Strombörse EXAA wächst kräftig

9. Dezember 2009, 10:33
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Das Handelsvolumen steigt heuer auf 4,5 Terrawattstunden, das Geschäft mit Zentral- und Südosteuropa soll ausgebaut werden

Wien - Die österreichische Strombörse EXAA (Energy Exchange Austria) ist auf Wachstumskurs. Das Handelsvolumen wird sich heuer von 2,5 auf 4,5 Terawattstunden (TWh) erhöhen. Das entspricht rund 7,5 Prozent des österreichischen Stromverbrauchs. Mittelfristig sollen es 10 Prozent werden, sagte EXAA-Vorstand Jürgen Wahl. Dazu beitragen soll auch die Expansion nach Zentral- und Südosteuropa, wo man vorerst mit Beratung und Kooperationen punkten will. Bei den Strompreisen erwartet Wahl im kommenden Jahr zunehmende Schwankungen, die an den Spotmärkten für Unsicherheiten sorgen werden.

Negative Strompreise habe es heuer in Deutschland bereits an 20 Tagen in einzelnen Stunden an der Leipziger Strombörse EEX gegeben. An der EXAA, die eine reine Warenbörse ist und an der keine Termingeschäfte mit Strom abgewickelt werden, sei dies noch nicht der Fall gewesen. Man werde negative Preise - wenn die Erzeuger den Käufern für die Stromabnahme etwas zahlen - aber wohl prüfen müssen. Ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil der EXAA seien die relativ stabilen Preise.

An der EEX sei am Samstag, 3. Oktober 2009, erstmals sogar der Preis für Bandstrom (Base) mit rund -11,6 Euro/MWh in den Stunden zwei bis sechs negativ gewesen, in Stunde drei waren es sogar -500 Euro/MWh. Viele Händler hätten versucht, an der EXAA zu verkaufen, was zum bisherigen Rekordtief von 0,01 Euro pro Megawattstunde (MWh) geführt habe. Zusätzlich gab es noch einen Verkaufsüberhang von rund 43.300 MWh.

Überangebot durch viel Wind

Hauptgrund für die negativen Strompreise in Deutschland sei die Windenergie. Derzeit seien rund 24.000 Megawatt Leistung installiert (Österreich: rund 1.000 MW), das entspreche rund 30 großen Gaskraftwerken. Wenn bei starkem Wind viel Strom ins Netz eingespeist wird, kommt es zu einem Überangebot an Strom, weil Atom- und Kohlekraftwerke nur sehr langsam gedrosselt werden können. Von solchen Überkapazitäten in Deutschland profitieren Betreiber von Pumpspeicherkraftwerken, denn diese erhalten bei negativen Preisen Geld für die Abnahme von Strom und können die dadurch höhere eigene Erzeugung später attraktiver weiterverkaufen.

Die Situation in Deutschland werde sich weiter verschärfen, erwartet Wahl. Im kommenden Jahr müssten dort die großen Netzanbieter den gesamten Ökostrom am Spotmarkt verkaufen. Das werde zu volatileren Preisen und damit auch zu einer zunehmenden Planungsunsicherheit führen.

Der durchschnittliche Marktpreis an der EXAA betrug heuer bisher rund 39 Euro für Bandstrom und rund 48 Euro für Spitzenstrom (8 bis 20 Uhr). Zu Jahresbeginn gab es durchaus noch Ausschläge nach oben bis über 90 Euro für Spitzenstrom, im Jahresverlauf gingen dann die Preise nach unten. Bis dato haben sich die Preise aber trotz einer gewissen Erholung seit August seitwärts bewegt. Insgesamt sei die Preisvolatilität krisenbedingt zwischen Februar und Anfang September signifikant zurückgegangen.

Ausbau der Brückenfunktion

Mit dem geplanten Ausbau der Brückenfunktion der EXAA Richtung Südosten könne Liquidität aus Deutschland und Österreich den Ländern in Zentral- und Südosteuropa zu Verfügung gestellt werden. Vorbereitet werden soll dies zunächst über Beratungsleistungen. "Einfach in ein Land gehen und sagen, wir gründen eine Strombörse, funktioniert nicht", ist Wahl überzeugt. Kooperationen und auch Beteiligungen, "wenn sie uns angeboten werden", seien aber durchaus möglich. Bei den derzeit 15 Strombörsen in den 27 EU-Staaten erwartet Wahl eine Konsolidierung. Dabei werde es in einem ersten Schritt zu Kooperationen und einem Netzwerk kommen, das Überlappungen ermöglicht. Dies sei auch für die Versorgungssicherheit in Europa wichtig, denn in stärker zusammengewachsenen Strommärkten könne man einander besser bei Störungen wie etwa Kraftwerksausfällen helfen. Wie viele Börsen am Ende des Tages tatsächlich übrigbleiben, werde man sehen.

Die 2002 gegründete EXAA, an der auch (heuer krisenbedingt weniger) CO2-Zertifikate gehandelt werden, wird dieses Jahr nicht nur das Handelsvolumen deutlich erhöhen, sondern auch den Gewinn. Seit 2006 werden schwarze Zahlen geschrieben. Für heuer erwartet Wahl einen Jahresüberschuss von 300.000 bis 400.000 Euro, nach 131.000 Euro 2008. Die Zahl der Mitglieder hat sich 2009 ebenso wie im Vorjahr um zehn erhöht. Derzeit zählt die EXAA 59 Teilnehmer aus 14 Ländern.

Größte Aktionäre der EXAA, die 2006 ihren Sitz von Graz nach Wien verlegt hat, sind die APCS Power Clearing and Settlement AG mit rund 34,6 Prozent, die Wiener Börse (25,1 Prozent), die Oesterreichische Kontrollbank (OeKB) und smart technologies (knapp über 8 Prozent). Zusammen rund 24 Prozent halten Energieversorger. (APA)

 

 

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