Schröder kritisiert Abstimmung: "Islam ist eine friedliche Religion"

9. Dezember 2009, 17:54
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Deutsche Ex-Kanzler: "Für Überheblichkeit gegenüber anderen gibt es für uns keinen Grund"

Ex-Kanzler Gerhard Schröder kritisiert in der Zeit das umstrittene Votum der Schweizer für ein Bauverbot von Minaretten. Wer zu solchen Maßnahmen greife, sagte Schröder, der wolle, "dass Menschen mit islamischem Glauben ihre Religion weiterhin in Hinterhäusern ausüben müssten". Der Ex-Kanzler weiter: "Dieses Verdrängen an den sprichwörtlichen Rand der Gesellschaft ist der Versuch einer Ausgrenzung."

Der SPD-Politiker warnte vor der negativen Sicht auf Muslime und den Islam, die auch in Deutschland verbreitet sei. "Der Islam ist keine politische Ideologie, sondern eine friedliche Religion. Das lehrt der Koran", schreibt Schröder in der Zeit. Gerade Deutsche solle sich "vor stereotypen und falschen Aussagen über die vermeintliche Gewalttätigkeit des Islams hüten", denn: "Es waren keine islamischen Staaten, die die beiden Weltkriege des vergangenen Jahrhunderts verbrochen haben. Für Überheblichkeit gegenüber anderen gibt es für uns keinen Grund."

Das Argument, dass in vielen islamischen Staaten Christen verfolgt würden und der Bau von Kirchen verboten sei, möchte Schröder nicht gelten lassen. "Defizite bei der Religionsfreiheit in einigen islamischen Staaten sind nicht zu bestreiten, aber sie können nicht als Begründung für eine Einschränkung der Rechte in unserem eigenen Land dienen. Wir verstehen uns als eine aufgeklärte Gesellschaft. Und Aufklärung heißt nicht, Unzulänglichkeiten anderer Gesellschaften bei uns zu wiederholen. Die Religionsfreiheit ist ein hohes Gut, das wir aus guten Gründen im Grundgesetz schützen." (red, derStandard.at, 9.12.2009)

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    "Aufklärung heißt nicht, Unzulänglichkeiten anderer Gesellschaften bei uns zu wiederholen."

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