Menschenrechtler werfen Polizei Hinrichtungen vor

08. Dezember 2009 16:34

HRW: "Exzessive Gewalt mit tödlichen Folgen" in Rio de Janeiround Sao Paulo

Rio de Janeiro - Brasilianische Polizeibeamte richten mutmaßliche Kriminelle nach Angaben von Menschenrechtlern regelmäßig ohne gerichtliche Grundlage hin. Ein am Dienstag veröffentlichter Bericht der Organisation Human Rights Watch (HRW) wirft der Polizei in den Bundesstaaten Rio de Janeiro und Sao Paulo "exzessive Gewalt mit tödlichen Folgen" vor.

Außergerichtliche Hinrichtungen seien keine Antwort auf Gewaltverbrechen, sagte Jose Miguel Vivanco, Direktor der Lateinamerika-Abteilung von HRW. "Die Bewohner von Rio und Sao Paulo brauchen eine effektivere Polizei, nicht mehr Gewalt durch Polizisten."

Tausend Tote

HRW untersuchte in dem Bericht 51 Fälle, in denen die Polizei vermeintliche Tatverdächtige offensichtlich hinrichtete und danach berichtete, dass die Opfer in einem Schusswechsel starben, als sie sich ihrer Verhaftung widersetzen wollten. Polizisten in Rio und Sao Paulo töten den Angaben zufolge jährlich mehr als 1000 Menschen in derartigen Zusammenstößen. Während einige dieser Tötungen legitime Formen der Selbstverteidigung seien, seien viele andere illegale Hinrichtungen.

In Brasilien werden 2014 die Fußballweltmeisterschaft und zwei Jahre später in Rio die Olympischen Spiele ausgetragen. Die alltägliche Gewalt schürt Befürchtungen, das Land könnte nicht ausreichend auf die sportlichen Großereignisse vorbereitet sein. Ein im vergangenen Monat veröffentlichter Bericht im Auftrag der Regierung von Rio de Janeiro kam zu dem Schluss, dass die Polizei in dem Bundesstaat in den vergangenen elf Jahren mehr als 10.000 Menschen getötet hat, die meisten in Elendsvierteln. Im Oktober startete die Polizei in Rio einen Großeinsatz gegen Drogenbanden, nachdem über einem Elendsviertel der Stadt ein Polizeihubschrauber abgeschossen worden war. (APA)

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17 Postings
salman
 
19.03.2010 10:05
Wen wunderts?

Das ist seit vielen Jahren Realität, aber die Medien interessieren sich dieser Tage mehr für Bandenkämpfe zwischen Muslimen und Christen in Nigeria, für 20 protestierende Studenten in Tibet oder für einen von einer Rakete verletzten/getöteten israelischen Bürger ...

Dass allein in Brasilien jedes Jahr pi mal Daumen 50 000 ermordet werden, von Drogenkartellen, Großgrundbesitzermafis und Polizisten, ist weniger interessant, zumal Lateinamerika von Europa weiter weg ist als der Nahe Osten.

Malkaye
09.12.2009 09:48
ich verstehe das nicht...

klar kann man einem primeiro comando da capital oder comando vermelho mit 100.000 bandenmitgliedern nicht umspringen wie mit leuten, die wegen/gegen ungerechtigkeit auf die barrikaden gehen.
aber warum die kleinen fische?
bei der polizei scheint es wie bei den verbrechern, die großen lassen die kleinen laufen und die kleinen (polizisten) beißen aus wut und ohnmacht die kleinen verbrecher.

erinnere mich an einen artikel, nachdem der boss so einer mafia über jahre die geschäfte aus der zelle heraus mit dme handy führt! warum darf der da ein handy haben?! geschweige denn, warum ER nicht zufällig bei der festnahme draufging.
klar dass es nicht immer glatt läuft. aber dann bitte kurz und nachhaltig.
schwellenländer brauchen das noch.

Hikikomori
09.12.2009 17:43
Korruption

Die Antwort ist Korruption. Jeder holt sich das was er bekommen kann. Die Großen holen sich viel und die kleinen eben auch was. Schwupps ein Wächter geschmiert und schon ist das Handy in der Zelle, mit dem man ungehindert seine Geschäfte weiterführen kann.

Und die Hinrichtungen sind auch zu erklären. Oftmals arbeitet die Polizei mit den Kartellen zusammen. Sie fungieren dabei unter anderem als Vollstrecker. Schliessen die Augen bei den Eigenen und schiessen bei den anderen.

Brasilien ist da kein Einzelfall. Das ist die grausame Realität in vielen Ländern Lateinamerikas.

sociovation
09.12.2009 08:06
Es fängt ja schon damit an,

dass man Morde verharmlosend als "Hinrichtungen" bezeichnet...

Robert Fien
09.12.2009 04:02
Ich möchte das Verhalten der Polizei weder beschönigen noch verharmlosen, aber wenn man hier lebt und die Realität kennt kann man zumindest besser verstehen warum es so ist wie es ist!

