Arbeitssuchende Frauen benachteiligt

10. Dezember 2009, 12:31
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Tradierte Arbeitsmarktstrukturen und Rollenmuster: Mehr Fördermaßnahmen und weniger Minijobs für männliche Erwerbslose

Duisburg/Essen - Von Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt kann noch längst keine Rede sein: Selbst arbeitslose Frauen werden benachteiligt, wie das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen im Auftrag des deutschen Bundesarbeitsministeriums in einer Studie aufzeigt. Obwohl die Gleichstellung der Geschlechter bei der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zur "Grundsicherung für Arbeitsuchende" gesetzlich verankert wurde, würden Männer in der Praxis sowohl stärker gefördert wie auch gefordert als Frauen.

"Eigentlich gilt das Prinzip, allen arbeitslosen Leistungsbeziehern gleichermaßen zu ermöglichen, den Zustand ihres Leistungsbezuges möglichst rasch zu überwinden. Frauen haben jedoch häufig einen höheren bzw. spezifischeren Unterstützungsbedarf", erklärt Werner Eichhorst, stellvertretender Direktor für Arbeitsmarktpolitik am Institut zur Zukunft der Arbeit. Dies sei etwa bei Müttern im Bereich der Kinderbetreuung der Fall.

50 Prozent Minijobs

Besonders Frauen aus Westdeutschland und arbeitslosen Müttern werden im Vergleich zu Männern weniger Fördermaßnahmen zuteil. Ein Ausscheiden aus dem Bezug der Grundsicherung ist dem IAQ zufolge häufig nicht mit der Aufnahme einer existenzsichernden Beschäftigung begründet. Vielmehr finde der Partner einen Job und sichere das Einkommen der Familie.

Jede zweite Beschäftigung, die von weiblichen Hilfebedürftigen aufgenommen wird, sei hingegen nur ein Minijob. Männer wechseln vergleichsweise häufig in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse. "Frauen kommen dagegen etwa aufgrund ihrer Berufslaufbahn oder Ausbildung oft Tätigkeiten zu, die weniger Geld einbringen", sagt Eichhorst.

Frauenarbeit Kinderbetreuung

Die Gründe für die Benachteiligung von Frauen liegen den Experten zufolge in den Arbeitsmarktstrukturen und "tradierten Rollenmustern". Darüber hinaus seien dafür knappe personelle Ressourcen in den Jobcentern und ARGEn sowie widersprüchliche Zielvorgaben und ein Mangel an Sensibilität im Umgang mit geschlechtsspezifischen Problemlagen verantwortlich. So würden etwa Kinderbetreuungsaufgaben eher den Frauen zugeschrieben.

Zeitliche Einschränkungen auf Kosten der Erwerbstätigkeit würden seitens der Jobcenter für die Betreuung in Kauf genommen, statt - wie teilweise gewünscht - gezielt bei der Suche nach Betreuungsmöglichkeiten zu helfen. Minijobs würden daher häufig "als eine der Lebenssituation angemessene Form der Erwerbstätigkeit von Müttern angesehen", so das IAQ. Um Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt zu fördern sind "Minijobs jedoch ganz klar unangemessen", wie Eichhorst gegenüber pressetext betont. Sie würden lediglich als Zubrot dienen. "Arbeitsmarktpolitisch sind sie nicht besonders effizient", unterstreicht der Experte.

Höhere Bedürfnisse

In einer Kombination aus Minijobs und Hilfebezügen liegt das verfügbare Einkommen von Frauen nach Angaben des IAQ zwar häufig über jenem von Männern. Auf wichtige Güter des Lebens müssten sie aus finanziellen Gründen dennoch öfter verzichten, da mehr als die Hälfte der weiblichen Hilfebedürftigen in Haushalten mit Kindern lebe. Dies sei hingegen nur bei einem Drittel der Männer der Fall. Kürzungen von Zuwendungen - etwa des Elterngeldes - bekommen Frauen daher stärker zu spüren. (pte)

 

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