibt die Regierung dem ORF Qualitätssicherung nun gesetzlich vor, und zwar bis ins kleinste Detail. 

Zwar obliegt die Definition von Qualitätskriterien dem Generaldirektor, deren Tauglichkeit wird aber künftig extern überprüft. Der ORF muss außerdem eine Reihe von Studien betreffend Programmstruktur, Publikumszufriedenheit, Unverwechselbarkeit, Ausgewogenheit und Qualität durchführen oder in Auftrag geben. 

Solche Kontrollmechanismen sind zur Legitimierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aber nur dann sinnvoll, wenn die Ergebnisse transparent gemacht werden. Der ORF veröffentlichte bisher nur wenige Dokumente, Entscheidungen waren für die Öffentlichkeit nicht nachvollziehbar. 

So geheimnisvoll wie der ORF agiert im europäischen Vergleich nur France Télévisions. Das Publikum darf aber nicht länger nur als Quotenlieferant gesehen werden, sondern muss über die Gegenleistungen für die Gebühren informiert werden. Die gesetzlichen Vorgaben zu mehr Transparenz sind daher zu begrüßen. 

Fazit: Der ORF bekommt eine Menge neuer Pflichten, gleichzeitig behält sich die Regierung vor, den finanziellen Zuschuss bei Nichterfüllung einiger Auflagen auszusetzen. Handlungsspielraum für Wrabetz: möglichst gering.
Außerdem sichern sich SPÖ und ÖVP via Regulierungsbehörde und Stiftungsrat ihren Einfluss auf den ORF. Und darum ging es der-rot-schwarzen Koalition wohl auch: Für etwas mehr Geld gibt es noch weniger Unabhängigkeit. Ernsthafte fortschrittliche Medienpolitik: Fehlanzeige. (Regula Troxler, DER STANDARD; Printausgabe, 10.12.2009)

Zur Autorin
Regula Troxler ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Journalismus und Medienmanagement der FH Wien. Mehr Informationen unter public-value.at

Zum Thema
derStandard.at/Etat-Schwerpunkt zum ORF

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 41
1 2
slow motion
02
18.1.2010, 14:10
Verkaufen kann man nur, was man einmal besaß.

Und der ORF besaß auch früher nie Unabhängigkeit, sondern war immer in politischer Abhängigkeit. Schließlich sind es ja die politischen Parteien, insbesondere die Regierungsparteien, die bestimmen, wer die ORF-Führungspositionen einnimmt.

Unabhängigkeit sieht anders aus.

Chinpokomon
03
10.12.2009, 14:56
konkurrenz ist leider besser

zum glück kann ich 3sat, arte, phoenix, zdf_neo usw. empfangen. denn dort bekomme ich das, was ich mir eigentlich vom orf wünsche.

Hansi müller3
00
10.12.2009, 17:43
Auf 3sat wird auch nur der Mist von ARD und Co wiederholt

Diese ganzen Manipulations- und Angstmachersendungen hängen einem zum Halse raus. Man bekommt fast das kotzen, wenn man nicht rechtzeitig (nach max. 2 Sekunden) abdrehen würde. Vor ein paar Tagen wieder so ein Meisterwerk über die angeblichen Missgeschicke am Heiligen Abend. Lauter negativ und stimmungsdämpfender Schrott in den Medien, um das Volk zu manipulieren und zu ängstigen.

Von den transsexuellen herzkranken Kindern und den diversen Hartz4 Problemfamilien mal ganz zu schweigen.

Chinpokomon
00
10.12.2009, 20:35
sie reden mir aus der seele

auf jedem sender gibt es irgendwelche "experten" die voraussagen, dass ich (bzw. die ganze menschheit) in naher zukunft verrecken werde (wird). Sei es durch grippe, co2 oder terrorismus. oder so seriöse tests, wo sie schauen wer die besten chips herstellt. ganz schlimm ist der fettsack auf pro7 der nur schnitzel mampft und dann seinen senf dazu abgibt.
aber auf den oben genannten sendern kommen hie und da auslandsreportagen (z.B. über die sahara, indien, Peru) und geschichtsdokus sind auch passabel.

doch leider beherscht geld nun mal die welt und solange das der fall ist, wird es in nur sehr wenigen fällen unabhängigen journalismus geben.

P.S.: ich sollte noch harald lesch aus alpha centauri erwähnen. Low-budget aber tolle sendung.

Hansi müller3
01
11.12.2009, 12:01
Das ist alles gewollt da steht pure Absicht dahinter

Man betrachte nur das deutsche Fernsehen (Leider muss man als Ösi ein Experte darin sein weil unser heimischen noch mieser ist). Gute Laune Sendungen gibt es nur am Samstag Abend und am Sonntag Morgen (da wird öffentlich gejohlt und geschunkelt).

