Das Ende des U-Ausschusses

Ein Trauerspiel

8. Dezember 2009, 18:00

Der Spionage-Untersuchungsausschuss endet abrupt: Was vom bleibt, ist, dass U-Ausschüsse offensichtlich als Ganzes eine neue Struktur brauchen

Das Aus für den Spionage-Untersuchungsausschuss kommt abrupt: keine Sitzung, kein schriftlicher Schlussbericht. Am Freitag gibt's noch eine Bilanz des Vorsitzenden Martin Bartenstein. Dann, so der Wille der Regierungsparteien, soll das Thema erledigt sein.

Die Opposition schäumt dementsprechend, ein heftiger Schlagabtausch im Nationalrat ist garantiert. Es wird dann nur jener Eindruck verstärkt, den der Ausschuss über die gesamte Zeit geboten hat - nämlich eines tiefen Zerwürfnisses zwischen Regierungsparteien und Opposition.

Beiden Seiten darf gratuliert werden: Es ist gelungen, die inhaltlichen Ergebnisse mit lautem Gezeter zu übertönen. Dunkel mag noch in Erinnerung sein, dass ein Staatsanwalt zugab, eine Amtsmissbrauchanzeige gegen den früheren VP-Innenminister Ernst Strasser übersehen zu haben. Der eine oder andere wird den Ausschuss mit der Diskussion über die Immunität der Mandatare und die Versuche der Staatsanwaltschaft, diese zu umgehen, verbinden.

Was noch? Die Politkarawane wird weiterziehen. Schon sind die Parteien mit den Aufräumarbeiten beschäftigt: Man bezichtigt einander gegenseitig, Schuld an dem unrühmlichenEnde des Ausschusses zu haben. Von außen betrachtet eine undurchschaubare Henne-oder-Ei-Debatte. Was bleibt, ist, dass U-Ausschüsse offensichtlich als Ganzes eine neue Struktur brauchen. Wenn deren Einberufung ab dem nächstem Jahr ein Minderheitenrecht wird, muss es klare Regeln geben - solche, die ein weiteres Trauerspiel verhindern. (Peter Mayr, DER STANDARD, Printausgabe, 9.12.2009)

 

zkk
 
10
9.12.2009, 17:26
ein u-ausschuß mit den grössten bzw. nervigsten populisten des landes

also den herren pilz, stadler, graf, dazu noch ein westenthaler ist per se nicht anders als pure zeitverschwendung.

nur weil diese ein pol. amt inkl. nicht mehr zeitgemäßer immunität inne haben, dürfen sie sich nicht als richter über justizbeamte gerieren, zumal einige eigentlich als befangen gar nicht im ausschuß hätten tätig werden dürfen.

einsetzen eines u-ausschußes sollte natürlich ein minderheitsrecht sein, den protagonisten sollte es aber per neuer geschäftsordnung erschwert bzw. verunmöglicht werden, daraus einen persönlichen rachfeldzug zu machen und dadurch jeden ausschuß zur farce werden zu lassen.

man of constant sorrow
00
9.12.2009, 18:15

Welche Populisten wären Ihnen denn recht?

Homo Austriacus
03
9.12.2009, 10:08
Zustand des Journalismus heute --- traurig

Dieser Artikel ist ein deutliches Symptom der Rolle des Journalismus heute:
Ein bissl was daherquatschen, kleinreden, bei der Vertuschung großer Skandale der Herrschenden mitmachen, die wesentlichen Erkenntnisse "übersehen" (wie auch ein Staatsanwalt eine mehrere 100 Seiten umfassende Amtsmissbrauchsanzeige "übersehen" hat).

Was bleibt den interessierten Bürgern/Wählern über:
sich abseits der Mainstreammedien Zeitung/TV/Radio informieren, solange die Internetzensur dies noch zulässt.
Und sich nicht von den Verharmlosern und Leugnern von diversen Verschwörungstheorien beeinflussen lassen, sondern sich ein Bild aus möglichst vielen Quellen machen, von denen NICHT bekannt ist, dass sie öffentlich gefördert werden oder Lobbies zuzuordnen sind!

ohromat
09
9.12.2009, 01:25
politjournalistische betriebsblindheit

herr mayer,

sie leiden offenbar unter politjournalistischen betriebsblindheit.

