Metro will von Entwicklungs­hilfe profitieren

9. Dezember 2009, 17:29
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Handelskonzern gibt sich bei Expansion in Schwellenländer nachhaltigen Anstrich

Wien - Metro tastet sich Schritt für Schritt in Entwicklungsländer vor und greift dort verstärkt in die Produktion von Lebensmitteln ein. In Indien ließ der deutsche Handelsriese tausende Fischer und Schafzüchter schulen. Ähnliche Projekte laufen in Pakistan, China und Vietnam. Am Mittwoch hat Metro in Wien eine Kooperation mit der Organisation der Vereinten Nationen für Industrielle Entwicklung (Unido) vereinbart. Ziel ist, Bauern und kleinen Betrieben den Zugang zu internationalen Märkten zu ermöglichen. Metro verspricht, ihnen dabei zu helfen, die Standards für Lebensmittelsicherheit zu heben. Die ersten Projekte starten in Ägypten.

Es gehe hier nicht um Geld, sondern darum, Geschäftschancen für kleine Betriebe zu eröffnen, meint Unido-Generaldirektor Kandeh K. Yumkella. Das ganze sei keine Charity-Aktion, sondern auf Profite für beide Seiten ausgerichtet.

Metro will sich mit dem kontrollierten Einkauf bei Zulieferern, die Umwelt- und Sozialstandards einhalten, bereits seit längerem einen Anstrich der Nachhaltigkeit geben. Anleger schätzen keine Schlagzeilen über miese Arbeitsbedingungen in Asiens Billigfabriken. Auch wenn Lieferanten künftig stärker in Sachen Hygiene und Qualität geschult werden, ist der Antrieb dafür mehr ökonomisch denn sozial. Metro wolle diese Schwellenländer als erster erschließen und dort lokal beziehen wie verkaufen, sagt Konzernchef Eckhard Cordes. Metro setze mit Cash & Carry allein in China eine Mrd. Euro um. Es sei ein Vielfaches davon möglich, vorausgesetzt die Lieferanten entwickelten sich entsprechend mit. In Indien etwa wurde der Anteil an im Zuge des Transports verdorbenen Lebensmitteln von der Hälfte auf so gut wie Null reduziert, sagt Cordes.

Darauf angesprochen, wie schonender Rohstoffeinsatz und fair behandelte Mitarbeiter in Schwellenländern mit dem steigenden Preisdruck zu vereinen sind, führt der Metro-Boss die "Schizophrenie des Konsumenten" ins Treffen: Der selbe, der sich für den grünen Planeten stark mache, kaufe im nächsten Augenblick die billigste Suppe. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Printausgabe, 10.12.2009)

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