Infiziert mit Sternenfieber

8. Dezember 2009, 20:05
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Laura Rauscher analysiert Galaxiengruppen außerhalb unserer Milchstraße

Laura Ecaterina Rauscher wird immer wieder nach dem Horoskop gefragt. Schließlich bemüht sich die Postdoktorandin am Institut für Astronomie der Uni Wien im Rahmen des Internationalen Jahres der Astronomie 2009 intensiv um Aufklärung in der Welt der Sterne.

Sie betreute die Lange Nacht der Forschung und die KinderUni, wo der Wissensstand unerwartete Höhen erreichte: "Umgehauen hat mich ein Achtjähriger, der mir die Funktion schwarzer Löcher erklärte. Nicht mit Händen und Füßen, sondern mit physikalischen Fachbegriffen", erzählt Rauscher, selbst Mutter eines halb so alten Sohnes. "Ich bin Beobachterin, keine Theoretikerin", betont die gebürtige Rumänin. Ihr Fachgebiet ist Extragalaktik, insbesondere Galaxiengruppen - Systeme, die außerhalb unserer Milchstraße liegen.

Für ihre Postdoc-Forschung verfasst sie derzeit einen FWF-Antrag. Wenn das Projekt bewilligt wird, wird sie sich weiterführend mit dem Einfluss der Umgebung von Galaxiengruppen auf die Entwicklung und Entstehung der Galaxien beschäftigen.

Für ihre Dissertation bestimmte die Astronomin Aussehen, Kinematik, Dynamik und physikalische Eigenschaften von rund 70 solcher Gruppen: "Ob diese entstehen, kollidieren, oder wie sie sich entwickeln, hängt anscheinend stark vom Umfeld ab. Die Hinweise darauf verdichteten sich in den vergangenen Jahren", beschreibt sie ihre weitere Stoßrichtung.

Parallel dazu wertet sie "übriggebliebene" Daten ihrer Doktorarbeit aus - aussagekräftiges Material über rund 60 weitere Galaxiengruppen. Es muss reduziert und analysiert werden. Dass jedes Ergebnis nur vorläufig ist, weil weitere Daten stets neue Erkenntnisse bringen können, macht Laura Rauscher nichts aus. Sie freut sich im Gegenteil, "dass es für mich immer etwas zu tun gibt und ich die unendlichen Weiten weiter erforschen kann".

Mit der Leidenschaft, Sterne zu beobachten, hat sie ihr Vater angesteckt. Der Amateur-Astronom weihte seine Tochter in so manches Geheimnis des Universums ein. Nach der Matura musste sie einige Jahre warten, bis sie alle Dokumente beisammen hatte, um im Ausland studieren zu können. In Wien belegte sie zunächst Elektrotechnik an der Technischen Universität.

1995 führte sie der Zufall (endlich) an das Astronomieinstitut der Uni Wien, und wenige Wochen später sattelte sie im Diplomstudium um. Um ganz sicherzugehen, dass die akademische Forschung das Richtige für sie ist, machte Rauscher einen Abstecher in die Wirtschaft und arbeitete ein Jahr lang in einem Telekommunikationsunternehmen. Seither ist die 40-jährige Astronomin von ihrer eingeschlagenen Laufbahn in der Wissenschaft vollends überzeugt.

"Mit meinen technischen Grundlagen war das Verständnis für Beobachtungsgeräte immer besonders ausgeprägt", sagt Laura Rauscher, die ihre Erfahrungen auch als PhD-Studentin in der ESO (Europäische Südsternwarte) einbringen konnte. Ein Jahr arbeitete sie im ESO-Headquarter in Santiago de Chile für ihre Doktorarbeit und nahm als Operator am Observatorium in La Silla Daten für verschiedene Forschungsprojekte auf. Die himmlische Ruhe und Einsamkeit des Observatoriums bewirke, "dass man sich nach drei Wochen sogar über den Besuch einer Tarantel freut", erinnert sich die Sternensucherin schmunzelnd. (Astrid Kuffner/DER STANDARD, Printausgabe, 09.12.2009)

 

  • Die Astronomin Laura Rauscher von der Uni Wien erforscht die Welt der Sterne.
    foto: privat

    Die Astronomin Laura Rauscher von der Uni Wien erforscht die Welt der Sterne.

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