Karadzic stellt neuen Antrag beim UNO-Sicherheitsrat

9. Dezember 2009, 14:13
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Versuch, dem Verfahren vor dem UNO-Tribunal auszuweichen

Den Haag/Belgrad - Der ehemalige Präsident der bosnischen Republika Srpska, Radovan Karadzic, der derzeit bekannteste Angeklagte des Haager UNO-Tribunals für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien (ICTY), hat nun einen weiteren Versuch unternommen, dem Gerichtsverfahren auszuweichen. Schon zum zweiten Mal seit Oktober wandte sich Karadzic laut der serbischen staatlichen Presseagentur Tanjug an den UNO-Sicherheitsrat mit dem Antrag, seine angebliche Einigung mit dem ehemaligen US-Balkanbeauftragten Richard Holbrooke vom Juli 1996 anzuerkennen.

Karadzic behauptet, dass ihm Holbrooke damals Straffreiheit versprochen habe, sollte er seine öffentlichen Ämter aufgeben. Nach Angaben des Ex-Präsidenten der Republika Srpska habe Holbrooke, der bisher wiederholt die Behauptungen Karadzics zurückgewiesen hatte, "im Namen der Vereinten Nationen" gehandelt. "Seit mehr als 13 Jahren halte ich mich an die Absprache mit Richard Holbrooke, indem ich mich von allen Ämtern und aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen habe. Es ist an der Zeit, dass der Sicherheitsrat seinen Teil der Absprache beachtet", steht es demnach im Schreiben Karadzics.

Prozess-Fortsetzung am 1. März 2010

Der im Juli 2008 in Belgrad festgenommene Karadzic hat sich vor dem UNO-Tribunal in elf Anklagepunkten wegen Völkermordes, Anstiftung zum Völkermord und anderer Kriegsverbrechen zu verteidigen. Der Ende Oktober begonnene Prozess soll am 1. März 2010 fortgesetzt werden. Karadzic will sich vor dem UNO-Tribunal selbst verteidigen, er stützt sich dabei auf ein mehrköpfiges internationales Team von Anwälten. Das UNO-Tribunal hatte im November auch einen Pflichtverteidiger für den Angeklagten bestellt, sollte sich Karadzic im März weigern, vor Gericht zu erscheinen. Dem Prozessbeginn blieb Karadzic nämlich fern, weil er angeblich nicht genügend Zeit für die Vorbereitung der Verteidigung gehabt hatte. (APA)

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