Hypo Kärnten und der Bankenkrach 1931

8. Dezember 2009, 17:29
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Eine mittelgroße, kriminell verantwortungslos in die Pleite geführte Bank kann die Politik in den Rechtsradikalismus führen

Damit wir wissen, worüber wir im Zusammenhang mit der Hypo Kärnten reden: Eine mittelgroße, kriminell verantwortungslos in die Pleite geführte Bank kann die Bankenlandschaft eines Landes, in der Folge dann das internationale Bankensystem und die Weltwirtschaft insgesamt in den Ruin und die Politik in den Rechtsradikalismus führen.

Geschehen ist das in den Dreißigerjahren in Österreich. Die weltwirtschaftlichen Voraussetzungen waren ganz ähnlich wie heute: In den USA herrschte in den Zwanzigerjahren ein gewaltiger Boom. Als der von der Produktion nicht mehr gespeist wurde, verlegten sich die amerikanischen Massen auf kreditfinanzierte Wertpapierspekulation. Diese Blase platzte am "Schwarzen Freitag" der Börse im Oktober 1929 und riss zuerst die Banken, dann die gesamte US-Wirtschaft in den Abgrund (Arbeitslosigkeit 25 Prozent).

In Europa verlief die Entwicklung ähnlich. Einige der unseriösesten österreichischen Banken waren politisch mit der antidemokratischen Rechten eng verbunden. Eine davon war die Bodenkreditanstalt, die die faschistischen Heimwehren finanzierte. Gerüchte um einen Heimwehrputsch und über Großbetrügereien der Bodenkreditanstalt lösten einen Run der Einleger auf die Bank aus, die zahlungsunfähig wurde. Unter massivem Druck der christlich-sozialen/deutschnationalen Regierung übernahm die Creditanstalt (Eigentümer Rothschild) die Bodenkreditanstalt. Die CA holte sich damit nur das Todesvirus. Die Einleger stürmten die Bankschalter, andere Banken zogen Einlagen ab und stellten Kredite fällig. Binnen weniger Monate verlor die CA 80 Prozent ihrer Spareinlagen.

Die österreichische Regierung musste die Bank verstaatlichen. Der Zusammenbruch der Creditanstalt 1931 hatte aber eine Dominowirkung auf europäische Banken. Auch dank der katastrophalen Einsparungspolitik der rechtskatholischen Regierung in Deutschland (die von der christlich-sozialen in Österreich nachvollzogen wurde) stürzte Deutschland in eine Wirtschaftskrise mit 30 Prozent Arbeitslosen. Im Juli 1932 wurde die NSDAP bei den Reichstagswahlen stärkste Partei. Bei den Landtagswahlen in Wien, Niederösterreich, Salzburg, Kärnten und der Steiermark im April 1932 erzielten die Nazis einen ersten großen Erfolg.

Aus dieser Geschichte haben die demokratischen Regierungen (teilweise) gelernt: Nach dem Ausbruch der Finanzkrise 2007/08 kam es zur massiven Intervention des Staates. Banken wurden aufgefangen. Denn man weiß: Es darf nicht wieder zu einer Bankenpanik kommen. Das Vertrauen muss erhalten werden.

Mit der Hypo Kärnten haben wir nun eine Bank im Schrott-Status, die der politischen Rechten (Haiders BZÖ, Kärntner ÖVP) nahestand und -steht. Die Regierung und der ÖVP-Finanzminister Pröll stehen nun primär vor der Aufgabe, einen Flächenbrand zu verhindern (die politischen und strafrechtlichen Folgen dürfen dabei nicht vergessen werden).

Ob die Hypo Kärnten "systemrelevant" in dem Sinn ist, dass sie andere (in-und ausländische) Banken im Konkursfall mitreißen würde, ist eine Diskussionsfrage. Aber man kann es nicht riskieren. (Hans Rauscher, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.12.2009)

 

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