Herr Fußi will die SPÖ retten

8. Dezember 2009, 17:04
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Neues Projekt nach Abfangjägern: Eine Partei muss nach links gerückt werden

Wien - "Wir müssen etwas gegen den Nichtkurs von Werner Faymann tun" , empört sich Rudolf Fußi. "Gusenbauer war zu großspurig, Faymann ist zu kleingeistig." Die Sozialdemokratie stehe vor dem Ende. Er will sie retten. Rudolf Fußi will die SPÖ wieder dorthin rücken, wohin sie hingehört. Nach links nämlich. Nicht allein, sondern mit Freunden und Bekannten, aber bis zum Gründungskongress der Initiative "SPÖ-Linke" ist er einmal ihr Sprecher.

Die entsprechende Facebook-Gruppe hat bereits 1100 Mitglieder. "Die SPÖ-Linke. Pro SPÖ-Kurswechsel. Pro SPÖ-Neustart" lautet der etwas sperrige Titel im Wortlaut, und die Initiative bedient sich dabei auch ganz ungeniert des offiziellen SPÖ-Logos.

So frech Fußi jetzt gegen Faymann und die SPÖ auftritt, er war dort vor wenigen Wochen noch Auftragnehmer. Fußi schied erst Ende September aus dem Vorstand der Internetfirma "webfreetv.com" aus. Kunden waren die SPÖ, das Kanzleramt, etliche Ministerien, aber auch die ÖVP. "Webfreetv.com" ist Marktführer, was bewegte Bilder im Internet anlangt, auch Medien wie Standard, Presse, Kronen Zeitung und etliche Bundesländer-Zeitungen gehören zu den Kunden. Nicht mehr zu Fußis Kunden, der hat jetzt einen neuen Job in Aussicht. Derweil politisiert er; und geht der SPÖ, um deren Rettung er sich ungefragt bemüht, gehörig auf die Nerven. "Eine Nervensäge bin ich nicht" , weist er diesen Vorwurf aber nahezu beleidigt zurück. Ihm gehe es nicht um eine Spaltung der Partei, sondern darum, diese zu verhindern. Und er sei nicht alleine. Da wirft Fußi mit prominenten roten Namen herum. Erwin Buchinger, Bettina Stadlbauer, Lisa Sinowatz, Werner Schneyder, Kurt Flecker.

Rudolf Fußi, der aus dem steirischen Fohnsdorf stammt, ist jetzt 31, mit 23 Jahren hatte er bereits sein erstes Volksbegehren gemacht. Mit 625.000 Unterschriften war das Volksbegehren gegen den Ankauf von Abfangjägern im Jahr 2002 unter den erfolgreichsten Volksbegehren. Der SPÖ ist Fußi im gleichen Jahr beigetreten, und zwar an dem Tag, als der Eurofighter-Ankauf fix gemacht wurde.

Natürlich stört Fußi mit seinem Kurs die offizielle Parteilinie, auch wenn er selbst behauptet, in der Gewerkschaft und bei manchen Landesorganisationen breite Unterstützung zu genießen. Aber wenn er bei einem Privatsender über die SPÖ mitdiskutieren soll, verweigert die SPÖ die Teilnahme. Was in der Regel dazu führt, dass Fußi wieder ausgeladen wird.

Aber der Mann hat ein ungebrochenes Selbstvertrauen und verzagt nicht. Jetzt bereitet er einmal den Gründungskongress der Initiative "SPÖ-Linke" vor. Dass die SPÖ möglicherweise gar nicht gerettet werden will, das hält auch Fußi für möglich. Aber was hilft's? Die Partei brauche eine inhaltliche Neuausrichtung, eine Rückkehr zu der Politik von Bruno Kreisky, und irgendwer muss die Arbeit schließlich ja machen. (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 9.12.2009)

  • Rudolf Fußi ist aus seiner Internetfirma ausgeschieden, jetzt hat er Muße für die SPÖ.
    foto: standard/cremer

    Rudolf Fußi ist aus seiner Internetfirma ausgeschieden, jetzt hat er Muße für die SPÖ.

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