"Wachsen, bevor ein anderer kommt"

8. Dezember 2009, 17:23
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Niki weitet seine Kapazitäten aus. Er will damit rasch die Lücke füllen, die der SkyEurope-Konkurs aufgetan hat, erklärt Niki Lauda

Niki weitet seine Kapazität um 30 Prozent aus. Er will damit rasch die Lücke füllen, die der SkyEurope-Konkurs und die Schwierigkeiten der AUA aufgetan haben, erklärt Niki Lauda im Gespräch mit Kurt Hofmann.


STANDARD: Sie haben für nächstes Jahr 30 Prozent Kapazitätsaufstockung angekündigt, Ihre Flotte wird von elf auf 17 Flugzeuge wachsen. Ist das nicht sehr riskant?

Lauda: Wir müssen das jetzt machen, bevor irgendeine andere Billig-Airline daherkommt. Und wir müssen uns darum kümmern, im Sommer Geld zu verdienen, das wir im Winter, wenn weniger Aufkommen ist, verlieren. Je mehr wir positiv fliegen, umso schneller können wir wachsen. Dabei konzentrieren wir uns auf die Hauptstrecken ab Wien. Ich habe kein Interesse, verstärkt ab den Bundesländern etwa Richtung Deutschland zu fliegen. Insgesamt nehmen wir 250 neue Mitarbeiter auf, davon 50 Piloten.

STANDARD: Was ist, wenn Ihre Expansionspläne nicht aufgehen?

Lauda: Dann gehen drei von Air Berlin gemietete Airbusse samt Piloten nach Deutschland zurück. Das ist auch nach dem kommenden Sommer so geplant.

STANDARD: Was sagen Sie dazu, dass inzwischen auch viele große Fluglinien Extragebühren für aufgegebenes Gepäck verrechnen?

Lauda: Ich verstehe nicht, wie diese sogenannten Qualitätsfluglinien à la Lufthansa, AUA, British Airways mit ihrem weltweiten Netzwerk nicht mehr ihren Namen gerecht werden und jetzt auf einmal Low-Cost-Airline spielen wollen. Beispiel: Qualität beim Essen, geringer Sitzabstand usw. Der Wahnsinn fängt damit an, dass diese Airlines, wenn sie einsparen müssen, das sofort auf den Passagier übertragen. Dieser hat anscheinend keine Bedeutung mehr. Für viele Passagiere war es eine Imagefrage, mit einer AUA oder Swiss zu fliegen. Meine Logik ist: Diese Passagiere, die immer dazu gestanden sind, wechseln zu uns.

STANDARD: Wird die AUA mit größeren Flugzeugen und billigeren Preisen Niki nicht auf zahlreichen Strecken unter Druck setzen?

Lauda: Wir waren immer für Wettbewerb und verdienen mit unseren niedrigeren Kosten Geld. Übrigens sind wir auf der Route Wien-Zürich hinter Swiss noch vor der AUA die Nummer zwei. Wir ziehen unser Produkt durch.

STANDARD:: Geht diese neue AUA-Strategie auf?

Lauda: Nein, da sie niemals zu denselben Betriebskosten operieren werden wie Niki. Als erste weltweite Low-Cost-Airline-Allianz mit Air Berlin produzieren wir dank dieser Synergien günstig. Und das ist Grundvoraussetzung.

STANDARD: Sie haben zusammen mit Air Berlin zwischen Österreich und Deutschland im Nachbarschaftsverkehr inzwischen eine dominierende Position.

Lauda: Niki, Air Berlin und die übernommene TuiFly bedienen gemeinsam 21 Strecken zwischen Österreich und Deutschland, AUA und Lufthansa dagegen nur neun. Im Winterflugplan hat Niki / Air Berlin 222 wöchentliche Frequenzen, Lufthansa/AUA 314 jeweils pro Richtung. Zwischen Jänner und Oktober haben wir in Wien 47 Prozent Marktanteil auf den Routen nach Deutschland erreicht.

STANDARD: Wie wird sich das imSommer 2010 reduzierte AUA-Charterangebot auswirken?

Lauda: Das ist auch mir ein Rätsel, welches aber auf Kosten der AUA geht. Denn dadurch wird der österreichische Ferienflugmarkt für ausländische Gesellschaften geöffnet. Niki muss aber aufpassen, eine gute Balance zwischen Charter und Linienverkehr zu halten, damit wir in den schwächeren Wintermonaten nicht zu viel Kapazität haben. Die Balance liegt derzeit bei 40/60 Prozent.

STANDARD: Wie ist 2009 für Ihre Airline gelaufen?

Lauda: Besser als letztes Jahr, 25 Prozent Passagierzuwachs. Finanzzahlen sage ich noch nicht. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.12.2009)

Zur Person

Der dreifache Formel-1-Weltmeister Niki Lauda (60) betreibt seit sechs Jahren den Low-Cost-Carrier Niki, an dem Air Berlin zu 24 Prozent beteiligt ist. Die davor gegründete Lauda Air verkaufte er an die AUA. Nikis jüngste Flugverbindung ist von Graz nach Nürnberg (Air-Berlin-Drehscheibe für Südverkehr), im Februar kommt Belgrad dazu. Im ersten Halbjahr 2009 erreichte Niki zehn Prozent Marktanteil in Wien, mit Air Berlin 16.

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    Mit einer Low-Cost-Strategie kann die AUA Low-Cost-Carriern wie Niki nicht Paroli bieten, ist Niki Lauda überzeugt.

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