Hypo braucht zwei Milliarden Euro

9. Dezember 2009, 17:39
362 Postings

Die Republik will nur einspringen, wenn die Aktionäre für die Risiken haften

 Finanzminister Josef Pröll hat am Mittwoch in Bezug auf die Schieflage der Hypo Alpe Adria beruhigt: "Wir werden sicher keinen Sparer im Regen stehen lassen", erklärte der VP-Vizekanzler. Allerdings sind Einlagen derzeit ohnehin gänzlich und ab 2010 bis zu 100.000 Euro vom Staat und den Banken abgesichert.

Bei der Kärntner Bank, bei der die Hauptversammlung am Freitag nach Lösungen sucht, werden die Probleme immer größer. Dem Vernehmen nach benötigt die Hypo Alpe Adria knapp zwei Milliarden Euro. Über die Aufbringung wird von den Eigentümern - Bayerische Landesbank, Land Kärnten, Grazer Wechselseitige - nach wie vor gerungen.

***

Wien - Das Spiel um die Zukunft der Kärntner Hypo Group Alpe Adria wird immer härter. Am Mittwoch hat in München die Kontrollkommission des bayerischen Landtags (die BayernLB hält 67Prozent an der Hypo) getagt. Neben dem Stand der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in der Causa (siehe Geschichte unten) wurde die Frage debattiert, wie sich der Freistaat in der Hypo-Aufsichtsratssitzung am Donnerstag und bei der Hauptversammlung am Freitag positionieren wird. Bayern weigert sich ja beharrlich, dem Institut eine weitere Geldspritze zu verpassen - das gleiche Verhalten legen die Minderheitsaktionäre Kärntner Landesholding und Grawe an den Tag.

Der Kapitalbedarf dürfte höher sein als bisher kolportiert und bei knapp zwei Milliarden Euro liegen: Zur Fortführung braucht die - massiv downgegradete - Bank einen Kapitalpolster, der nicht gleich wieder aufgebraucht ist. Damit liegt der Ball bei der Republik Österreich. "Sie muss notfalls einspringen, nicht zuletzt weil sie mit ihrem Triple-A-Rating nicht spielen darf", wie das ein Involvierter ausdrückt. Hintergrund: Das brustschwache Land Kärnten haftet mit fast 20 Mrd. Euro für die Bank.

Finanzminister Josef Pröll betonte am Mittwoch aber erneut, "ohne Vorleistung der Eigentümer kann es keine Unterstützung des Bundes geben". In den Verhandlungen dreht sich daher alles um eine gesichtswahrende Konstruktion, in der sich die Aktionäre nicht ganz aus der Verantwortung stehlen, der Bund aber trotzdem in die Bresche springt. Als denkbare Variante gilt, dass die Republik Garantien für faule Kredite respektive Leasing-Geschäfte übernimmt (ein Modell, das einst bei der Bawag angewendet wurde). Die Lasten von rund 1,7 Mrd. Euro, die die Kärntner Hypo in die Tiefe zu reißen drohen, bestehen zum großen Teil aus solchen Geschäften aus der Vergangenheit - mit der Finanzkrise haben sie wenig zu tun.

Sollte es zu einer Verstaatlichung kommen, will der Staat aber durchsetzen, dass die bisherigen Eigentümer die "bad assets" behalten oder dafür garantieren. Es gehe nicht an, dass alle Risiken bei den Steuerzahlern landen, wird argumentiert. Hinter vorgehaltener Hand wird die Lösung auch als Zwischenstopp gehandelt - der dann vorbei ist, wenn sich ein Käufer für die "good bank" findet.

Schrumpfkonzept

Der Weg dorthin würde über das Fortführungskonzept führen, das die Hypo unter ihrem Generaldirektor Franz Pinkl am Montag in Wien abgegeben hat. Dem Vernehmen nach soll sich die Bank dabei von milliardenschweren Assets trennen, auf dass die Eigenkapitalbasis entlastet werde - zuletzt war von rund sieben Mrd. Euro die Rede. Zudem wolle man sich von Märkten wie Rumänien oder Bulgarien trennen, um sich in Ländern wie Österreich, Kroatien, Slowenien oder Bosnien und Norditalien als regionale Retailbank (ohne grenzüberschreitendes Geschäft) zu etablieren. Für diese geschrumpfte Bank könnte sich beizeiten ein Käufer finden.

Von österreichischer Seite wird inzwischen auf Deeskalation gesetzt, jedenfalls was den Zeitdruck betrifft. Der kommende Freitag sei kein Ultimatum - spätestens für den Bilanzstichtag 31. Dezember 2009 muss die Lösung dann aber am Tisch sein. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.12.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Hypo Group Alpe Adria: die Bank, die keiner retten will. Weder die Bayern noch die Kärntner wollen Geld in die Hand nehmen.

Share if you care.