Rot-schwarzer Streit um das Landesamt

8. Dezember 2009, 17:28
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Bei der Bestellung eines neuen steirischen Landesamtsdirektors kann die SP ihren Kandidaten gegen die Schwarzen durchsetzen - Der VP-Bewerberin bleibt nun nur noch das Gleichbehandlungsgesetz

Graz - Am Montag traf sich eine prominente Runde in der Grazer Burg, um die Kandidaten für das höchste Amt im Land Steiermark, den Landesamtsdirektor, anzuhören. Eingefunden hatten sich die neun Regierungsmitglieder der rot-schwarzen Landesregierung, die Gleichbehandlungsbeauftragte des Landes, Sabine Schulze-Bauer, sowie KP-Klubchef Ernest Kaltenegger, die Landtagsabgeordnete der Grünen, Edith Zitz und zwei externe Personalberatungsexpertinnen, die das Hearing moderierten. Die beiden Kandidaten sind Helmut Hirt (SPÖ), der im Zuge der heftig umstrittenen Regierungsrochade von SP-Landeshauptmann Franz Voves im Herbst seinen Job als Gesundheitslandesrat loswurde, und die VP-Kandidatin, die stellvertretende Landesamtsdirektorin Margit Kraker-Körner.

"Schmierenkomödie"

"Dieses Hearing ist sowieso eine Schmierenkomödie" , sagt ein Landtags-Insider dem Standard, denn immerhin habe Voves schon vor Monaten bekanntgegeben, dass Hirt der Landesamtsdirektorposten versprochen wurde. Und tatsächlich können die fünf roten Regierungsmitglieder mit ihren Stimmen auch ohne weiteres jeden Kandidaten gegen die vier schwarzen Mitregierer durchsetzen. Das wird in der Regierungssitzung am kommenden Montag auch so sein.

Doch um wenigstens den Anschein eines ernsthaften Hearings gegen den des längst abgemachten Postenschachers zu wahren, hatte KP-Klubchef Ernest Kaltenegger sich selbst und die Klubchefin der Grünen, Ingrid Lechner-Sonnek, als Zuhörer in das Hearing hineinreklamiert. Statt Lechner-Sonnek kam Edith Zitz und verhandelte zu Beginn der Sitzung aus, dass sie selbst und Kaltenegger nicht nur schweigend teilhaben, sondern zumindest eine Empfehlung abgeben könnten.

Diese fiel in beiden Fällen so aus, dass man beide Kandidaten für gleich gut befand. Zitz zum Standard: "Hirt hat sich in diesem für ihn sicher im Vorfeld brutalen Verfahren sehr integer verhalten. Und er überzeugt durch seine Erfahrung - international und auch in vielen Bereichen der Verwaltung." Hirt war einst stellvertretender Landesamtsdirektor und Polizeijurist. Doch auch für Kraker-Körner hat Zitz großes Lob: "Sie hat mich durch irrsinnig strukturiertes Denken beeindruckt, und sie kann entschieden führen und sehr bewusst mit Mitarbeitern umgehen."

Sind zwei Kandidaten gleich gut geeignet, muss laut dem Landes-Gleichbehandlungsgesetz der Frau der Vorzug gegeben werden. Und genau auf diese Karte dürfte Hermann Schützenhöfers VP - ein Jahr vor der Landtagswahl im Herbst 2010 - auch setzen. Auf das Gesetz pochen könnte nicht nur Kraker-Körner selbst, sondern auch ein Dritter. Doch zu beweisen, dass die über weniger Erfahrung verfügende Frau gleich qualifiziert ist, dürfte schwierig werden. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, Printausgabe, 9.12.2009)

 

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