Der Babyspeck ist längst weg

9. Dezember 2009, 17:03
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Wer für Taufkind oder Enkerl vorsorgen will und das Risiko von Wertpapieren scheut, hat derzeit nichts zu lachen. Carepakete zahlen sich fast nicht aus, denn die Zinsen sind im Keller und Kapitalgarantien teuer.

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"Am besten ist, Sie nehmen eine Pensionsvorsorge." Wer Österreichs Banken auf der Suche nach Veranlagungsmöglichkeiten für Babys abklappert, hört diesen Satz häufig. Kaum sind die Kleinen auf der Welt, schon wollen uns die Geldberater Zusatzpensionen aufschwatzen. Dabei gehen die Kids nicht einmal in die Schule, geschweige denn zeichnen sich Ausbildung, Berufsbild oder Job ab.

Da die Zinsen im Keller sind, durchleben spendable Tanten, Onkel und Taufpaten doppelt schwere Zeiten, wenn sie für künftige Pensionszahler Startkapital auf die hohe Kante legen wollen. Die lukrativste Form, der Bausparer, wird bereits von den Eltern eingezahlt, fällt also weg.

Babysparbücher mit mehrjähriger Bindung wie in den 1980er-Jahren üblich, sind out, sofern man nicht höhere Geldbeträge herumliegen hat. Sie werden auch nur auf Nachfrage angeboten und sind sozusagen eine Notlösung, weil ungefähr so attraktiv wie das gemeine Sparbuch mit seinem knapp über der Inflationsrate grundelnden Zinssatz.

Wir suchen einträglichere Anlageformen, schließlich soll sich der beschenkte Zwerg mit 18 ein bisschen mehr als den Führerschein leisten können. Wer das Risiko scheut, weil er sicher sein will, dass in 20 Jahren nicht alles verzockt ist, geht bei der Rendite so gut wie leer aus, denn Kapitalgarantie kostet. Die Bank Austria zum Beispiel lockt Sicherheitssparer mit "Junior Care" , einer auf den Einzahler abgeschlossenen Lebensversicherung, die nach 18 Jahren als Einmalbetrag auszahlbar ist oder über mehrere Jahre als "Ausbildungsrente" . Falls sich der Nachwuchs während der Laufzeit als undankbar erweist, kann ein anderer zum Begünstigten werden.

Fett wird man freilich auch von diesem Carepaket nicht: Wer 18 Jahre lang monatlich 30 Euro einzahlt, bekommt 6359 Euro garantiert. Vage bleibt die Gewinnbeteiligung, "weil die zukünftig erzielbaren Überschüsse nicht vorausgesehen werden können" , wie es im Rechenbeispiel unverbindlich heißt. Bei einer angenommenen Gesamtverzinsung von drei Prozent kommen samt Gewinnanteil heiße 6840 Euro Erlebenssumme heraus.

Wer sich bei der Prämie bis längstens fünf Jahre vor Ablauf der Einzahlungsdauer auf eine Wertanpassung gemäß Verbraucherpreisindex einlässt, hat - zumindest theoretisch - die Chance auf 9262 Euro.

Warum die Performance von JuniorCare trotzdem überschaubar ist? Weil es sich um eine Art Vollkaskoversicherung für ein Kleinkind handelt, das sich im wirklichen Leben nicht lebensversichern lässt. Fällt der Einzahler vorzeitig aus, zahlt die BA-Versicherung am Ende im Jahr 2027 die garantierten 6359 Euro aus.

Garantiert ist die Ablebensleistung auch bei der klassischen Erlebensversicherung der S-Versicherung, die ebenfalls dem Ansparen von Startkapital für Studium, Hausstandsgründung und dergleichen dient - allerdings erst nach zehn Jahren. Fällt der Einzahler vorher aus, gibt es nur die halbe Ablebensleistung. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.12.2009)

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