Am Sonntag Nachmittag geht es schon los. Ein Gejammer und Angsteinflössungs Generierungsdreck nach dem anderen, um das Volk wieder auf den Arbeitstag Montag hinunter zu drosseln. Montag - Donnerstag ein Hartz4ler, ein Muttersöhnchen, ein Drogenkranker, gemobbte ohne Ende, Schicksal über Schicksal bricht über den zu Manipulierenden herein. Freitag endlich wieder Olli Geissen und Co und die Musi spielt wieder für ein paar Stunden. Da stecken ganz üble Einpeitscher dahinter wie auf den Galeeren.

tramezzino
00
10.12.2009, 17:01

und der orf hätte nur mehr 3.000 zuschauer...

t-bonesteak
00
10.12.2009, 15:04
nicht wenig auf 3sat

ist vom orf (co-)produziert.

aber sie haben natürlich recht: der orf befindet sich seit vielen jahren auf sinkflug. schade, bei dem potenzial.

t-bonesteak
00
10.12.2009, 13:55
wie politisch unabhängig die öffentlich-rechtlichen in deutschland sind, haben wir

ja eben erst gesehen.

Hansi müller3
01
10.12.2009, 13:10
Das Fernsehen wird es in Zukunft sehr sehr schwer haben

Momentan wird zu 98% Fernsehen für Idioten gemacht. Diese Zielgruppe wird aber für die Werbung immer uninteressanter werden.

Das Onlineangebot (Youtube und Co), mit der Möglichkeit viel gezielter Werbung zu platzieren, wird das Fernsehen zu einem Nischenprodukt für die Internetverweigerer (Generation 60+) und die geistigen Nichtkapazunder generieren. Es wird ein sehr großes Mediensterben geben in den nächsten Jahrzehnten. Der ORF wird dazu gehören. Wozu noch Fernsehen wenn man alle Inhalte, die für einem von Interesse sind, ganz einfach im Netz abrufen kann. Automatisierte Suchalgorithmen werden für jeden einzelnen ein individuelles Programm zusammenstellen. Das vorgesetzte Massenprogramm wird sehr bald beerdigt werden.

Jens Kampe
01
10.12.2009, 15:20
Das erinnert mich an einen interessanten Film.

Free Rainer - dein Fernseher lügt. Er behandelt genau das was Du ansprachst. Das man (dank dem Quotendruck) das Fernsehprogramm qualitativ immer weiter herabstuft um es der großen breiten Masse anzupassen, anstatt dafür zu sorgen, dass die große breite Masse nicht dümmer wird.
Meine Lieblingsszene des Films: Moritz Bleibtreu als Rainer im Gespräch mit seinem Produktionsleiter "Jede Propaganda hat volkstümlich zu sein und ihr geistiges Niveau einzustellen nach der Aufnahmefähigkeit des Beschränktesten unter denen, an die sie sich zu richten gedenkt.' Weißt du, von wem das is'? Adolf Hitler: 'Mein Kampf'." Großartig.

t-bonesteak
00
10.12.2009, 13:56
Momentan wird zu 98% Fernsehen für Idioten gemacht

und wsa macht das internet für die geistigen kapazunder? genau dasselbe.

derfleischhacker
10
10.12.2009, 12:45
Woher kommt diese "Expertin"- aus Burundi

nur jammern aber nicht sagen wie es besser gehen könnte, das sind die ratschläge die die politik sicher nicht braucht - wie stellt sich die dame die unabhängige behörde vor

DerKasperl
10
10.12.2009, 16:18

ihr tendentiell sexistisches und rassistisches posting ist natürlich ein viel wertvollerer beitrag zur debatte.

derfleischhacker
00
11.12.2009, 10:50
gut dass der kasperl seinem namen gerecht wird

Longyearbyen
 
02
10.12.2009, 10:37
Der ORF ist das Sahnehäubchen

auf dem österreichischen Korruptionskuchen.

survival of the fattest
02
10.12.2009, 09:43

Mit so einer Kindergrafik kann man vielleicht auf der FH punkten, sonst wirkt sie eher lächerlich.
Auch von unabhängigen Medienbehörden scheint man eher wenig zu verstehen (Bundeskommunikationssenat schon jetzt weisungsfreie "richterliche" Kollegialbehörde, die in der Vergangenheit brauchbare Ergebnisse geliefert hat).

Und was ist ein "zeitgemäßer Programmauftrag"!?