denn dieser untersuchungsauschuss war keine lohnverhandlung, auch ging es hier nicht um einen autobahnbauskandal - nein, nichteinmal um einen abfangjägerbeschaffungsskandal.

es ging hier um fundamentale eingriffe der sicherheitsbehörden in die politik, bzw. die politische instrumentalisierung dieser durch die politik, um das überwachen politischer gruppen sowie immuner parlamentarier durch geheimdienste, -
sowie um unglaubliche korruption in der justiz.

letztlich dreht es sich darum, dass es hierzulande kein gewaltenteilung gibt, immerhin das fundament der demokratie, darum, dass hier zustände herrschen, die für ein westliches land mehr als unhaltbar sind.

ohromat
010
9.12.2009, 01:07
politjournalistische betriebsblindheit II

das "abdrehen" hat letztlich gezeigt,
wie unverschämt man auf tatsachen reagiert,
die in jedem zivilisierten land mit einem rücktritt von ministern oder sogar der regierung quittiert werden würden.

ja, die politkarawane wird weiterziehen, aber auch deshalb, weil journalisten wie sie im kopf schon lange weitergezogen sind,
weil für sie es nichts neues ist, diese grausige österreichische politik ohne jede kultur, ohne jede hygiene.
eine "ferialpraxis" in einem zivilisierten land würde ihnen gut tun
- einmal die toilette verlassen, um später zu riechen, wie sehr die eigene sch*** in wirklichkeit stinkt.

mündigen bürger hingegen wird dieser untersuchungsausschuss noch lange zu denken geben, sehr schwer im magen liegen.

mfg

Ava Tar
08
8.12.2009, 21:22
Vorschläge:

Einen Untersuchungsausschuß einzuberufen sollte öffentlich zugänglich werden, einleitbar durch die Stimmen von 1/3 der NR-Abgeordneten oder durch 500.000 wahlberechtigte Unterschriften

ähnlich wie bei Volksbegehren

Leitung zudem durch unabhängige Notare/Rechnungshof o.ä.

zur Ladung hat jeder zu erscheinen, der geladen wird, ansonsten Zwangsvorführung (das ist bei Gericht nicht anders)

Vorsitz des U-Ausschusses kann via Justiz Hausdurchsuchungen (Parteizentralen, usw) durchführen lassen

In Kürze wären die Schweinereien rund um Parteispenden, Eurofighter usw aufgeblattelt und juristische Anschlußverfahren würden sich der korrupten Individuen annehmen

Wird nie kommen, wetten ?

Aber von einem Rechtsstaat träumen wird man ja noch dürfen.

W.Hammerl
10
9.12.2009, 13:21

Es wäre ohnehin kein Rechtsstaat, von dem Sie träumen. Wenn der Vorsitzende Hausdurchsuchungen in den Parteizentralen durchführen lassen kann, dann werden sich zwar die Oppositionspolitiker um diesen Job reissen, aber auf welcher rechtlichen Grundlage soll dies erfolgen? Nur damit die Opposition ihre Hetz hat, ist halt kein ausreichender Grund.

Ava Tar
00
9.12.2009, 17:03

steht da "via Justiz" oder nicht ?

farbrauschen
00
9.12.2009, 16:28
ja klar. viel rechtsstaatlicher ist es hingegen, unter berufung auf die rechtsstaatlichkeit alle durchleuchtung dreckiger, versteckter winkel so lang wie möglich hinauszuzögern (verjährung) bzw. durchleuchtungsinstrumente möglichst früh abzuwürgen.


okay, vielleicht würden sich oppositionspolitiker "um diesen job reissen",
aber wo wär das problem?
gäbe es keine verheimlichten 5auereien,
könnten sie ja überhaupt nichts finden, nicht wahr?

wozu also diese geheimniskrämereien?

wir sind doch betrommelt worden,
seinerzeit,
unter ihrer dunkelfarbenen lieblingsregierung,

mit dem schönen satz:

"wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten"

also,
woher kommt das hasenherzige?

erraten!

und dieser zustand ist
erbärmlich.
unerträglich.

ich wünsch mir innig,
dass jeder, der fürs verantwortung-tragen hoch bezahlt worden ist,
endlich auch zu ihr gezogen wird.

peinlicher punkt für peinlichen punkt.
mögen die lügengebäude zerkrachen.
ganz.

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