Reportage: Alles Mist oder was?

10. Dezember 2009, 16:36
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Abfallentsorgung ist heute mehr als nur Müllabfuhr. Viel Ballast kann man dabei an den Dienstleister abladen wie ein Lokalaugenschein zeigt

Wien - "Optimierung der Umweltleistung bedeutet für uns auch Kostenoptimierung", sagt Canon-Umweltmanager Alexander Rotter. Dass Abfallentsorgung bei einem Druckerhersteller wie Canon auch noch unter dem Titel Ökologie firmiert, mag erstaunen. In der Praxis gibt es dafür ein breites Betätigungsfeld, wie der Lokalaugenschein in der Wiener Zentrale in der Oberlaaerstraße zeigt. Dass Ökologie und Abfall keine unvereinbaren Gegensätze sind, davon kann sich überzeugen, wer mit Facility-Managerin Alexandra Leitenberger durch das durch und durch moderne Gebäude wandert.

Die gemeinhin als Papierkorb titulierten Abfallbehältnisse neben den Schreibtischen der Mitarbeiter sind nahezu leer. Entsorgt wird im Betrieb streng nach Vorschrift und unterstützt von freundlichen Hinweistafeln: Papier in den Papierkorb, Plastik in Extra-Behältnisse und Dosen in der Kaffeeküche in die bereitstehende Schachtel, lauten an die Wände geheftete Botschaften. Mineralwasser konsumieren die Mitarbeiter auf Kosten der Firma, die PET-Flaschen nimmt der Getränkehersteller ebenso zurück wie das Leergebinde für die Softdrinks. Karton wird vor Ort mit der entsprechenden Presse auf platzsparende Größe gepresst. Sind Container und Kübel voll, gibt es ein Fax an den Entsorgungspartner. Der heißt bei Canon seit vielen Jahren Saubermacher. Der "Müll" wird vom international tätigen, steirischen Abfalldienstleister abgeholt und in der Wiener Saubermacherzentrale der weiteren Verwertung zugeführt.

Abfall als Teil eines Gesamtkonzeptes

Einzelne Faktoren der Kostenoptimierung kann Canon-Mann Alexander Rotter im Müllraum unmittelbar vor dem Firmengelände vorführen: "Wir brauchen durch die Trennung 50 Prozent weniger Restmüll-Container und sparen uns dadurch pro Jahr einige Tausend Euro." Hinter dieser Ersparnis steckt ein ausgefeiltes Konzept, das etwa auch beinhaltet, dass die Drucklösungen im Haus so angelegt sind, dass Platz-, Energie- und Ressourceneinsatz spürbar verbessert wurden. "Abfallwirtschaft ist eingebettet in unser Umweltmanagementsystem und somit wichtiger Aspekt der gesamten Unternehmenspolitik", betont Canon-Chef Peter Baldauf. Der Einsatz umweltfreundlicher Firmenautos gehört laut Baldauf ebenso dazu wie der Wechsel zu einem "CO 2 freien, mit dem österreichischen Umweltzeichen ausgezeichenten Ökostromanbieter". 2007 hatte man zudem die Chance, durch den Bau einer neuen Firmenzentrale alle ökologischen Register zu spielen. Vom ressourcenschonenden Einsatz der Lichtquellen über das ausgefeilte Raumklimakonzept ist dabei an alles gedacht.

Ohne entsprechende Investitionen und einen extra dafür abgestellten Umweltmanager und das notwendige Bekenntnis komme man in Umweltbelangen nicht voran ist Baldauf sicher. Dementsprechend erfolgt auch die Wahl des langjährigen Entsorgungspartners laut Alexander Rotter durchaus unter dem ökologischen Aspekt. "Wir sind ISO 14001 zertifiziert (Anm.: internationale Umweltmanagementnorm, in deren Rahmen sich die Teilnehmer verpflichten, freiwillig ihre Umweltleistung kontinuierlich zu verbessern), und unser Entsorgungspartner muss das auch mitbringen." Damit es in Sachen Umweltmanagement nicht bei leeren Worten bleibt, ist nicht nur die Abfallwirtschaft in der Zentrale streng organisiert. Auch die Service-Techniker im Kundeneinsatz werden unter diesem Aspekt geschult: Werden vor Ort Ersatzteile wie Toner ausgetauscht oder fällt darüber hinaus Elektronikschrott an, so landet der nach getaner Service-Arbeit in den dafür vorgesehenen Boxen, die wiederum von einem Paketdienst zum Saubermacher-Standort transportiert werden: Allein über 50 Tonnen an Abfällen werden so über ein ausgeklügeltes Logistiksystem Zug um Zug bei der Anlieferung der Service- und Wartungsmaterialien gleich mitgenommen.

