Wenn IT-Systeme kooperieren

8. Dezember 2009, 19:20
posten

Innsbrucker Laura Bassi Centre of Enterprise will Informatikerinnen fördern

"Professor Ruth Breu ist es gelungen, in einem sehr kompetitiven Wettbewerb zu reüssieren", streute Tilmann Märk, Vizerektor für Forschung der Universität Innsbruck, der Kollegin von der Informatik Rosen. Breu, seit 2002 Professorin am Institut für Informatik, wurde mit ihrer Forschungsgruppe Quality Engineering vom Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend im Oktober als Laura Bassi Centre of Expertise ausgezeichnet. Der Öffentlichkeit präsentiert wurde das Zentrum vergangene Woche.

Bis 2016 wird das Zentrum mit 3,5 Millionen Euro gefördert. 35 Prozent davon bringen die Industriepartner auf. Ruth Breu sieht das Quality Engineering Laura Bassi LaB, kurz "QE LaB", als "Forschungszentrum mit Unternehmergeist". Gemeinsam mit den Partnern ITH icoserve technology in healthcare GmbH, dem E-Health-Komptenzzentrum von Siemens, und der Kapsch CarrierCom AG, eine auf Kommunikationslösungen spezialisierte Kapsch-Tochter, sollen Methoden und Technologien für kooperative IT-Systeme entwickelt werden. Die IT-gesteuerten Vernetzungen gelten als nächster Technologiesprung nach dem Internet. Der Datenaustausch, im konkreten Fall etwa zwischen Ärzten und Krankenhäusern oder Kliniken untereinander, muss jedoch zuverlässig und sicher funktionieren. QE LaB will zur Überwachung und Steuerung kooperativer IT-Systeme sichere Verfahren entwickeln.

Die Forschungsgruppe Quality Engineering, die zurzeit aus 30 Forschenden besteht, arbeitet anwendungsorientiert. Seit 2004 wurden mehr als 20 Drittmittelprojekte und 200 Studienarbeiten in Kooperation mit Firmen durchgeführt. Die Kombination exzellenter Forschung und wirtschaftlicher Verwertbarkeit ist Ziel der Arbeit.

Als größte von einer Frau geleitete Informatikforschungsgruppe Österreichs will das Laura-Bassi-Zentrum mehr Frauen für das Informatikstudium gewinnen. Aktuell sind nur zehn Prozent der Informatikstudierenden weiblich. Man müsse die Informatik vom Bild des "pizzaessenden PC-Junkies lösen", um Frauen für die Branche zu begeistern, sagt Breu. In der Forschungsgruppe der dreifachen Mutter beträgt der Frauenanteil 30 Prozent.

Im Geist der Pionierin

Benannt wurde das Forschungsprogramm nach Laura Bassi, einer außergewöhnlichen Wissenschaftspionierin aus dem 18. Jahrhundert. Die Bologneserin war die erste Universitätsprofessorin Europas. Erst 21 Jahre alt, wurde die Philosophin 1732 Professorin an der Universität Bologna, lehren durfte sie aber nur selten. So hielt die achtfache Mutter in ihrem Haus private Vorlesungen, jedoch nicht in Philosophie, sondern in Physik, der sie sich zeit ihres Lebens intensiv widmete. Zwei Jahre vor ihrem Tod wurde Bassi als Experimentalphysikerin in die Akademie von Bologna aufgenommen. (Jutta Berger/DER STANDARD, Printausgabe, 09.12.2009)

 

Share if you care.