Die Polizei agiert so weil sie sich in einem ständigen Kriegszustand befindet. Absolute Rechtsstaatlichkeit und darüber hinaus Menschlichkeit von Menschen zu verlangen die jeden Tag ihr Leben riskieren und ihre Kollegen sterben sehen, die für einen Hungerlohn arbeiten und keinerlei Bildung besitzen ist zwar nett aber unrealistisch. Die Polizisten die in den Favellas leben, und das ist die Mehrheit weil geringes Einkommen, leben in ständiger Todesangst. Alleine hier in Salvador wurden seit Anfang 2009 18 Polizisten außerhalb vom Dienst von den Drogenbanden HINGERICHTET weil ihre Tarnung aufgeflogen ist. Nur die engsten Verwandten wissen dass sie PMs sind. Ich will nichts rechtfertigen aber es ist nicht so einfach wie man in Europa glaubt!!

Hikikomori
09.12.2009 17:49

In einem Punkt gebe ich Ihnen Recht. Die Lateinamerikanische Realität ist eine andere als in Europa. Ich lebe jetzt schon einige Zeit in Mexico und es gibt Vieles an das man sich gewöhnen muss.
Aber die Polizei als arm und rechtschaffend hinzustellen trifft auf die lateinamerikanische Realität nicht zu.

Es ist normal das die Polizei mit den "Narcos" zusammenarbeiten. Teilweise arbeiten sie auch als Vollstrecker für die Kartelle, da sie Morde als Kausalitäten abschreiben können.

Jeder holt sich das was er bekommen kann, auch die Polizei. Will LA sich verbessern muss es erst die Korruption beseitigen und das größte Problem dabei sind die Politiker.

Ernst Guevara
09.12.2009 10:53
warum verharmlosen sie es dann, wenn sie es angeblich gar nicht wollen?

Ihr posting ist eine klare themenverfehlung, denn es geht hier um morde durch die polizei. allein in rio 10.000 morde in den letzten elf jahren, laut artikel. und Sie kommen mit der legende von der armen polizei, die ja so bedroht wird, daher! wollen Sie vielleicht sagen, dass die 10.000 morde in rio eine "legitime reaktion" auf die schlechten arbeitsbedingungen der polizei waren? fakt ist wohl eher, dass die meisten opfer des polizeiterrors keine drogenmafiosi sondern zivilisten sind, die ins kreuzfeuer geraten. auch bei den ständigen razzien der polizei in den armenvierteln soll schon so mancher ermordet worden sein, der mit der mafia nichts am hut hat. die probleme sind die militarisierung der gesellschaft und die korruption der polizei.

RebelAngel
 
19.01.2010 16:15
sieh an

ein steinewerfendes Glashaus...

drmukti
09.12.2009 02:05
wo ist die information?

man kann auch berichten, dass aus dem wasserhahn wasser rauskommt.

LCD
08.12.2009 21:01

Kriminalität zu bekämpfen indem man selbst zum kriminelen wird... Ist das eine praktikable Lösung? Nein! Zwischen Polizisten und Kriminelen muss es Unterschiede geben.

Jürgen Rembremerding
 
08.12.2009 21:17
deshalb haben die eine ja eine Uniform!

NONE
09.12.2009 00:50

Es ist natürlich ein Zwang das du immer lustig sein musst, aber ich finde nicht das du immer lustig bist.

let´s kill some japanese for scientific reasons
08.12.2009 20:20
Die Augen der Kinder als sie Polizisten sahen, werde ich nie vergessen. Sie hatten Todesangst als die Polizei auftauchte.

Kurz bevor in Rio war, wurden 26 oder 28 Kinder von der Polizei hingerichtet, weil sie nachts Schaufenster einschlugen, plünderten und in den Fabellas verschwanden. Mir hat man damals erzählt, daß betroffene Geschäftsleute nicht mehr weiter wüßten und von der Polizei ein hartes Durchgreifen forderten.
(Sicher hat man dafür auch bezahlt).

Erschossen hat man übrigens irgendwelche 8 - 16 Jährigen. Es ging nur um ein Exempel.

renato illuminato
08.12.2009 18:24
eine andere taktik ist

verletzte mit schußwunden so lange herumzukutschieren bis sie nicht mehr zu retten sind. BR ist immer noch eine polizei und militärdiktatur trotz lula und seinem "wirtschaftsaufschwung". vor der olympiade wird man noch mehr solcher "säuberungsaktionen" beobachten können.

NONE
09.12.2009 00:51

Leider muss ich da ihnen zum Teil Recht geben. Es gibt einen riesengrossen sozialen Unterschied, der vieles bedingt. Es wäre Zeit für Lula weniger zu reden und mehr konkret zu handeln.

Korrupte und kriminelle Polizisten müssen eingesperrt werden als erster Schritt.

pepitant
08.12.2009 17:01
Das weiß HRW offenbar genau seit

dem Zeitpunkt der Kritik Lulas an der Vorgehensweise der US-gestützten Verbrecher in Honduras.
Genau so, wie unsere Medien vor Kurzem erst erfahren haben, dass China die Tibeter unterdrückt.

Das eigentliche Signal liegt nicht in der Sache verborgen. Es sagt einfach nur aus: "Wir haben unkontrollierbare Macht und die Skrupellosigkeit, diese nach Belieben einzusetzen, ob ihr das glaubt oder nicht spielt keine Rolle."

sampa
08.12.2009 16:48
nichts neues..

..das ist seit vielen,vielen jahren die normalitaet.leider.

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