Erneut tödlicher Anschlag

9. Dezember 2009, 10:10
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Über 150 Verletzte - Drei Anschläge in Einkaufspassage von Lahore und auf Gerichtsgebäude in Peshawar - Aufständische zerstörten Bubenschulen

Islamabad - Vier Anschläge in Pakistan binnen 24 Stunden: Zwei Selbstmordattentäter haben am Dienstag in der ostpakistanischen Stadt Multan nahe der örtlichen Zentrale des Geheimdienstes ISI mindestens zwölf Menschen mit in den Tod gerissen. Der Arzt Kaleem Ullah vom Rettungsdienst sagte, unter den Toten seien auch Kinder. Rund 50 weitere Menschen seien verletzt worden. Erst am Montag war es in der ostpakistanischen Stadt Lahore sowie in Peshawar im Nordwesten des Landes zu insgesamt drei Bombenanschlägen gekommen, bei denen mindestens 59 Menschen getötet worden waren.

Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Angreifer in Multan hätten zunächst das Feuer eröffnet und eine Panzerfaust abgeschossen, bevor sie den in einem Kleinlastwagen eingebauten Sprengstoff gezündet hätten. Der Chef der Stadtverwaltung, Mohammad Ali Gardezi, sagte gegenüber dem Nachrichtensender "Geo TV", Ziel sei der ISI gewesen. Die beiden Selbstmordattentäter hätten das ISI-Gebäude aber nicht erreicht und den Wagen mit 800 Kilogramm Sprengstoff an einem nahe gelegenen Kontrollposten der Armee in die Luft gesprengt. Nach Angaben der Rettungskräfte wurden vier Soldaten und acht Zivilisten getötet. Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag.

Radikale Islamisten haben in Pakistan in den vergangenen zwei Monaten zahlreiche Anschläge verübt, bei denen mehr als 400 Menschen getötet wurden. Sie reagierten damit auf die Großoffensive der Streitkräfte gegen die Taliban in Süd-Waziristan an der afghanischen Grenze. Multan war zum ersten Mal Schauplatz eines Anschlags.

In Lahore stieg die Zahl der Todesopfer nach Angaben der Behörden vom Dienstag auf mindestens 49. Rund 180 Menschen seien bei den beiden Detonationen am Montagabend auf einem Markt verletzt worden, sagte Sajjad Ahmed Bhutta von der Stadtverwaltung. Zum Zeitpunkt der zeitgleichen und rund 30 Meter voneinander entfernten Explosionen waren zahlreiche Menschen auf dem Markt.

Bhutta sagte, unter den Toten seien mindestens sieben Kinder und 13 Frauen. Die meisten Opfer seien bei dem Brand nach den Explosionen in den Flammen gestorben. Die Polizei ging davon aus, dass mindestens einer der Anschläge von einem Selbstmordattentäter verübt wurde. Kurz zuvor hatte ein Selbstmordattentäter vor einem Gerichtsgebäude in Peshawar mindestens zehn Menschen mit in den Tod gerissen.

Aufständische zerstörten Bubenschulen

Im Nordwesten Pakistans haben Aufständische zwei Schulen für Buben in die Luft gesprengt. Die Explosion in dem Ort Bara, rund 20 Kilometer südlich von Peshawar, habe in der Nacht auf Mittwoch keine Menschen getötet, teilten die örtlichen Behörden mit. Der Behördenchef im Bezirk Khyber, Shafeerullah Wazir, machte die radikal-islamischen Taliban und eine örtliche Rebellengruppe für die Anschläge verantwortlich.

In den vergangenen Jahren haben islamistische Aufständische in der Region hunderte Schulen attackiert und zerstört. Weil sie gegen Schulbildung für Mädchen sind, greifen sie besonders häufig Mädchenschulen an.

US-Präsident Barack Obama hatte vergangene Woche bei der Vorstellung seiner neuen Afghanistan-Strategie ausdrücklich gemahnt, dass Pakistan nicht zum Rückzugsgebiet für Terroristen werden dürfe. Die USA gehen seit Monaten selbst gegen Extremisten im Nachbarland zu Afghanistan vor. So starben am frühen Dienstagmorgen bei einem mutmaßlichen US-Luftangriff mit einer unbemannten Drohne in Nord-Waziristan mindestens drei Islamisten. (red/APA/AP/Reuters)

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    Die Detonationen in Lahore lösten einen Großbrand in einer Einkaufspassage aus.

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