Trennung und Verwertung

Kunde und Servicetechniker sind den Ballast damit los. Ab da ist wiederum das Saubermacher-Team am Zug. "In der Niederlassung Oberlaaerstraße ist dann noch lange nicht das Ende für die verschiedenen Materialien erreicht", sagt Saubermacher-Manager Harald Wuthe: "Wir sammeln eine Million Tonnen Abfall pro Jahr. Knapp 90 Prozent davon werden verwertet. Zum Beispiel zerlegen wir Geräte, nehmen Platinen heraus und kümmern uns um die umweltgerechte Entsorgung." Das bedeutet für Saubermachers Arbeit und für den Kunden Geld zurück: "Eine Tonne Gewerbemüll kostet rund 200 Euro", rechnet Alexander Rotter vor, ""eine Tonne Kartonagen bringt uns Geld zurück und bei anderen 'Reinstoffen' z.B. Styropor gibt es noch mehr."

In der Saubermacher-Entsorgungs-Zentrale geht die Arbeit am Müll dann laut Wuthe mit Feinarbeit weiter: "Da wird alles gewogen und auseinander genommen und für den Kunden werden fein säuberlich die Daten zusammengetragen." Das Datenmanagement sei eine entscheidende Dienstleistung, "die uns Saubermacher angeboten hat", sagt Alexander Rotter, "sie ist Datenbasis für die weitere kontinuierliche Verbesserung - ganz im Sinne der ISO 14001 von Canon und Saubermacher." Der Vertrag zwischen Saubermacher und Canon wird übrigens im Zwei-Jahres-Rhythmus an die jeweiligen Erfordernisse gesetzlicher oder firmenstruktureller Natur angepasst. "Ein Dienstleister wie wir bringt die entsprechende Flexibilität mit", beschreibt Wuthe die Anforderungen im Geschäft: "Wir haben zum Beispiel am Saubermacher-Standort in der Oberlaaerstraße Platz geschaffen, als wir die Mülltrennung nach der Übersiedlung für Canon übernommen haben." (Regina Bruckner)

  • Canon-Umweltmanager Alexander Rotter vor einem Hinweisschild.
    foto: bruckner

    Canon-Umweltmanager Alexander Rotter vor einem Hinweisschild.

  • Saubermacher-Manager Harald Wuthe kontrolliert, ob mit dem Müll alles seine Richtigkeit hat.
    foto: bruckner

    Saubermacher-Manager Harald Wuthe kontrolliert, ob mit dem Müll alles seine Richtigkeit hat.

  • Hier wird Müll fein säuberlich getrennt, wie sich jeder überzeugen kann: Facility-Managerin Alexandra Leitenberger (li), Umweltmanager Alexander Rotter und Saubermacher-Manager Harald Wuthe (re).
    foto: bruckner

    Hier wird Müll fein säuberlich getrennt, wie sich jeder überzeugen kann: Facility-Managerin Alexandra Leitenberger (li), Umweltmanager Alexander Rotter und Saubermacher-Manager Harald Wuthe (re).

  • Saubermacher gehört zu den vier größten heimischen Müllentsorgern. Die streirische Gruppe ist derzeit in Österreich, 
Slowenien, Ungarn und Tschechien sowie in Bulgarien, Rumänien, Kroatien, Serbien 
und Mazedonien geschäftlich vertreten.  Der geplante Börsengang Anfang 2008 scheiterte am damaligen Marktumfeld. Umsatz 2008: 238 Millonen Euro.
    foto: saubermacher

    Saubermacher gehört zu den vier größten heimischen Müllentsorgern. Die streirische Gruppe ist derzeit in Österreich, Slowenien, Ungarn und Tschechien sowie in Bulgarien, Rumänien, Kroatien, Serbien und Mazedonien geschäftlich vertreten.  Der geplante Börsengang Anfang 2008 scheiterte am damaligen Marktumfeld. Umsatz 2008: 238 Millonen Euro.

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