Teure Gesundheit: Zu viele Betten, zu hohe Honorare

8. Dezember 2009, 17:09
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Österreichs Gesundheitssystem ist gut, aber sehr teuer - Das liegt an zu vielen Krankenhausbetten und hohen Arzthonoraren

Wien/Paris - Österreich hat auch im internationalen Vergleich ein leistungsfähiges Gesundheitssystem, das eine Versorgung für nahezu die gesamte Bevölkerung gewährleistet. Allerdings gibt Österreich im Vergleich zu anderen Ländern, die eine ähnlich breite Versorgung gewährleisten, viel Geld für sein Gesundheitssystem aus, geht aus der Vergleichsstudie "Gesundheit auf einen Blick" der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, die am Dienstag in Paris veröffentlicht wurde. Wichtige Kostenfaktoren in Österreich sind viele Krankenhausbetten und relativ hohe Ärztehonorare.

Österreich gab im Jahr 2007 etwa 10,1 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für die Gesundheitsversorgung aus. Das ist der siebt-höchste Wert in der OECD. Auch die Ausgaben pro Kopf liegen kaufkraftbereinigt um 26 Prozent über dem OECD-Schnitt.

Allerdings sind in Österreich, anders als in den meisten anderen Ländern, die Gesundheitsausgaben nicht schneller gewachsen als die Wirtschaftsleistung, und das bei einer vergleichsweise rasch alternden Bevölkerung.

Liegt Österreich bei den Gesundheitsausgaben innerhalb der OECD an siebenter Stelle, steht es bei der Lebenserwartung nur an Platz 13. "Alle Länder können die Leistungen ihres Gesundheitssystems verbessern. Solche Verbesserungen bedeuten nicht unbedingt höhere Ausgaben" , sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurría.

Trotz eines Rückgangs in den vergangenen Jahren hat Österreich nach wie vor im Verhältnis zur Bevölkerung sehr viele Krankenhausbetten. Auf 1000 Einwohner kommen hier 6,1 Krankenhausbetten. Das ist nach Japan und Korea der höchste Wert in der OECD. Im OECD-Schnitt sind es 3,8 Betten je 1000 Einwohner. Das deutlich dünner besiedelte und damit schwerer zu versorgende Schweden kommt mit 2,1 Krankenhausbetten je 1000 Einwohner aus. Entsprechend hat Österreich, bezogen auf die Bevölkerung, die höchste Zahl an Krankenhauseinweisungen (278 je 1000 Einwohner, OECD 158). Allerdings sind die Krankenhausaufenthalte kürzer.

Die Gesamtausgaben für Medikamente liegen pro Kopf kaufkraftbereinigt um acht Prozent über dem OECD-Schnitt. Bei den von den Krankenkassen finanzierten Kosten für Medikamente liegt Österreich über dem OECD-Mittel. Mit 1,5 Allgemeinmedizinern je 1000 Einwohner hat Österreich eine deutlich höhere Ärztedichte als die OECD-Länder im Schnitt (0,9 Allgemeinmediziner je 1000 Einwohner). Die Facharztdichte liegt mit 2,2 je 1000 Einwohnern etwas über dem OECD-Schnitt. Mit 6,7 Arztbesuchen pro Jahr pro Einwohner gehen die Menschen in Österreich etwas seltener zum Arzt als im OECD-Mittel (6,8 Arztbesuche pro Einwohner pro Jahr).

Die Bruttoeinkommen der selbstständigen Allgemeinmediziner liegen nach Abzug der Praxiskosten in Österreich beim 2,9-Fachen des Durchschnittslohns. Selbstständige Fachärzte verdienen in Österreich das 4,8-Fache des Durchschnittslohns.

Ungesunde Jugendliche

Vor allem Jugendliche haben in Österreich einen deutlich ungesünderen Lebenswandel. In keinem anderen OECD-Land ist unter den 15-Jährigen der Anteil der Raucher so hoch wie in Österreich. Besonders deutlich ist der Abstand zu anderen Ländern bei Mädchen. Nach Dänemark, Großbritannien und Finnland berichten in keinem andern OECD-Land mehr Jugendliche über Alkoholexzesse. 36 Prozent der Mädchen und 41 Prozent der Buben in Österreich im Alter von 15 Jahren geben an, schon mindestens zweimal im Leben betrunken gewesen zu sein.

Abgesehen von Finnland gibt es kein Land in der OECD, in dem weniger Jugendliche regelmäßig Obst essen als in Österreich. Gleichzeitig hat sich bei den Jugendlichen der Anteil der Fettleibigen in den vergangenen Jahren fast verdoppelt.

Die Ausgaben für öffentliche Gesundheits- und Präventionsprogramme etwa gegen Alkohol- oder Tabakkonsum liegen mit 1,9 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben aber deutlich niedriger als im Durchschnitt der OECD-Länder (3,0 Prozent). (völ, DER STANDARD, Printausgabe, 8.12.2009)

 

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    foto: oecd/der standard
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