Babyboomer 2.0

9. Dezember 2009, 11:48
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Studie zeigt, dass Geburtenraten in Industriestaaten heute wieder ansteigen: Frauen gebären nicht weniger, nur später

Rostock - Erstmals seit dem Babyboom der 60er Jahre steigen die Geburtenraten in den Industriestaaten wieder. Eine am Dienstag veröffentlichte Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock in Deutschland zeigt, dass die Raten heute in vielen Ländern höher liegen als noch vor fünf Jahren. Die Angst vor einer Bevölkerungsimplosion, die wegen der extrem niedrigen Geburtenraten in den 90er Jahren aufkam, sei unbegründet, erklärte der Direktor des Instituts, Joshua Goldstein.

Die Raten nähmen in den entwickelten Ländern gleichzeitig zu. Noch im Jahr 2002 lagen die Geburtenraten den Angaben zufolge in 16 europäischen Ländern unter 1,3 Kindern pro Frau. Diese Zeiten seien nun vorbei, heißt es in der Analyse. Demnach stiegen die Raten in 15 der 16 untersuchten Länder wieder.

Kinderkriegen nur verschoben

Spanien verzeichnete beispielsweise 1996 eine Geburtenrate von 1,19; im Jahr 2007 lag sie bereits bei 1,39. Noch stärker ausgeprägt war demnach der Trend in Ostdeutschland. Dort lag die Geburtenrate im Jahr 1994 bei 0,77 Kindern pro Frau; im Jahr 2008 waren es dann mit 1,40 Kindern pro Frau fast doppelt so viele. Dennoch lägen die Ziffern noch immer unter 2,1 Kindern pro Frau, die nötig wären, um die Größe einer Bevölkerung aufrecht zu erhalten.

Goldstein sieht mehrere Ursachen für den positiven Trend. Zum einen versuchten inzwischen alle Länder, Familien stärker zu fördern und dadurch die Zahl der Geburten zu steigern. Vor allem aber habe es sich bei den niedrigen Geburtenraten um einen rechnerischen Effekt gehandelt. Denn der Wert sinke bereits, wenn ein Teil der Frauen das Kinderkriegen nur verschiebe, wie es seit den 90er Jahren in allen europäischen Staaten geschehen sei.

Wirtschaftliche Gründe

Dann aber habe die Verschiebung der Geburten ins spätere Lebensalter nachgelassen, weshalb die Raten stiegen. Die Annahme, dass Frauen im Schnitt nur 1,3 Kinder oder weniger bekommen, sei also falsch: Letztlich würden Frauen auch in den europäischen Ländern mit niedriger Fertilität im Schnitt 1,5 bis 1,8 Kinder bekommen, erwartet der Forscher.

Als Erklärung, warum Eltern ihren aufgeschobenen Kinderwunsch doch umsetzen, führen die ForscherInnen unter anderem wirtschaftliche Gründe an. Hauptsächlich ließen sie sich von der Jobsituation beeinflussen; die Daten stammen aus der Zeit vor der Wirtschafts- und Finanzkrise. Ob auch Familienpolitik höhere Geburtenraten bewirke, lasse sich mit den erhobenen Zahlen nicht eindeutig belegen und müsse weiter untersucht werden. (APA/AP)

Link

Max Planck Institut für demografische Forschung: Niedrige Geburtenraten steigen wieder

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