Putin macht russische Beamte mitverantwortlich

8. Dezember 2009, 19:01
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Fahrlässigkeit vonseiten des Betreibers sowie der Behörden - Regierungschef kritisierte laxe Brandschutzvorschriften

Nach dem verheerenden Brand in einem Club in Perm ist der Regierungschef Wladimir Putin mit den Verantwortlichen hart ins Gericht gegangen. Bei seinem Überraschungsbesuch in Perm kritisierte der russische Premier, dass an dem Unglück auch die Beamten schuld seien, deren Fahrlässigkeit indirekt zu dem Feuer geführt habe. Sieben Permer Beamte wurden bereits entlassen.

"Man muss anerkennen, dass die getroffenen Maßnahmen nicht ausreichend sind und sie sich als ineffektiv herausgestellt haben", sagte Putin, nachdem er vor den Ruinen des ausgebrannten Lokals einen Strauß roter Rosen niederlegte. Das tragische Ereignis hätte "auf brutalste Weise" gezeigt, dass es mit den russischen Feuervorschriften nicht weit her sei.

Der Brand, der durch ein nichtgenehmigtes Feuerwerk im Inneren des Clubs "Lahmes Pferd" ausgelöst wurde, forderte mindestens 118 Todesopfer. Die mehr als 200 Clubbesucher hätten nur 118 Sekunden gehabt, um sich in Sicherheit zu bringen, teilte das Katastrophenschutzministerium mit.

Behandlung in Spezialklinik

Die Schwerverletzten mussten in Kliniken nach Moskau geflogen werden. Putin kritisierte auch die medizinische Versorgung in Perm. Die Krankenhäuser seien in einem kläglichen Zustand, grundlegende Medikamente schwierig aufzutreiben. Putin kündigte finanzielle Hilfen an. Hinterbliebene sollten 500.000 Rubel (rund 11.200 Euro) erhalten, überlebende Brandopfer 400.000 Rubel (rund 9000 Euro).

Der russische Präsident Dmitri Medwedew forderte eine harte Strafe für die Club-Besitzer. Der Besitzer Anatolij Sak und zwei Manager des Clubs sowie der Pyrotechniker wurden festgenommen. Laut den Ermittlern haben die Angeklagten das geltende Verbot für pyrotechnische Artikel bewusst ignoriert. Der Club war bereits mehrmals kontrolliert und der mangelnde Brandschutz beanstandet worden. Die nächste Überprüfung hätte drei Tage nach dem Unglück stattfinden sollen.

Warum der Clubbesitzer mit den Verstößen gegen die Feuervorschriften so locker durchkam, dürfte an der Korruption und seinen guten Kontakten liegen. Laut Beiträgen in russischen Internetforen soll Sak mit dem Gouverneur von Perm befreundet sein. (Verena Diethelm aus Moskau/DER STANDARD-Printausgabe, 9.12.2009)

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    Wladimir Putin legte vor dem abgebrannten Club rote Rosen nieder. Mindestens 118 Menschen starben nach einem Feuerwerk.

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