Journalist berichtet in Lager-Briefen von Folter

9. Dezember 2009, 10:59
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Menschenrechtsgruppe China Human Rights Defenders veröffentlicht seltenen Einblick in harte Haftbedingungen von Gefangenenlagern

Peking - Der inhaftierte chinesische Journalist Qi Chonghuai hat Folter, Zwangsarbeit und schwere Misshandlungen im Gefängnis angeprangert. In Briefen aus der Haft, die die in Hongkong ansässige Menschenrechtsgruppe China Human Rights Defenders (CHRD) am Mittwoch veröffentlichte, gibt der Reporter einen seltenen Einblick in harte Haftbedingungen in China.

Schon bei seinen Verhören im August 2007 sei er geschlagen worden. Auch in der folgenden mehr als einjährigen Haftzeit im Gefangenenlager Tengzhou Jinzhuang in der Provinz Shandong habe er "fast jeden Tag" Prügel bekommen, schilderte Qi Chonghuai. Nach seiner Verlegung in die Haftanstalt Tengzhou im August 2008 sei er gezwungen worden, in einer Kohlegrube zu arbeiten.

In 130 Meter tiefem Schacht verpürügelt

Im April 2009 habe ein Aufseher seine schriftlichen Aufzeichnungen über die Haftbedingungen gefunden und einen Mithäftling beauftragt, "ihn zu beseitigen". "Ich wurde unten in einer 130 Meter tiefen Grube rücksichtslos verprügelt", schrieb der Journalist. Sein Gesicht sei gequetscht und ganz blutig gewesen. "Ich verlor das Bewusstsein. Ich weiß nicht, wie lange ich da unten war. Zwei Mithäftlinge fanden mich und holten mich aus dem Schacht", schilderte Qi Chonghuai. "Wenn sie nicht gewesen wären, wäre ich immer noch da unten." Erst sechs Tage später habe er das Bewusstsein wiedererlangt.

Die Häftlinge hätten in dem Bergwerk zehn Stunden am Tag mit unzureichender Nahrung, wenig Wasser und kaum Pausen arbeiten müssen. Sie hätten kaum oder keine Schutzkleidung gehabt. Wer krank geworden sei oder sich verletzt habe, sei nicht medizinisch behandelt worden. Eine Reihe von Mithäftlingen sei wegen der harten Bedingungen gestorben, schilderte Qi Chonghuai nach CHRD-Angaben.

Der frühere Bürochef der Zeitung "Fazhi Zaobao" hatte sich mit Berichten über Korruption und soziale Ungerechtigkeiten einen Namen gemacht. Im Juni 2007 wurde er nach einer Reportage über Korruption bei einem Bauprojekt in Tengzhou festgenommen. Unter einer "erfundenen Erpressungsanklage", so CHRD, wurde er im Mai 2008 zu vier Jahren Haft verurteilt. 

Dissident Liu Xiaobo soll in China vor Gericht kommen

Ein Jahr nach seiner Festnahme will die chinesische Polizei den inhaftierten Bürgerrechtler Liu Xiaobo vor Gericht bringen. Die Behörde habe den Fall an die Staatsanwaltschaft übergeben und fordere die Erhebung einer Anklage wegen "Aufwiegelung zum Sturz" der Regierung, sagte Lius Anwalt, Shang Baojun, am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Mit diesem Vorwurf versuchen die chinesischen Behörden nach Ansicht von Menschenrechtsorganisationen immer wieder, kritische Stimmen mundtot zu machen.

Der 53-jährige Schriftsteller und Bürgerrechtler Liu war im Dezember 2008 festgenommen worden, nachdem er mit rund 300 weiteren Dissidenten im Internet in der sogenannten "Charta 2008" zu mehr Meinungsfreiheit und zu politischen Reformen in China aufgerufen hatte. "Die öffentlichen Sicherheitsbehörden finden, dass die Staatsanwaltschaft ihn anklagen sollte und haben das auch empfohlen", sagte sein Verteidiger Shang. Er rechnet damit, dass die Justiz innerhalb eines Monats über eine mögliche Anklage entscheiden wird.

Liu sitzt nicht das erste Mal in Haft. Nach der blutigen Niederschlagung der chinesischen Demokratiebewegung vor 20 Jahren kam er für zwei Jahre ins Gefängnis, Mitte der 90er Jahre musste er für drei weitere Jahre in ein Arbeitslager. Für die Freilassung des bekannten Dissidenten setzen sich mehrere Menschenrechtsorganisationen ein. (red/APA)

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