Zwischen Wachstum und Überhitzung

9. Dezember 2009, 17:03
posten

Die Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China werden von Analysten derzeit favorisiert. Noch sei viel Potenzial vorhanden - aber auch das Risiko einer Überhitzung

Geht es um neue Chancen für eine hohe Rendite, so werden derzeit wieder oft die Emerging Markets genannt. Unter den Schwellenländern sind es die klassischen "big four" - Brasilien, Russland, Indien und China (auch als BRIC bekannt) - die von Analysten positiv gesehen werden.

Diese Regionen seien besser durch die Krise gekommen als andere Länder und würden bereits 2010 wieder an ihr langfristiges Durchschnittswachstum - das je nach Land zwischen vier und neun Prozent liegt - anschließen. Und: Obwohl man in den vergangenen Monaten mit BRIC-Investments bereits gut verdienen konnte, "sind wir von einer Überhitzung noch weit weg", sagt Veronika Lammer, Emerging-Markets-Expertin der Raiffeisen Zentralbank. In Euro gerechnet, konnte man laut Lammer in China heuer schon mehr als 50 Prozent verdienen, in Brasilien waren es sogar mehr als 80 Prozent.

Was den Emerging Markets zugutekommt, ist, "dass sie heute weit weniger verschuldet sind als früher". Das begünstige Investitionen in diese Regionen. Was Anleger aber nicht vergessen dürfen: "Aktien und Anleihen dieser Regionen weisen oft eine höhere Volatilität auf", sagt Lammer. Eine gute Streuung und Risikobegrenzung seien daher wichtig.

Als Anlage-Vehikel empfiehlt Lammer breitgestreute Fonds und rät von Einzeltiteln ab. Auch BRIC-Anleihen empfiehlt die Expertin und zwar jene, die in Euro notieren - damit sei auch das Währungsrisiko ausgeschalten. Denn die Währungen in den Emerging Markets werden volatil bleiben.

Neue Vorschriften

Weil die Schwellenländer bei Investoren immer beliebter werden, werden die Finanzmärkte mit Kapital mitunter geflutet. Daher gibt es bereits Versuche, diesen Kapitalfluss zu regulieren - um den Druck von der jeweiligen Währung zu nehmen. Vorreiter dabei ist Brasilien. Das Land besteuert mittlerweile ausländische Finanzinvestitionen (Aktien oder Anleiheninvestments) pauschal mit zwei Prozent. Ausländische Direktinvestments in Produktion oder der Kauf von Unternehmen soll dagegen steuerfrei bleiben.

Investoren haben sich von dieser Maßnahme bisher eher unbeeindruckt gezeigt, weil die zu erwartenden Renditen weit höher sind als die Steuer. Zudem haben sie sich eines Schlupfloches bedient. Statt Papiere in Brasilien zu kaufen, wurden in den USA sogenannte American Depositary Receipts (ADR) gekauft. Das sind brasilianische Bezugsrechte, die aber in den USA - und damit steuerfrei - gehandelt wurden. Aber auch diese Ausweichroute wurde jetzt geschlossen. Auf die ADR gilt mittlerweile nämlich auch eine Steuer von 1,5 Prozent. Dass der Geldfluss damit verringert wird, daran glauben Experten allerdings nicht.

Investoren wiederum fürchten, dass sich die Regierungen in den Schwellenländern weitere Stolpersteine ausdenken.

Dubai belastet nicht

Dass die Turbulenzen des Emirats Dubai nun auf die Emerging Markets durchschlagen, erwarten Experten nicht. Dubai habe mit den meisten Schwellenländern nur wenig gemeinsam. Der Grund: Ein natürliches Entwicklungspotenzial, wie es große Volkswirtschaften wie China, Indien oder Brasilien haben, gibt es in Dubai nicht.

Dass die Anleger nun, ausgehend von den Zahlungsschwierigkeiten der Staatsholding Dubai World, ihre Investments umschichten und Schwellenländer-Anleihen meiden werden, erwartet Alessandro Bee, Ökonom des Bankhauses Sarasin, nicht. "Das Problem ist lokal in Dubai angesiedelt und dürfte andere Staaten aus den Emerging Markets kaum betreffen", sagt Bee. Zudem gehen Analysten davon aus, dass die umliegenden Emirate Dubai zu Hilfe eilen werden. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, Printausgabe, 10.12.2009)

  • Die Party in Brasilien könnte für Anleger noch Folgen haben. Das Land
will den massiven Kapitalzufluss nun mit Steuern regulieren.
    foto: epa

    Die Party in Brasilien könnte für Anleger noch Folgen haben. Das Land will den massiven Kapitalzufluss nun mit Steuern regulieren.

Share if you care.