"Erfüllt eure Aufgabe, wenn ihr den Auftrag habt, mich zu töten"

8. Dezember 2009, 19:20
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Nach Protesten in Teheran wird Mussavi angegriffen

Teheran - Einen Tag nach den Studentenprotesten im Iran haben bewaffnete Paramilitärs, die Basiji, den Regierungskritiker Mir-Hossein Mussavi bedrängt. Wie Mussavis Website berichtete, blockierten 30 bis 40 Motorradfahrer in Zivil am Dienstag die Ausfahrt der von ihm geleiteten Akademie der Künste in Teheran und hinderten ihn daran, das Gebäude zu verlassen. Mussavi meinte zu den versammelten Basiji: "Erfüllt eure Aufgabe, wenn ihr den Auftrag habt, mich zu schlagen oder zu töten." Die Bevölkerung hinderte die Basiji jedoch daran, in das Gebäude einzudringen.

Auch Mussavis Frau wurde am Montagabend mit Pfefferspray angegriffen und verletzt. Ein halbes Jahr nach der Präsidentenwahl war es in Teheran zu neuen Straßenschlachten zwischen Opposition und Sicherheitskräften gekommen. Zahlreiche Menschen wurden festgenommen. Viele Teheraner hatten am Sonntag eine SMS erhalten, in der die Marschrouten der Demonstrationen beschrieben waren. Doch diese Marschrouten waren weit voneinander und von der Universität entfernt. Deshalb vermuteten viele sofort das Informationsministerium hinter der SMS. Die Demonstranten sollten sich nicht an der Uni versammeln. Viele Hochschulen wurden bereits am Sonntagabend gesperrt.

Doch obwohl auch alle Straßen zu den Unis entweder gesperrt waren oder kontrolliert wurden, schlossen sich viele Menschen den demonstrierenden Studenten an. Auch viele Schuldirektoren hatten Mühe, die Schüler daran zu hindern, ihre Sympathie für die Demonstranten zu zeigen.

Viele Protestierende riefen "Nieder mit der Diktatur!" und forderten die Absetzung der religiösen Führer. Die Regierung hatte ebenfalls alle Kräfte für eine Gegendemonstration mobilisiert. Es stellte sich heraus, dass die Regierungsanhänger im Campus paramilitärischen Gruppen angehörten. Proteste gab es auch an Universitäten in den Städten Kermanshah, Majad und Shiraz. Die nächste große Demonstration ist für den 25. und 26. Dezember, den Jahrestag der Ermordung von Imam Hosein, angekündigt. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 9.12.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Verletzter Demonstrant in Teheran. Ausländische Medien durften nicht fotografieren. Der Fotograf wird deshalb nicht genannt.

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