Italien überlegt Rechtsstatus für Embryos

9. Dezember 2009, 12:42
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"Schon vor Einnistung Wesen mit eigenem Leben": Gesetzentwurf der Koalition sorgt in Rom für Diskussionen

Rom - Der Embryo muss von der Empfängnis an als menschliches Leben anerkannt werden und dementsprechend geschützt werden: Das verlangen einige Senatoren der italienischen Mitte-Rechts-Koalition von Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Sie haben dem Parlament einen Gesetzesentwurf zur Unverletzlichkeit der Rechte eines Embryos vorgelegt.

Laut dem Entwurf der VizepräsidentInnen des Senats Gaetano Quagliarella und Laura Bianconi gebe es keinen Unterschied zwischen der befruchteten Eizelle im Uterus und dem bereits geborenen Kind. Daher müsse man dem Embryo einen rechtlichen Status zusichern, heißt es im Entwurf. Mit dem Gesetz soll eine Änderung des Artikels 1 des italienischen Zivilkodex erreicht werden, der die Rechte der Person regelt.

"Bestimmt dazu, Mensch zu werden"

Bereits die befruchtete Eizelle müsse schon als menschliche Person gesehen und respektiert werden. Laut den SenatorInnen der Regierungskoalition sei der Embryo auch vor der Nidation (Einnistung) ein Wesen mit eigenem Leben, das von dem der Mutter unterschieden werden müsse, "ein menschliches Wesen vom biologischen Standpunkt aus", ein Individuum und ein Wesen, das dazu bestimmt sei, eine menschliche Person zu werden. Neueste embryologische und genetische Forschungsergebnisse würden deutlich machen, dass der Embryo eine "besondere Identität als menschliche Person" habe. "Wir wollen für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Rechten der Frau und jenen des Embryos sorgen", sagte Quagliarella.

"Bewegung für das Leben" entwirft mit

An der Verfassung des Entwurfes arbeitete auch der Präsident der "Bewegung fürs Leben", Carlo Casini, mit. Der Abtreibungsgegner setzt sich seit jeher für eine Revision des Abtreibungsgesetzes ein.

Contra

Quagliarellas Gesetzentwurf wurde von der Opposition bereits scharf kritisiert. Man könne einem Embryo nicht die selben Rechte wie einer Person zusprechen, meinte die Ex-Gesundheitsministerin Livia Turco. Sie warnte vor einem Angriff der Regierungskoalition auf das Abtreibungsgesetz. (APA)

 

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