Jens Kampe
01
10.12.2009, 15:27
Diese Frage ala "zeitgemäßer Programmauftrag"...

...stellten sich vor ein, zwei Monaten auch die Fernsehsender, als es um den neuen Sender ZDF-Neo ging.
Für die, die das nicht wissen: ZDF-Neo ist der Nachfolgesender des (zumindestens von mir geliebten) ZDF-Dokukanals.
Nunja. Lange Rede, kurzer Sinn: Die Öffentlich-Rechtlichen wollten ihr Programm ebenfalls zeitgemäßer ausrichten und schufen halt diesen besagten Sender. Es ist der Einzige aus dem öffentlich-rechtlichen Portfolio, der keinem Bildungsauftrag unterliegt, sondern mit seinen Formaten eher in den Gewässers der Privaten fischt. Was, wie man sich denken kann, natürlich zu einer heftigen Diskussion führte. Von daher sehe ich, im Gegensatz zu der Autorin, diesen "zeitgemäßen Programmauftrag" auch weniger positiv.

lubo
00
10.12.2009, 09:00

niveuavoll sind auf rtl die nachgestellten soaps..verdachtsfälle und familien im brennpunkt..so köstlich!..

Der Ätzer
00
10.12.2009, 08:16
Ich hätte nichts gegen eine Freiwilligengebühr - dann könnte jeder mit einem Decoder Parteifung schauen!

Der Zwang um für alle einen leistbaren Rundfunk zu ermöglichen ist lange überflüssig und hat sich zum Schaden der wirklich feien Information entwickelt.

Kein Sender könne es ich leisten, auf Gebühren zu verzichten ist ein Lüge - Werbung genügt - es muß ja nicht Regierungsfunk sein.

Fremdbestimmer abwählen - ein Gefühl der Freiheit wird alle durchstömen.



Österreicher_im_Kriesengebiet
00
9.12.2009, 23:15
...erst wenn man etwas nichtmehr hat...

Ich stimme zu, dass eine ständige Revision und strukturierung des Programmes, angepasst an die aktuelle Interessenslage der Bevölkerung und an internationale Entwicklungen notwendig ist.

Stimmt auch, dass der ORF nie unpolitisch sein wird. Aber das gilt bis zu gewissem Punkt auch für Printmedien wie den Standard. Darum: Immer den Verstand einschalten und versuchen projezierte Meinungsbilder erkennen und die sachlichen Informationen filtern.

Ich kann den ORF-'Hassern' nur eines sagen... ich lebte 4 Jahre in D-Land und seit fast 2 Jahren in Spanien... der ORF ist alles andre als schlecht. Im Gegenteil, wie gut er ist sieht man erst wenn man ihn nichtmehr hat und nur den andren Müll ansehen kann.

Sonnige Grüße in die Heimat

rompitasche
00
10.12.2009, 13:47

Kriese - ist das spanisch ?

Wolfgang Planer
00
10.12.2009, 09:32
Kein Medium wird in diesem Sinne unabhängig sein

allerdings müssen sich alle anderen Medien selsbt um ihre Finanzierung kümmern. Das unerträgliche ist, daß sich SPÖVP auf unsere Kosten einen regierungs-unkritischen Rundfunk finanzieren lassen.
Im übrigen: zumindest ARD und ZDF sind deutlich niveauvoller als der ORF und senden durchaus auch regierungskritische Berichte.

gefühlte Inflation
03
9.12.2009, 23:07
20.000 € Monatsgage als Licht ins Dunkel-Chefin?

Trifft es, wie vorhin behauptet, wirklich zu, dass eine Fr. Mayerhofer als Chefin von Licht ins Dunkel 20.000 € pro Monat bekommt?

Ich denke doch, dass die Leute für LiD ehrenamtlich tätig sind.

philippe glatz1
01
10.12.2009, 13:09
Ja.

Sie sprechen mir aus der Seele, so ich eine habe. Aber sollte ich eine haben kann sie niemals so schwarz sein wie die jener, die jetzt das Postenschacherkarussell am Küniglberg und Provinzen betreiben. Jeder hat sich seinen Sessel an den Hintern geklebt und rotiert eben auf einen anderen Posten. Und Frau S.M. ist zwar gelernte Schneiderin, konnte trotzdem für das Budget vom ORF verantwortlich zeichnen und wandert jetzt ins Charity Department. Da gibt es mehr Feiern und Online Galaauftritte für sie. Sie soll ja eine g`standene Partytigerin sein. Das muss frau auch können für 20.000 im Monat. Stellen Sie sich vor es gibt eine Licht ins Dunkel Gala und niemand trinkt was. Eine Blamage sonder Gleichen.

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