Scharia-Todesurteil gegen Ehebrecherin in Spanien: "Richter" verhaftet

9. Dezember 2009, 11:02
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Neun Personen wegen Freiheitsberaubung, Mordversuch und Bildung einer illegalen Vereinigung festgenommen

Tarragona/Wien - In der nordostspanischen Region Katalonien hat die Polizei eine aus fundamentalistischen MuslimInnen bestehende Bande zerschlagen, die eine angebliche Ehebrecherin nach den Gesetzen der Scharia zum Tode verurteilt hatte. Wie die spanische Zeitung "El Pais" am Dienstag in ihrer Internetausgabe berichtete, wurden neun Personen festgenommen. Die Frau konnte eigenen Angaben zufolge kurz vor der Hinrichtung entkommen.

Ein Untersuchungsrichter in Tarragona hielt die Aussagen der Frau für glaubwürdig und ordnete die Festnahme von neun aus Nordwestafrika stammenden Personen an, die der ultrakonservativen islamischen Strömung des Salafismus anhängen. Ihnen wurde Freiheitsberaubung, Mordversuch und die Bildung einer illegalen Vereinigung vorgeworfen.

Frau in unbewachtem Moment geflohen

Die Verdächtigen, die offenbar über große Autorität innerhalb ihrer Gemeinschaft verfügen, hatten ein "islamisches Gericht" gebildet. Dieses befand, dass die ebenfalls aus Nordafrika stammende Frau ihrem Gatten untreu gewesen sei und daher hingerichtet werden müsse. Auch die Familie der Frau billigte den Scharia-Prozess. Die Verurteilte wurde an einen abgelegenen Ort verschleppt. Sie konnte nach eigener Darstellung jedoch in einem unbewachten Moment fliehen und die Polizei um Hilfe bitten.

Laut "El Pais" ist der Salafismus in der katalonischen Provinz Tarragona merklich präsent. Allerdings sei bisher kein Fall von Scharia-Gerichtbarkeit bekanntgeworden, bei dem - wie in Saudi-Arabien oder Nigeria - EhebrecherInnen zum Tod durch Steinigung verurteilt wurden. Die Salafisten berufen sich auf die "Al-Salaf al-Salih" ("Verehrenswürdige Vorfahren"), die frühen Anhänger des Propheten Mohammed, die genau im Einklang mit dem "wahren Islam" gelebt haben sollen. (APA)

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