Holbrooke: "Im neunten Jahr des Krieges fangen wir von vorne an"

9. Dezember 2009, 08:02
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US-Gesandter räumt Fehler bei bisheriger Strategie ein und wirbt für mehr deutsche Soldaten in Afghanistan

München/Berlin - Der US-Sondergesandte für Afghanistan und Pakistan, Richard Holbrooke, hat sich dafür ausgesprochen, dass auch Deutschland mehr Soldaten nach Afghanistan entsendet. In einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" antworte Holbrooke auf die Frage, ob die Bundesregierung lieber zusätzliche zivile Helfer oder mehr Soldaten schicken solle: "Schön wäre beides."

Der US-Beauftragte sagte, es sei "kein Problem", wenn Deutschland für eine derartige Entscheidung noch sechs Wochen brauche. Auch der Entscheidung der US-Regierung, 30.000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan zu Schicken, sei eine mehrmonatige Prüfung vorausgegangen.

"Das Ganze war unkoordiniert"

Holbrooke übte Kritik an der bisherigen internationalen Afghanistan-Strategie. Ursprünglich sei geplant gewesen, dass sich die Deutschen um die Ausbildung der afghanischen Polizei, die Briten um den Kampf gegen den Drogenhandel und die Italiener um den Aufbau des Rechtssystems in Afghanistan kümmerten. "Das Ganze war unkoordiniert und hat uns nicht sonderlich weit gebracht", sagte der US-Gesandte der "SZ". "Im Ergebnis fangen wir im neunten Jahr des Krieges wieder von vorne an."

Im Gespräch mit der "Berliner Zeitung" sagte Holbrooke, Deutschland müsse selbst entscheiden, wie viele zusätzlichen Soldaten es nach Afghanistan schicke. Zugleich lobte er den Einsatz der Bundeswehr im Norden des Landes. Die Lage dort werde "immer gefährlicher", so dass die deutschen Soldaten dort "unabkömmlich" seien.

Luftangriff auf Tanklastzug hat "sehr geschadet"

Der von der Bundeswehr angeforderte Luftangriff auf zwei Tanklastzüge nahe Kundus Anfang September habe allerdings "sehr geschadet", sagte Holbrooke. Die Deutschen müssten nun "den Afghanen und auch der gesamten muslimischen Welt deutlich machen, dass Kundus ebenso wenig eine Metapher für das deutsche Handeln in der Welt ist, wie das (das US-Gefangenenlager im Irak) Abu Ghoreib für das weltweite Handeln der USA war". (APA)

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    Richard Holbrooke meint, die ursprüngliche Afghanistan-Strategie habe "uns nicht sonderlich weit gebracht".

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